GOP 88240Hausärzte leisten Löwenanteil in der Pandemie

Die GOP 88240 wird seit Beginn der Corona-Pandemie allen Verdachtsfällen sowie positiven Fällen zugesetzt. Eine Auswertung der Abrechnungsdaten durch den Deutschen Hausärzteverband belegt nun, was viele Praxen bereits berichteten: Unter allen Ärzten, die Corona-Fälle versorgen, stellen Hausärztinnen und Hausärzte von Beginn an die Mehrheit.

Vielfältiges Engagement: Hausärztinnen und Hausärzte bilden in der Corona-Pandemie einen ambulanten Schutzwall.

Der überwiegende Teil der Corona-Fälle wurde und wird durch Hausärztinnen und Hausärzte versorgt: Im zweiten Quartal 2020, also auf dem Höhepunkt der ersten Welle der Pandemie, haben sie den größten Teil der mit der Gebührenordnungsposition (GOP) 88240 versehenen Fälle abgerechnet.

Diese kennzeichnet als sogenannte Pseudo-Ziffer alle Verdachts- sowie positiv bestätigten Fälle (siehe Kasten). In den betrachteten Regionen wurde die GOP 88240 im Quartal 2/2020 fast 1,5 Millionen mal abgerechnet – und dabei nur rund 265.000-mal im fachärztlichen Versorgungsbereich (Grafik 1).

Das zeigt eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die der Deutsche Hausärzte-verband vorgenommen hat und die der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt Mitte Januar bei einem Online-Pressegespräch vorgestellt hat. “Mehr als 70 Prozent der ambulanten Corona-(Verdachts-)Fälle wurden im ersten und zweiten Quartal 2020 unmittelbar in hausärztlichen Praxen versorgt”, so Weigeldt.

Ziel: Harte Zahlen als Basis

Die KVen Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt stellten für die Auswertung vollständige Daten zur Verfügung; aus Nordrhein, Bremen, Niedersachen und Berlin liegen nur unvollständige Datensätze vor.

Insgesamt verfügt der Deutsche Hausärzteverband damit jedoch über Daten aus Regionen, in denen rund zwei Drittel der bundesweiten Bevölkerung leben. “Wir wollten die anekdotische Evidenz aus zahlreichen Rückmeldungen aus der Praxis mit harten Zahlen absichern”, erklärt Sebastian John die Motivation für die Datenerhebung und -auswertung.

Der Junior-Geschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes hat die Analyse federführend begleitet. Weil die Daten auf Bundesebene nur mit zeitlichem Versatz vorliegen, hatten die Landeshausärzteverbände die Daten auf regionaler Ebene in den KVen abgefragt, die dann durch den Bundesverband ausgewertet wurden.

Damit kann der Deutsche Hausärzteverband schon in der Pandemie entsprechende Fakten als Basis für seine Arbeit vorlegen. Denn die Zahlen unterstreichen, dass die Hausarztpraxen den Löwenanteil geleistet haben: Mehr als 70 Prozent der Corona-(Verdachts-)Fälle wurden durch sie betreut (Q1: 74 Prozent, Q2: 71 Prozent); rund jeder achte Fall wurde in sogenannten Fieber- oder Corona-Ambulanzen versorgt (Q1: 14 Prozent, Q2: 11 Prozent).

“In diesen waren in der Regel jedoch auch überwiegend Hausärzte tätig”, gibt Bundesvorsitzender Weigeldt zu bedenken. “Somit wurden etwa 80 Prozent der ambulanten Corona-Fälle durch Hausärzte versorgt”, resümiert er.

9 von 10 sind Hausärzte

Blickt man statt auf die Fallzahlen nun auf die Ärzte, die an der ambulanten Versorgung der Corona-Fälle und Verdachtsfälle beteiligt waren, liegt der Anteil der hausärztlichen Praxen sogar noch höher (Abb. 2).

Davon ausgehend, dass in den oft durch die KVen betriebenen Fieberambulanzen vorwiegend Hausärztinnen und Hausärzte eingesetzt waren, waren etwa 90 Prozent der Ärzte in der ambulanten Corona-Versorgung dem hausärztlichen Bereich zuzurechnen.

Praxisberichte zeigen auch ohne Vorliegen der Zahlen für die weiteren Quartale, dass sich dieser Trend bis heute durchgesetzt hat. Um das stemmen zu können, haben Hausärzte in kurzer Zeit erhebliche Ressourcen für die Versorgung von Corona-Patienten zur Verfügung gestellt, und das in vielerlei Hinsicht: beispielsweise in Form eines hohen Engagements im Aufbau der Teststrukturen oder dem Umstellen von Abläufen in der eigenen Praxis, um allen Patienten weiterhin einen hohen Infektionsschutz zu garantieren.

Gerade zu Beginn der Pandemie war dies – beispielsweise aufgrund lange fehlender Schutzausrüstung – von Nöten (“Der Hausarzt” 9/20 und 10/20).

Chroniker nie aus Blick verloren

Darüber hinaus wurden auch in den Sprechzeiten erhebliche Ressourcen, etwa in Form eigener Infektsprechstunden, freigeschaufelt. Im zweiten Quartal 2020 waren sechs Prozent aller hausärztlich versorgten Fälle Corona-relevant (Abb. 3).

Was zunächst wenig erscheint, gewinnt mit Blick auf die absoluten Zahlen an Dimension: Immerhin waren diese sechs Prozent mehr als eine Million Fälle (Abb. 1). Zu jeder Zeit weiter betreut wurden die zahlreichen anderen Patienten, etwa chronisch Kranke.

Letztlich war der weit überwiegende Teil der Ärzte des hausärztlichen Bereichs in die Versorgung von Corona-Fällen eingebunden. Im ersten Quartal zu Beginn der Pandemie waren es 63 Prozent, im zweiten 80 Prozent – Tendenz steigend.

Zum Vergleich: Bei den Fachärzten war es zuletzt nur jeder Zehnte (Q1: 6 Prozent, Q2: 10 Prozent). “Somit waren fast alle hausärztlichen Praxen an der Versorgung von Corona-Patienten beteiligt”, bilanziert Weigeldt. “Nur wenige konnten aus gesundheitlichen oder organisatorischen Gründen keine Corona-Versorgung anbieten.”

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