Serie DiGARückenschmerz: Wenn das Handy zum Trainer wird

Bei Rückenschmerzen können Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) laut Studien gut helfen. Gleichzeitig sind noch nicht alle Fragen für die Praxis geklärt.

Bei Rückenschmerzen ist Bewegung nicht immer ganz einfach.

Bewegung hilft gegen Rückenschmerzen, aber wenn der Rücken schmerzt, ist Bewegung schwierig. Die App Kaia Rückenschmerzen will Betroffenen aus dem Teufelskreis helfen. Sie ist dauerhaft ins DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen.

Die DiGA begleitet Menschen mit Schmerzen rund um die Uhr, jeden Tag der Woche – ein Vorteil gegenüber einer Physiotherapie, zu der man sich aus dem Haus begeben muss, die aber nur ein- oder zweimal in der Woche stattfindet. Im besten Fall hilft die App, gesunde Routinen dauerhaft im Leben zu verankern und Schmerzen langfristig zu lindern.

Funktionen

Die Inhalte der App Kaia Rückenschmerzen verteilen sich auf drei Kategorien: Bewegung, Entspannung und Wissen. Wie die Alternative DiGA Vivira beginnt Kaia mit einem Eignungstest, bei dem die körperliche Leistungsfähigkeit sowie Ort und Intensität des Schmerzes festgestellt werden. Daraufhin spielt das Programm angepasste Übungen aus.

Anders als Vivira bietet Kaia allerdings weitere Inhalte nach den Prinzipien der multimodalen Schmerztherapie an – die sonst meist nur in stationären Einrichtungen angeboten wird.

Die App leitet zu maßgeschneiderten Bewegungsroutinen an und zeigt täglich Übungen, die die Schmerzursachen bekämpfen sollen. Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitsübungen helfen Körper und Geist mit den Schmerzen umzugehen. Dazu können Anwendende verschiedene Einheiten aussuchen.

Die Einheiten sind in Kursen organisiert, die man nach Belieben wählen kann. Nur der Bewegungskurs ist ein vorgegebener Bestandteil der digitalen Therapie. Die Nutzer legen fest, an welchen Tagen sie trainieren wollen und ob die App daran erinnern soll.

Ein besonderes Feature ist der “Bewegungscoach”, eine künstliche Intelligenz, die den Bewegungsablauf über die Handykamera erfasst und Hilfe zur korrekten Ausführung der Übungen gibt. Diese Funktion soll Fehlhaltungen und -belastungen vermeiden helfen.

Auch Hintergrundwissen zu Schmerzursachen und ein verbessertes Gesundheitsverständnis helfen, sanft und effektiv mit Bewegung und Schmerzen umzugehen. Die Wissenseinheiten bestehen aus interaktiven Texten und kurzen Videos.

Der Bereich “Fortschritt” zeigt eine Übersicht über die Tage, an denen trainiert wurde, außerdem einen Überblick über Schlafqualität und Schmerzintensität.

Tipp: Die Daten, die die App sammelt, können in einem maschinenlesbaren Format oder als PDF exportiert werden. So lassen sie sich ausgedruckt oder digital in der Praxis besprechen.

Für wen geeignet?

Kaia Rückenschmerzen ist für Erwachsene konzipiert, die seit mehr als vier Wochen unter unspezifischen Rückenschmerzen leiden (M54.-) oder die solche Episoden durchlebt haben.

Nicht angezeigt ist die Nutzung, wenn die Schmerzen von einer Verletzung etwa durch einen Sturz herrühren (T09.-/ M51.-), nach einem Bandscheibenvorfall (M51.-) oder wenn die Knochendichte gering ist (M80.-/M81.-). Auch ein Tumor (D48.-/C79.5) oder eine Infektion in der Wirbelsäule (M46.-) sind Ausschlusskriterien, ebenso wie fortgeschrittene Herzerkrankungen (I50.-/I51.-).

Auch Schwangere und Menschen mit erhöhter Blutungsneigung (D68.) oder unsicherem Gang dürfen Kaia nicht anwenden.

Da die App zu Bewegung anleitet und motiviert, kann die Anwendung auch körperliche Nebenwirkungen haben. Dazu gehören nach Angaben des Herstellers “schnappende Ereignisse” – wenn beim Turnen Sehnen über knöcherne Strukturen flutschen. Dazu sind Muskelkrämpfe und neu auftretende Schmerzen an ungewohnten Stellen möglich.

Medizinischer Nutzen bestätigt

Insgesamt sechs Studien belegen den medizinischen Nutzen der DiGA. Die wichtigste ist eine randomisierte kontrollierte Studie namens Rise-uP, auf die sich die Empfehlung des BfArM hinsichtlich des “medizinischen Nutzens” stützt. Nach zwölf Monaten konnten Daten von 846 18- bis 65-Jährigen ausgewertet werden – eine für DiGA ungewöhnlich große Studie.

Die Untersuchung ist in Bayern als Experiment zur telemedizinischen Vernetzung gestartet und wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die AOK Bayern und die TU München gefördert. Die Verwendung von Kaia ist nur ein Aspekt der Studie. Ziel von Rise-uP war vor allem, die Chronifizierung von Rückenschmerzen früh zu erkennen und zu vermeiden.

Nach drei Monaten App-Nutzung waren die Schmerzen um 33 Prozent, nach 12 Monaten um 46 Prozent zurückgegangen (siehe Abbildung unten).

Damit war die Nutzung von Kaia Rückenschmerzen bereits nach drei Monaten klinisch relevant (MCID). Sekundäre Endpunkte waren eine gesteigerte Lebensqualität und die verbesserte Fähigkeit, Alltagstätigkeiten auszuüben. Außerdem litten die Anwendenden weniger unter Depressivität und Stress.

Verordnung und Abrechnung

Kaia Rückenschmerzen kann therapiebegleitend eingesetzt werden, zur Nachsorge oder Überbrückung von Wartezeiten. Die Verordnung erfolgt für Menschen mit dem ICD-10-Kode M54 budgetneutral und zuzahlungsfrei. Auf dem Muster 16 wird dazu “Digitale Gesundheitsanwendung”, die PZN 18603466 und der Name “Kaia Rückenschmerzen” angegeben.

Die Verordnung gilt für 90 Tage, dann läuft der Zugang automatisch aus. Bei Bedarf kann er über ein neues Rezept um 90 Tage verlängert werden.

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