Alles für die PraxisCoronavirus: Aktuelle Praxishilfen für Hausärzte

Bundesweit melden Hausarztpraxen erste Verdachtsfälle des Coronavirus. Um die Ausbreitung zu verhindern, ist das frühe Finden Infizierter jetzt entscheidend. „Der Hausarzt“ gibt dafür Praxishilfen an die Hand: Checkliste, Patienteninfo und Praxisaushang.

Bundesweit melden Hausarztpraxen erste Verdachtsfälle des Coronavirus. Um die Ausbreitung zu verhindern, ist das frühe Finden Infizierter jetzt entscheidend. „Der Hausarzt“ gibt dafür Praxishilfen an die Hand: Checkliste, Patienteninfo und Praxisaushang.
Auch Hausärzte haben inzwischen die ersten Verdachtsfälle auf Coronaviren an Unikliniken verwiesen.© velimir - stock.adobe.com

Mit dem Auftreten erster Coronavirus-Verdachtsfälle in Deutschland zeitgleich zum Start der Grippewelle ist in Hausarztpraxen der Beratungsbedarf gestiegen: Bundesweit berichten Praxen und Kliniken von Patientennachfragen und Sorgen, dass es sich bei einem vorliegenden grippalen Infekt um das Coronavirus handele.

“Die Diagnose und Behandlung von Virusinfektionen aller Art gehören in einer Hausarztpraxis insbesondere zu Beginn eines Jahres zum Alltag”, weiß Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands. Aktuell gehe es aufgrund einer “Angst” vor dem Coronavirus bei vielen Menschen jedoch vor allem um eine verstärkte Aufklärung. Denn immer noch ist es aktuell wahrscheinlicher, dass die für das Coronavirus typischen Symptome eher auf einen grippalen Infekt zurückzuführen sind.

Um die vorhandenen Sorgen von Patienten aufzunehmen und zu entkräften, sei für Hausärzte ein “professionelles Auftreten mit einem guten eigenen Informationsstand” wichtig, meint Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung (IHF) im Deutschen Hausärzteverband.

Darüber hinaus sind Hausärzte im frühen Identifizieren potenzieller Verdachtsfälle – laut Behörden aktuell der wichtigste Schritt, um eine Ausbreitung zu verhindern – gefragt: In Göttingen etwa haben am Dienstag (28. Januar) unabhängig voneinander zwei Hausärzte Patienten als Verdachtsfälle in die Uniklinik überwiesen. Hausärzte seien aktuell “besonders sensibilisiert”, da sie in der Regel erste Ansprechpartner der Patienten seien, beobachtet Anke-Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe.

„Der Hausarzt“ stellt daher drei Praxishilfen zum Download zur Verfügung (s. Kasten, zuletzt aktualisiert am 29.1.):

  • Patienteninfo zur Unterscheidung von Grippe und Coronavirus
  • mehrsprachiger Praxisaushang (deutsch, englisch, chinesisch) zur frühen Triagierung bereits an der Praxistür
  • Checkliste zur Vorbereitung der eigenen Praxis auf Verdachtsfälle

Patienteninfo und Praxisaushang können Hausärzte mit ihrem Praxisstempel individualisieren.

Praxisaushang mit Schaubild

Die Praxishilfen sollen Hausärzte unterstützen, mit Fakten und laienverständlich formulierten Informationen eine mögliche Panik zu vermeiden, Patienten zu beruhigen und die zusätzliche Belastung während der Grippesaison zu senken. So wird der „Verdachts-Algorithmus“ im Praxisaushang beispielsweise leicht verständlich in einem Schaubild dargestellt: Ein Verdachtsfall kann nur vorliegen, wenn Patienten respiratorische Symptome zeigen UND 14 Tage vor Ausbruch der Krankheit eine Risikoregion besucht oder eine Kontaktperson getroffen haben.

„Die mediale Information nahezu in Echtzeit über neue Viruserkrankungen führt oft zur kurzfristigen Panik bei Patienten“, sagt Dr. Oliver Funken, Vorsitzender des Hausärzteverbands Nordrhein. Hausärzte könnten in dieser Situation “zuverlässig und umfassend” beraten. Der Landesverband verweist ebenso wie die Hausärzte in Westfalen-Lippe unter anderem auf Hygienemaßnahmen, die “Der Hausarzt” in der Patienteninfo aufgreift und die für neuartige Viren wie Grippeviren gleichermaßen gelten.

Reicht die Schutzkleidung aus?

Ergänzend rät Hausärztin Richter-Scheer Praxen dazu, zu überprüfen, ob Schutzkleidung in ausreichendem Maß vorhanden sei. Die Checkliste führt benötigte Materialien auf und soll Praxisteams helfen, ihre Praxisabläufe zu prüfen und das Vorgehen bei einem Verdachtsfall abzustimmen. Im Laufe des Mittwochs gaben auch erste Kassenärztliche Vereinigungen Hinweise für den Umgang mit ambulanten Verdachtsfällen heraus. Diese hat “Der Hausarzt” in die Praxismaterialien eingearbeitet. Die Checkliste beinhaltet jetzt zum Beispiel zwei Schaubilder für mögliche Abklärungen, wenn Patienten sich telefonisch bei ihrem Hausarzt melden oder direkt die Praxis aufsuchen.

Keine routinemäßige Testung in der Hausarztpraxis

Um Betroffenen schnell zu helfen, aber auch im Praxisablauf Zeit zu sparen, betont Dr. Matthias Berndt, dass die Virustestung von den Gesundheitsämtern koordiniert wird und nicht in den Hausarztpraxen selbst stattfindet. Hausärzte übernehmen die erste Anamnese, klären die Patienten auf und leiten dann die Versorgung in die richtigen Bahnen, indem sie das Gesundheitsamt bei einem Verdacht informieren, ergänzt der Vorsitzende des Hausärzteverbands Niedersachsen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt keine routinemäßige 2019-nCoV-Diagnostik in der Praxis.

Die für eine sichere Diagnosestellung nötige Gewinnung von Sputum sei bei Personen ohne produktiven Husten “zeitaufwändig und häufig frustran”, schreiben Prof. Michael M. Kochen, Prof. Hanna Kaduszkiewicz und Dr. Josef Pömsl in einer aktuellen Empfehlung. Der erhebliche personelle und logistische Aufwand dieser Maßnahme vergrößere die im schlimmsten Fall bestehende Unruhe bei vollem Wartezimmer. “Wer allerdings Erfahrung, Ausrüstung und Zeit hat, kann die Sputumgewinnung in der Praxis durchführen.” (s. Tipps im Kasten)

Der Praxisaushang von “Der Hausarzt” soll verhindern, dass möglicherweise mit dem Virus infizierte Personen, die Praxisräume betreten. Bei Verdacht auf eine Infektion sollten Patienten telefonisch das Gesundheitsamt kontaktieren – das RKI stellt hierzu eine Suche über die PLZ zur Verfügung – oder ihre Hausarztpraxis anrufen, die beim weiteren Prozedere unterstützen kann.

Wichtig: Derzeit gibt es vom Robert Koch-Institut (RKI) zwar Hinweise für die Abklärung von Verdachtsfällen sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Viele Empfehlungen zielen aber auf die stationäre Versorgung – bundesweit sind bislang nur vereinzelt Vorgaben für den Umgang mit Corona-Verdachtsfällen in der ambulanten Versorgung vorhanden (Stand 29.1.). Auf Nachfrage von „Der Hausarzt“ hierzu hat das RKI lediglich auf seine Webseite verwiesen. Sobald die Behörden ein Vorgehen für die ambulante Versorgung veröffentlichen, wird „Der Hausarzt“ die Praxishilfen entsprechend aktualisieren.

RKI sieht nach wie vor geringes Risiko

Nach wie vor ist die Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland durch die neue Atemwegserkrankung laut RKI „gering“. „Potenziell ansteckende Erkrankungen gibt es das ganze Jahr, nicht erst mit Corona“, betont RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher auf Anfrage von „Der Hausarzt“. Die in der Patienteninfo aufgeführten Hygienemaßnahmen sind daher ebenso wichtig zum Schutz vor einer Ansteckung durch die Grippe.

Nichtsdestotrotz müsse mit „einem Import von einzelnen Fällen nach Deutschland“ gerechnet werden, auch einzelne Übertragungen seien in Deutschland möglich, schreibt das RKI (28. Januar). Zusätzlich zu den vom Institut zusammengestellten Informationen vor allem für den stationären Bereich informieren vereinzelt Gesundheitsämter mit Schreiben an Hausarztpraxen.

In der Nacht zu Dienstag (28. Januar) hatte Bayern den ersten Coronavirus-Fall Deutschlands bestätigt.

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