Influenza-ImpfungWeiterhin große Versorgungslücken

Trotz zahlreicher Einfuhren aus dem europäischen Ausland bleiben viele Bundesländer weiterhin unterversorgt mit Influenza-Impfstoffen. Die Grippewelle fällt bisher moderat aus. Nicht in allen Regionen ist die Lage angespannt. "Der Hausarzt" gibt einen Überblick, wo die Versorgungslage bereits besonders eng ist.

Trotz zahlreicher Einfuhren aus dem europäischen Ausland bleiben viele Bundesländer weiterhin unterversorgt mit Influenza-Impfstoffen. Die Grippewelle fällt bisher moderat aus. Nicht in allen Regionen ist die Lage angespannt. "Der Hausarzt" gibt einen Überblick, wo die Versorgungslage bereits besonders eng ist.
Impfstoff: Vakzinen gegen Influenza bleiben in vielen Regionen knapp.© Davizro Photography/Fotolia© Davizro Photography/Fotolia

Berlin. Grippe-Impfstoffe bleiben in vielen Teilen Deutschlands knapp. Nach der schweren Grippewelle 2017/2018, die nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gut 23.000 Menschenleben gefordert hatte, verläuft die diesjährige Influenza-Saison bisher gemäßigt – auch, weil sich diesmal mehr Bundesbürger impfen lassen haben. Vielerorts waren Impfstoffe daher schnell vergriffen.

Angesichts der regionalen Engpässe hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Vorschriften für die Beschaffung gelockert. Bundesländer können bei regionalem Bedarf festlegen, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden. „Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“, sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (21. November). Insgesamt sind laut Ministerium in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar. Das seien rund eine Million mehr als im vergangenen Jahr genutzt wurden.

Die Pharmakonzerne können für diese Saison keinen Grippe-Impfstoff mehr herstellen. Es dauere etwa sechs Monate, um einen üblichen Impfstoff auf Hühnereibasis zu produzieren, sagte eine Sprecherin des Herstellers Sanofi. Selbst mit einer kalkulierten Überproduktion sei es nicht möglich, 80 Millionen Impfdosen zu produzieren.

Wie sieht es in den Bundesländern aus?

Von Versorgungslücken sind nicht alle Bundesländer gleichermaßen betroffen. Während Apotheken und Ärzten in Schleswig-Holstein mehrere Tausend Impfdosen fehlen, vermeldete das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern nach bisherigem Stand des Grippeverlaufs einen Überschuss von gut 1.000 Dosen an Impfstoffen. Mehrheitlich besteht allerdings eine Unterversorgung mit Impfmitteln.

Thüringen

Wegen Lieferschwierigkeiten der Hersteller kann in Thüringen nach Angaben des Gesundheitsministeriums bestellter Grippeimpfstoff für rund 20.000 Menschen derzeit nicht ausgeliefert werden. Das betrifft laut Ministerin Heike Werner (Linke) alle Thüringer Regionen, wie die Meldungen der Thüringer Apotheken belegten. So fehlen jüngsten Angaben (21. Dezember) zufolge in Mittelthüringen rund 8.000 georderte Impfdosen, in Ostthüringen etwa 7.000, in Nordthüringen 3.000 und in Südthüringen rund 2.200.

Bayern

Behörden und Krankenkassen haben in Bayern angesichts der Lieferengpässe bei Grippeimpfstoffen schnelle Hilfe versprochen. Die Bayerische Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI) habe beschlossen, dass „alle an der Versorgung Beteiligten, insbesondere Apotheken, Hersteller und Ärzte ermitteln, ob und wo noch Impfdosen vorrätig sind“, hieß es in einer Mitteilung vom Mittwochabend (28. November) in München. Die Behörden wollen die Ärzte unterstützen, um untereinander Impfstoffe auszutauschen. Die bereits existierende Tauschbörse des Bayerischen Apothekerverbandes werde beibehalten. Auch solle an Lösungsmodellen für die kommenden Wintersaisons gearbeitet werden. Eine Woche zuvor (21. November) hatte der Bayerische Hausärzteverband von ersten Problemen bei Ärzten berichtet, die jetzt nachbestellen wollten. In manchen Praxen sei der im Sommer bestellte Impfstoff schon aufgebraucht. „Es ist zu vermuten, dass es jetzt schon zu Engpässen kommt, weil es den Vierfachimpfstoff auch für Kassenpatienten gibt“, sagte eine Sprecherin. Deshalb ließen sich womöglich mehr Menschen impfen.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg ist die Versorgung wohl bisher gesichert. „Von einem massiven Mangel ist uns nichts bekannt“, teilte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Stuttgart mit. Zwar habe es Meldungen gegeben, wonach in manchen Regionen Baden-Württembergs der Impfstoff vergriffen sei. Für ein größeres Gebiet gelte das bisher aber nicht.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz hat sich die Situation für Impfwillige dagegen deutlich eingetrübt. Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Gesundheitsministerin des Lands, sprach gegenüber der deutschen Presseagentur von einer „fatalen Versorgungssituation“. Zu Beginn der Grippesaison hatte der Apothekerverband die „lokalen Engpässe“ antizipiert. Da kein Impfstoff beim Großhandel nachbestellt werden könne, habe damit gerechnet werden müssen, dass der Impfstoff ausgehe. Nach der Lockerung durch das Bundesgesundheitsministerium wurden nach Angaben des Landesministeriums tausende Dosen aus Griechenland importiert, um die Versorgung sicher zu stellen.

Saarland

Wer im Saarland in dieser Grippesaison noch nicht geimpft ist, geht nach Einschätzung der Apothekenkammer des Landes leer aus. Im Vergleich zum Vorjahr gebe es zwar keine Unterversorgung. Aber: „Wir haben jetzt ein Problem, weil die Nachfrage hoch ist und die Saison noch jung“, sagte der Geschäftsführer der Kammer, Carsten Wohlfeil. Er verweist als Gründe einerseits auf die neue Vierfach-Vakzine, andererseits auf eine Impfkampagne.

Sachsen

In Sachsen wurde nach Engpässen eine Lösung gefunden: Apotheker und Ärzte sollen schneller und unbürokratisch mit zusätzlichem Grippe-Impfstoff versorgt werden. Die Apotheker können den Impfstoff auf Basis einer Allgemeinverfügung direkt beim Hersteller Mylan bestellen und anschließend die Ärzte mit Impfstoff beliefern, wie das Gesundheitsministerium am Freitag (30. November) in Dresden mitteilte. „Damit sollte sich die Situation im Freistaat deutlich entspannen“, sagte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU). Die Landesdirektion hatte zuvor arzneimittelrechtlich den Weg freigemacht, damit sächsische Apotheken direkt beim pharmazeutischen Unternehmen Impfstoff nachbestellen können. Rund 23.000 Dosen wurden daraufhin nachbestellt. Diese zusätzlich zur Verfügung stehenden Impfstoffe waren zunächst für das europäische Ausland gedacht. Der sächsische Apothekerverband hatte zuvor betont, dass derzeit nur noch wenig Impfdosen gegen Grippe in den Apotheken des Landes vorrätig sind.

Nordrhein-Westfalen

Die frühe Nachfrage nach Grippe-Impfungen führt in Nordrhein-Westfalen vereinzelt zu Impfstoffmangel. Im Rheinland habe es Einzelmeldungen von Praxen gegeben, die Impfstoff benötigten, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Auch im Gebiet Westfalen-Lippe sei von einzelnen Ärzten ein Mangel berichtet worden, erklärte der Sprecher der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Die Apothekerverbände Nordrhein und Westfalen-Lippe meldeten ebenfalls Engpässe in jeweils wenigen Apotheken.

Sachsen-Anhalt

Mit einer Grippewelle rechnen die Experten in Sachsen-Anhalt erst ab Januar. Nach Angaben des Landesapothekerverbands sind in Sachsen-Anhalt keine Engpässen beim Grippe-Impfstoff zu erwarten. Die Ärzte seien frühzeitig aufgefordert worden, ihre Bestellungen abzugeben, sagte Verbandsgeschäftsführer Matthias Clasen. Alle Ärzte seien entsprechend ihrer Bestellungen beliefert worden. Allerdings sei die Nachfrage nach einer Grippeimpfung in diesem Jahr besonders hoch. Es sei deshalb möglich, dass der Impfstoff im Verlauf der Grippesaison auch in Sachsen-Anhalt knapper werde.

Schleswig-Holstein

Trotz einer im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gestiegenen Menge an Grippe-Impfstoff gibt es auch in Schleswig-Holstein einen Impfstoff-Engpass. Nach Angaben der Landesapothekenkammer, fehlten im Januar trotz Nachbestellungen noch einige tausend Influenza Vakzine. 2017 habe es 364.000 Impfeinheiten gegeben, in diesem Jahr dürften es hochgerechnet etwa 450.000 Einheiten sein, sagte der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, Thomas Friedrich, im letzten November am Rande einer Sitzung des Sozialausschusses des Landtags in Kiel. Das Paul-Ehrlich-Institut geht von einem Bedarf in Höhe von 550.000 Impfdosen für Schleswig-Holstein aus.

Gründe für die Engpässe seien die ungewöhnlich frühen Grippeimpfungen bereits seit Anfang September und eine deutlich größere Nachfrage als im vergangenen Jahr, sagte Friedrich. Die Anbieter hätten ihre gesamte Produktion für Deutschland bereits abverkauft. Für eine Sicherstellung hinreichender Grippe-Impfstoffe auch bei sehr großer Nachfrage sei das bestehende System nicht geeignet, sagte Friedrich. Zu den Akteuren gehörten Arztpraxen, Betriebe und Krankenkassen mit eigenen Impfungen, gesetzliche Krankenkassen sowie private Krankenkassen, die ihren Patienten Impfungen bezahlten. Um das Problem lösen zu wollen, müsste die Politik den Bedarf definieren. Falls Impfstoff dann übrig bleibe, müsste die Gesellschaft dies eben bezahlen, sagte Friedrich. In Schleswig-Holstein ist die Durchimpfung laut Friedrich von Jahr zu Jahr gesunken. Grund sei offenbar die Impfmüdigkeit vieler Menschen. Wenn sich in diesem Jahr wieder mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen, profitieren dadurch laut Friedrich auch jene, die darauf verzichten – weil die Grippe sich nicht so sehr verbreite.

Hamburg

Hamburg erleichtert die Beschaffung von saisonalen Influenza-Impfstoffen: Mit dem Erlass einer entsprechenden Allgemeinverfügung ist es seit 3. Dezember möglich, entsprechende Impfstoffkontingente aus anderen EU-Mitgliedsstaaten in Deutschland einzusetzen. Damit bekommen Hamburger Apotheken einen schnellen Zugang zu diesen zusätzlichen Impfstoffkontingenten. Die Allgemeinverfügung ist beschränkt auf Impfstoffe aus der EU, für die eine staatliche Chargenfreigabe durch das Paul-Ehrlich-Institut vorliegt. Weil die Impfstoffe jedoch fremdsprachlich gekennzeichnet sind, wäre ein Bezug ohne die jetzt erlassene Allgemeinverfügung nicht möglich.

Niedersachsen

In Niedersachsen wurden keine Angaben über den Versorgungsstand mit Impfstoffen veröffentlicht. Ärzte und Apotheker hatten rund 135.000 Dosen aus den Niederlanden nachbestellt.  In 2019 will die KVN die Bestellung der Impfstoffe im Land anders regeln. „Wir denken an eine zentrale Bestellung für alle Ärzte in Niedersachsen“, sagte ein Sprecher. Bereits in der vergangenen Woche hatten sich unter anderem Krankenkassen und die Apothekerkammer zu einem „Impf-Gipfel“ bei der KVN getroffen. Ziel sei es, die Bestellung für die Ärzte in Niedersachsen künftig besser zu organisieren, sagte der Sprecher. Die Ausgestaltung dieses Plans solle bei einem weiteren „Impf-Gipfel“ im Januar besprochen werden.

Hessen

In Hessen sind mittlerweile ebenfalls alle Grippe-Impfstoffe vergriffen. Am 21. November hatte der hessische Apothekerverband erstmals berichtet, dass die Vorräte erschöpft sind und Apotheker nichts mehr nachbestellen können. Die Landesbehörde hatte daraufhin eine Allgemeinverfügung erlassen, die ursprünglich für das EU-Ausland bestimmt waren“, berichtete der hessische Apothekerverband Ende November letzten Jahres.

Berlin

Bisher greift das Grippevirus in Berlin nach offiziellen Zahlen nicht massiv um sich. In der Woche vor Silvester wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) lediglich drei bestätigte Fälle gemeldet. Damit erkrankten seit Saisonbeginn im Herbst knapp 70 Menschen in Berlin nachweislich an Influenza. Das geht aus einem am Donnerstag (3. Januar) veröffentlichten Lageso-Bericht hervor. Es sei von einem Melde-Verzug wegen der Feiertage auszugehen, hieß es. Zuletzt waren Engpässe bei der Versorgung mit Grippe-Impfstoffen auch mancherorts in Berlin bekannt geworden. Aus dem Ausland seien daraufhin 3.000 Chargen geordert worden, sagte eine Lageso-Sprecherin auf Anfrage. Die Behörde hatte zuvor den Bezug aus anderen Ländern der Europäischen Union sowie eine Versorgung der Apotheken und Arztpraxen untereinander erlaubt. Experten gingen jedoch davon aus, dass die meisten Risikopatienten im Dezember ohnehin bereits geimpft waren.

Das Robert-Koch-Institut rät insbesondere Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken und medizinischem Personal zu einer Grippeimpfung. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums hat die Grippe in der vergangenen Saison in Deutschland rund neun Millionen Arztbesuche ausgelöst und zu fast 2000 Todesfällen geführt.

 

Mit Material von dpa

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