Kongress in InnsbruckBlitzlichter vom DEGAM-Kongress

Von Rückenschmerzen bis zur Intervention bei psychosozialen Problemen: Beim DEGAM-Kongress von 13. bis 15.9. in Innsbruck stellten Allgemeinmediziner aus Deutschland, Österreich und Südtirol die neuesten Erkenntnisse für die Hausarztpraxis vor.

Von Rückenschmerzen bis zur Intervention bei psychosozialen Problemen: Beim DEGAM-Kongress von 13. bis 15.9. in Innsbruck stellten Allgemeinmediziner aus Deutschland, Österreich und Südtirol die neuesten Erkenntnisse für die Hausarztpraxis vor.
Nordtirol: In Innsbruck gab es viel Neues aus der allgemeinmedizinischen Wissenschaft© ARC Photography - Fotolia

Patienten und Leitlinie bei Rückenschmerz oft über Kreuz

Bei Rückenschmerzen erwarten viele Patienten Maßnahmen von Ärzten, die die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz (NVL) nicht empfiehlt. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Befragung von Rückenschmerzpatienten des Instituts für Allgemeinmedizin der Uni Greifswald, für die bisher 573 Fragebögen aus sieben Hausarztpraxen ausgewertet wurden.

Demnach halten 70 Prozent der Patienten eine Bildgebung für nötig, um optimal versorgt zu werden. Dies war umso häufiger der Fall, wenn sie bereits einmal ein Bild erhalten hatten. 58 Prozent können sich nicht vorstellen, dass psychosoziale Probleme für die Schmerzen eine Rolle spielen. Und einige halten daher auch die begleitende Mitbehandlung solcher Faktoren nicht für sinnvoll.

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) wünscht sich gegen den Schmerz gespritzt zu werden – umso mehr, wenn die Befragten bereits einmal bei akutem Rückenschmerz eine Spritze erhalten hatten. Begehrt sind bei den Patienten auch Massagen, dies erwarten Dreiviertel der Befragten (73 Prozent). Die NVL hingegen betont, dass Massagen gerade die Passivität fördern, was dem Ziel, die Patienten zu aktivieren, entgegenstehe.

Immerhin, dieses NVL-Ziel kennen auch viele Patienten: So stimmen 85 Prozent der Befragten zu, dass Bewegung bei Rückenschmerzen hilft. Ebenso positiv sehen die Forscher, dass 80 Prozent nach einer unauffälligen ärztlichen Untersuchung auf eine weitere Untersuchung verzichten würden.

„Ärzte sollten Abweichungen der Leitlinie von den Erwartungen der Patienten besser erklären“, folgert Peggy Knauthe, Doktorandin an der Uni Greifswald. Hilfreich wäre es zudem, wenn die NVL Ärzten eine Argumentationshilfe an die Hand gäbe.

Quelle: Knauthe P, Raus C., Chenot J.-F. Patienten versus Kreuzschmerzleitlinie. Eine Befragung in Hausarztpraxen

Hausärzte schätzen NOAK-Dosis meist richtig ein

Hausärzte stellen die meisten Patienten, die ein neues orales Antikoagulanz (NOAK) einnehmen, richtig ein. Die angemessene Dosis erhalten rund 77 Prozent der Patienten, ergibt eine erste Auswertung der Basisdaten aus der iDrug-Studie, an der bisher 365 multimorbide über 60-Jährige, die mehrere Medikamente einnehmen, teilnehmen.

Von ihnen erhielten 95 Patienten ein NOAK, darunter 50 Rivaroxaban (38 Prozent mit reduzierter Dosis), 30 Apixaban (70 Prozent reduzierte Dosis), 14 Dabigatran (50 Prozent reduzierte Dosis) sowie ein Patient Edoxaban. Rund ein Fünftel der Patienten (21,7 Prozent) weist eine Unterdosierung auf, lediglich 1,5 Prozent eine Überdosierung.

„Deutsche Hausärzte verschreiben NOAK indikationsgerecht“, fasste Annegret Dreher vom Institut für Hausarztmedizin der Uni Bonn die ersten Ergebnisse der noch laufenden Studie zusammen. Um Unterdosierungen zu vermeiden, sollten Hausärzte lieber ein NOAK wählen, mit dessen Dosierung sie vertraut sind, so Dreher. In einer Übersicht (s. Tab. 1) stellte sie dar, wann dies laut der Packungsbeilagen angeraten wird.

Quelle: Dreher A et al. NOAK – Therapie in der Hausarztpraxis: erste Daten der iDrug Studie

Die fünf Schritte zur Krisenintervention

„Viele Ärzte geben zu rasch Ratschläge“, sagt Allgemeinmediziner Dr. Thomas Steger aus Leipzig. „Sie gehen zu schnell zu Schritt vier, ohne sich für die ersten drei Schritte im Gespräch ausreichend Zeit genommen zu haben.“ In Innsbruck stellte Steger fünf Schritte zur Krisenintervention bei psychosozialen Problemen vor (modifiziert nach Jacobsen und Ciompi):

  1. Den Krisenanlass verstehen und eine gemeinsame Krisendefinition erarbeiten
  2. Gefühle ausdrücken und entlasten
  3. Gewohnte Bewältigungsstrategien reaktivieren
  4. Ev. nach neuen Lösungen suchen
  5. Ev. abschließender Rückblick und Bilanz

Es seien keine festen Zeiten für die Schritte vorgegeben, man könne aber grob von einem Termin pro Schritt ausgehen. Wichtig sei es, die Gespräche zu reflektieren. Gerade Erstgespräche mit Patienten, die mit ihren psychosozialen Beschwerden in die Akutsprechstunde kommen, verliefen oft unstrukturiert, sie böten aber auch Chancen.

„Im Erstgespräch – auch wenn Sie den Patienten nicht kennen – können Sie für den Patienten Typisches wahrnehmen“, so Steger. Er rät, sich im Anschluss Zeit zu nehmen, um Auffälligkeiten zu dokumentieren und zu überlegen, wie man im Folgegespräch die Problematik strukturierter erfragen kann.

Oft wollten Patienten vom Arzt wissen, was sie jetzt tun können, berichteten mehrere Teilnehmer. Steger hingegen befürwortet hier eher Zurückhaltung: Ärzte sollten weniger konkrete Handlungen „empfehlen“, sondern besser Feedback geben. Man könne zum Beispiel antworten: „Ich bin an Ihrer Seite und begleite Sie. Sie haben die Beschwerden seit drei Wochen, da haben Sie sich doch sicher bereits Gedanken gemacht, was Sie tun könnten.“

Zu konkreten Ideen könnten Ärzte dann eine Rückmeldung geben und die Betroffenen auf Umstände aufmerksam machen, die sie selbst nicht im Blick haben: „Das halte ich für eine gute Idee“ oder „Hier würde ich mir Sorgen machen, dass…“

Quelle: Steger T. Gesprächsführung bei psychosozia- len Problemen – ein Leitfaden für die Praxis.

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