Arzt-Patienten-GesprächHerr Doktor, kann ich nicht ein paar Tabletten weglassen?

Viele multimorbide Patienten sind angesichts der vielen Arzneimittel, die sie einnehmen sollen, verunsichert. So könnte ein Arzt-Patienten-Gespräch ablaufen.

Tablettenboxen können helfen, Medikamente zur richtigen Tageszeit einzunehmen.

Ich muss so viele Medikamente einnehmen. Kann ich nicht etwas weglassen?

Zuerst muss Ihre Medikation überprüft werden. Nicht selten kommt es vor, dass Arzneimittel, die zur Behandlung akuter Beschwerden gedacht waren, versehentlich weiterverordnet werden. Oder vielleicht haben Sie mehrere Arzneimittel aus derselben Wirkstoffgruppe verordnet bekommen, obwohl dies gar nicht nötig wäre.

So etwas passiert leider immer, wenn die Patienten bei mehreren Ärzten in Behandlung sind. Um einen Überblick zu bekommen, welche Medikamente Sie einnehmen, wäre es am besten, wenn Sie alle Ihre Medikamentenpackungen einschließlich der Packungsbeilagen mitbringen.

Dazu wäre ein gesonderter Termin sinnvoll, zu dem bitte alle Medikamente – auch pflanzliche Mittel -oder Nahrungsergänzungsmittel mitgebracht werden sollten, die Sie sich ohne Rezept aus der Apotheke holen.

Steigt die Gefahr von Nebenwirkungen nicht allein schon wegen der großen Menge an Tabletten, die ich einnehmen soll?

Das ist richtig. Je mehr Medikamente Sie einnehmen, desto höher ist das Risiko für Nebenwirkungen und vor allem auch für Wechselwirkungen. 6,5 Prozent aller Krankenhauseinweisungen gehen auf Medikamentenwechselwirkungen zurück.

Deswegen muss geprüft werden, ob wirklich alle Medikamente, die Sie einnehmen, noch erforderlich sind und ob auf das ein oder andere Arzneimittel verzichtet werden kann. Haben Sie denn Beschwerden? Vor allem unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, Verwirrtheitszustände oder Stürze können durch Arzneimittelwechselwirkungen hervorgerufen werden.

Ich bin letzte Woche gestürzt, als ich nachts auf die Toilette musste. Kann es sein, dass ein Medikament den Sturz ausgelöst hat?

Sie nehmen abends ein Diuretikum ein. Das kann nächtlichen Harndrang auslösen. Daher sollte unbedingt mit Ihrem Kardiologen abgesprochen werden, ob das Diuretikum durch ein anderes Medikament ersetzt werden kann. Vielleicht reichen bei Ihnen auch Lymphdrainagen oder Kompressionsstrümpfe, damit die Wassereinlagerungen aus den Beinen verschwinden.

Nach der Einnahme von Ibuprofen habe ich oft Magenprobleme. Könnten Sie mir stattdessen ein anderes Medikament verschreiben?

Ibuprofen ist bei der Behandlung akuter Schmerzen hilfreich, kann aber bei einer Langzeitanwendung Probleme bereiten. Daher sollte zusammen mit Ihrem Rheumatologen abgeklärt werden, ob andere Optionen wie eine Operation, Physiotherapie oder andere Schmerzmittel helfen könnten.

Ich habe das Gefühl, die Ramipril-Tabletten nützen nichts. Mir geht es nicht besser oder schlechter, wenn ich sie weglasse. Darf ich sie immer weglassen?

Ramipril ist ein Arzneimittel, das den Blutdruck senkt. Den Blutdruck spüren Sie normalerweise nicht. Ein zu hoher Blutdruck kann aber langfristig Schäden an Gefäßen, am Herzen und an anderen Organen verursachen, so dass Sie ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Daher sollten Sie das Medikament auf jeden Fall weiterhin einnehmen. Bitte lassen Sie ohne Rücksprache mit einem Arzt kein Medikament weg, das Ihnen ein Arzt verordnet hat – es sei denn, Sie haben den Verdacht, dass es starke Nebenwirkungen verursacht. Aber auch dann sollten Sie so bald wie möglich mit einem Arzt sprechen.

Darf ich alle meine Tabletten gleichzeitig zum Frühstück einnehmen? Dann hätte ich alles auf einmal erledigt.

Für die Wirksamkeit der Medikamente und damit auch für den Erfolg der Behandlung ist es wichtig, dass Sie Ihre Medikamente genauso anwenden, wie es auf dem Beipackzettel steht. Die Angaben besagen, wie ein Arzneimittel am besten von Magen und Darm aufgenommen werden, z.B. vor, während oder nach einer Mahlzeit.

Auch die Flüssigkeitsaufnahme kann entscheidend sein. Wenn Sie sich nicht an die Einnahmevorschriften halten, kann es passieren, dass der Wirkstoff nicht ausreichend vom Körper aufgenommen wird und dann weniger gut oder gar nicht wirkt.

Ich kann mir nicht merken, wann ich welche Tabletten einnehmen muss.

Das ist verständlich, mit diesem Problem stehen Sie nicht alleine da. Einige Patienten berichten, dass Ihnen Tablettenboxen sehr helfen. Diese Schachteln haben mehrere Fächer, in die Sie Ihre Tabletten für die ganze Woche im Voraus einsortieren können.

Meistens haben diese Schachteln je ein Fach für jeden Wochentag und jede Tageszeit, also morgens, mittags, abends. Diese Dosen können Sie auch gut auf Reisen mitnehmen. Auch auf Ihrem Medikationsplan können Sie übrigens ablesen, wann und wie Ihre Medikamente einzunehmen sind.

Ich habe keinen Medikationsplan. Was ist das?

Da Sie drei oder mehr rezeptpflichtige Medikamente verordnet bekommen haben und diese über einen längeren Zeitraum einnehmen müssen, haben Sie Anspruch auf den Ausdruck eines Medikationsplans. Er enthält eine Übersicht über alle Ihre Arzneimittel.

In die Tabelle werden nicht nur die Medikamente eingetragen, die Sie verordnet bekommen haben, sondern auch diejenigen, die Ihnen andere Fachärzte verschrieben haben. Für jedes Medikament können Sie ablesen, welchen Wirkstoff es enthält, welche Dosis Ihnen verordnet wurde und wann und wie Sie es einnehmen müssen. Diesen Medikationsplan sollten Sie zu jedem Arztbesuch mitnehmen und allen Ärzten zeigen, bei denen Sie in Behandlung sind.

Der Plan hilft mir aber nicht, an die Medikamenteneinnahme zu denken. Haben Sie hierzu eine Idee?

Auch dafür gibt es Unterstützung. Sie könnten zum Beispiel auf ihrem Smartphone eine App nutzen, die Sie zum richtigen Zeitpunkt per Klingelton an die Einnahme der Medikamente erinnert. Hilfreich ist immer auch, sich bestimmte Routinen zunutze zu machen.

Damit Sie die Tabletten morgens nicht vergessen, können Sie sich z.B. einen Notizzettel neben die Zahnbürste heften. Dann werden Sie gleich morgens beim Zähneputzen an Ihre Bluthochdrucktabletten erinnert.

Fazit

  • Mit zunehmender Anzahl der verordneten Arzneimittel steigt das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.
  • Jeder Patient mit drei oder mehr Arzneimittelverordnungen hat Anspruch auf einen schriftlichen Medikationsplan.
  • Der Medikationsplan sollte einmal im Jahr überprüft und ggf. aktualisiert werden. Dabei sollte sichergestellt werden, dass der Patient keine unnötigen Medikamente einnimmt.
  • Tablettenboxen und Smartphone-Apps können den Patienten helfen, Ihre Medikamente regelmäßig und zur richtigen Tageszeit einzunehmen.
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