InfluenzasaisonTriage im Akkord

Die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Die Patientenflut können Hausärzte nur schwer drosseln, aber wenigstens etwas managen. Drei Hausärzte berichten aus ihrer Praxis.

Die nächste Grippewelle kommt bestimmt. Die Patientenflut können Hausärzte nur schwer drosseln, aber wenigstens etwas managen. Drei Hausärzte berichten aus ihrer Praxis.
Bällchen in Türkis: Wer triagiert hier wen? © fotoliaxrender - Fotolia

Während der letzten Grippewelle hat sich vereinzelt eine Schlange bis auf die Straße gebildet, erinnert sich Dr. Stefan Roßbach-Kurschat. In seiner Praxis im brandenburgischen Nauen läuft dann alles wie am Fließband. Die Grippefälle werden zwar erst zum Ende des Jahres in den Praxen steigen.

Für Roßbach-Kurschat beginnt aber schon im Oktober die Präventionsphase. Etwa jeder zweite Patient lasse sich impfen. Damit beuge man vielen potenziell schweren Verläufen vor und lindere den späteren Ansturm.

Zwischen 40 und 80 Patienten seien bei der letzten Welle jeden Tag in der Praxis aufgelaufen. Mit zwei Kollegen und drei Schwestern habe man diesen Schwung in 1,5 bis zwei Stunden behandelt. „Das ist nichts anderes als Akkordarbeit“, sagt Roßbach-Kurschat.

Klare Abläufe etablieren

Für den Weg von der Praxistür bis zur Behandlung haben sie klare Abläufe etabliert. Die Schwestern triagierten zunächst besonders schwere und akute Fälle, die dann in getrennten Wartezimmern Platz nehmen und binnen 15 Minuten behandelt würden. Alle anderen würden der Reihe nach abgehört und untersucht, um auszuschließen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Ohne ärztliche Konsultation, betont Roßbach-Kurschat, gehe niemand nach Hause.

Bei einer Grippeerkrankung gebe es für alle Patienten die standardisierte Information, sich auszuruhen und viel zu trinken und, wenn nötig, werde Ibuprofen verschrieben. „Viele Patienten wünschen sich den Hammer, der es ihnen ermöglicht, sofort wieder arbeiten zu gehen“, sagt er. „Sie davon abzubringen, kostet oft die meiste Zeit.“

Er bemühe sich darum, Patienten „großzügig krankzuschreiben“. Auch das wirke sich positiv auf die spätere Patientenzahl aus. „Wir verhindern damit, dass sie ein paar Tage später wieder in der Praxis stehen.“

Patienten, bei denen sich Symptome nicht verschlechtern, sage er ausdrücklich, dass sie nicht erneut die Praxis aufsuchen müssten. Während der Grippewelle Terminpatienten in die Woche danach zu verschieben, empfiehlt er nicht. „Da entsteht ein Stau, den sie hinterher nur sehr schwer abarbeiten können.“

Die Fünf-Minuten-Sprechstunde

In der hannoverschen Gemeinschaftspraxis von Dr. Karsten Wetenkamp hat sich die „Fünf-Minuten-Sprechstunde“ bewährt. Jeden Vormittag gilt für eine Stunde: eine Frage, eine Antwort, fünf Minuten. Bei Grippe-Wellen erweitert er auf 1,5 Stunden.

Patienten melden sich telefonisch für einen Kurztermin an und sind so über das Prozedere informiert. Die „5er“ halten Ärzte und Mitarbeiterin gemeinsam, erklärt Wetenkamp.

Er kann sich auf den Patienten und die Untersuchung fokussieren, während die MFA seine Abkürzungen in der Akte dokumentiert, Rezepte und AU anfertigt. „Patienten freuen sich über minimale Wartezeiten, wir Ärzte über weniger Druck im Wartezimmer und unsere Mitarbeiterinnen finden es spannend“, erzählt Wetenkamp.

Gelassen sieht Dr. Markus Beck, Hausarzt in Augsburg und Vorstandsmitglied in der bayerischen Ärztekammer, der Grippewelle nach mehr als 30 Jahren Praxistätigkeit entgegen. „Ich baue in der Zeit gewisse zeitliche Puffer ein“, sagt er. Viel sei schon erreicht, wenn man Infomaterialien zur Grippe und Grippeimpfung auslege, wichtige Fragen könne man so bereits im Wartezimmer vorab klären.

Beck empfiehlt dazu die kostenfreien Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: https://hausarzt.link/kr5ZN

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