SERIE Cochrane-Evidenz für die HausarztpraxisJuckreiz bei Nierenerkrankungen – was tun?

Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen leiden oft unter Juckreiz. Ein Cochrane Review hat untersucht, was ihnen am besten hilft.

Juckreiz ist ein häufiges Symptom bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen. Die Erfahrung in der Hausarztpraxis zeigt, dass ein hoher Leidensdruck und nicht wirksame Interventionen zur wiederholten Vorstellungen der Patienten führen.

Cochrane hat sich eine systematische Zusammenfassung der existierenden Evidenz vorgenommen [1].

Der Vergleich von topischen und systemischen Interventionen im Management des urämisch bedingten Pruritus zeigt, dass die Wirksamkeit der Behandlungsmethoden Unterschiede aufweist. Im Kasten (siehe unten) stellen wir eine Zusammenfassung des Reviews vor. Das Review als Originalquelle führt in der zusammenfassenden Tabelle die Gesamtbewertung der Evidenz anhand des GRADE-Systems (s. Kasten) auf.

Fazit für die Hausarztpraxis

Verschiedenen Möglichkeiten der Intervention bei urämisch bedingtem Juckreiz wurden im Rahmen des Reviews untersucht. Dabei zeigte sich eine unterschiedliche Wirksamkeit für die bekannten Interventionen. Die meisten randomisierten kontrollierten Studien (RCT) bezogen GABA-Analoga ein.

Für diese Wirkstoffgruppe zeigte sich eine signifikante Wirkstärke. Die meiste Evidenz liegt für Gabapentin und Pregabalin vor. Beide Wirkstoffe sind in Deutschland als Generika verfügbar. Im Kontrast dazu empfehlen Leitlinien selten Gabapentin als First-Line-Behandlung bei urämischem Juckreiz.

Viele der eingeschlossenen RCT weisen darauf hin, dass es oft üblich ist, anfänglich Antihistaminika zu verordnen. Für die hausärztliche Praxis zeigt sich aber, dass es sinnvoll ist, bei therapieresistenten Beschwerden bezüglich urämisch bedingtem Juckreiz die eigene Verschreibungspraxis zu überdenken.

Mit der Evidenz aus oben genanntem Review hat der Hausarzt eine gute Grundlage, um in der Behandlung von urämisch bedingtem Juckreiz neue Wege zu gehen und GABA-Analoga unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen und Kontraindikationen frühzeitiger zu verordnen.

BUCHTIPP

Evidenz für die Hausarztpraxis

Cover Evidenz

  • M. Schmidt-Haghiri, J. Schelling
  • Elsevier Verlag, 1. Aufl. 2020, 136 Seiten, kartoniert
  • ISBN 978-3-437-24051-5
  • 19,00 Euro

Die sehr simple, aber notwendige Idee: eine systematische Zusammenfassung der von Cochrane erarbeiteten Evidenz mit Relevanz für Hausärzte. Damit wollen die Autoren Hausärzte unterstützen, Erkenntnisse aus der klinischen Forschung in ihre alltägliche Arbeit zu integrieren.

Forschungsergebnisse werden auch mit den Empfehlungen der DEGAM abgeglichen. Zudem wird deutlich, wie gut Erkenntnisse untersucht und belegt sind. Die Themen reichen von A wie “Asthma” über D wie “Dermatologie” und I wie “Infekt” bis zu N wie “Notfälle” und helfen, immer “up-to-date” zu bleiben.

Literatur:

  1. Hercz D, Jiang SH, Webster AC. Interventions for itch in people with advanced chronic kidney disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 12. Art. No.: CD011393. DOI: 10.1002/14651858.CD011393.pub2. Accessed 06 September 2021.
  2. Schmidt-Haghiri M, Schelling J. Evidenz für die Hausarztpraxis. Elsevier, 2021.

Interessenkonflikte: Die Autoren haben keine deklariert.

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