Zum Wohl von Arzt und PatientenWarten erfordert Mut

Die Zeit bis zum Erreichen eines anvisierten Ziel kann sich schier unendlich hinziehen. Warten ist in der Praxis manchmal unvermeidlich - es will gelernt sein.

Die Zeit bis zum Erreichen eines anvisierten Ziel kann sich schier unendlich hinziehen. Warten ist in der Praxis manchmal unvermeidlich - es will gelernt sein.
Johanna Dielmann-von Berg, stellvertretende Chefredakteurin "Der Hausarzt"© BLENDE11 FOTOGRAFEN

Als Hausärzte sind Sie Experten fürs Warten. Jeden Tag warten Sie sogar freiwillig ein Dutzend Mal. Nur bei jedem Zehnten stellen Sie eine Diagnose [1]. Abwartendes Offenlassen ist ein wichtiges Werkzeug für Hausärzte, um ihre Patienten zu schützen [1, 2]. Spezialisten verwechseln dies oft mit „Nichtstun“. Dabei ermöglicht das ärztlich begleitete Warten erst, bei Patienten mit oft diffusen Symptomen die richtige Ursache und Behandlung zu finden. Doch Abwarten will gelernt sein.

Es braucht Erfahrung, um keine gefährlichen Verläufe zu übersehen. Es braucht Mut, um Unsicherheit auszuhalten [3]. Und es braucht Zeit: Eine Pille ist oft schneller verschrieben, als ein Patient bei seinen Erwartungen abgeholt und über Nutzen, Risiken und Alternativen informiert. Im Schnitt dauert eine Konsultation nur sieben Minuten [4].

Um aus sieben Minuten das Beste herauszuholen, müssten einerseits Standards, also was Patienten nachweislich nützt, noch häufiger angewendet werden. Andererseits könnte man langfristig Arztzeit gewinnen, indem man häufiger lässt, was man nicht tun sollte. Um unnötige Diagnostik zu vermeiden, erinnert der Internist

Dr. Mark McConnell [5] an etwas eigentlich Selbstverständliches, den Patienten nicht zu vergessen: Nach dem Abwägen der Differentialdiagnosen und möglicher Ursachen, sind die Präferenzen des Patienten entscheidend. Wie wichtig ist ihm sein Problem?

Wäre er überhaupt bereit, die Folgen eines Tests zu tragen, etwa fünf Jahre ein Medikament zu nehmen? Wer nicht wartet, was der Patient zu sagen hat, setzt womöglich aus falscher Erwartung einen Kreislauf aus – oft unnötiger – Diagnostik und Therapie in Gang. Deswegen wünsche ich Ihnen und Ihren Patienten Mut, zu warten.

Johanna Dielmann-von Berg

Stellv. Chefredakteurin „Der Hausarzt“

 

Quellen:

  1. DEGAM-Leitlinie Nr. 21 Schutz vor Über- und Unterversorgung – gemeinsam entscheiden. AWMF-Register-Nr. 053-045
  2. Sturm D. Wozu die ollen Kamellen der Berufstheorie? Der Hausarzt 14/16, S. 20-23
  3. Mauer M. Gesunder Zweifel. Der Hausarzt 4/16, S. 20-23
  4. Irving G et al. International variations in primary care physician consultation time: a systematic review of 67 countries. BMJ Open 2017; DOI: 10.1136/bmjopen-2017-017902
  5. Best Science Medicine Podcast – BS without the BS. Episode 427: How not to do, what didn`t need to be done. https://therapeuticseducation.org/podcast/episode-427-how-not-do-what-didn%E2%80%99t-need-be-done, zuletzt abgerufen am 17.10.19
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