Semaglutid & Co“Diabetes-Patienten gehen leer aus!”

GLP-1-Rezeptorantagonisten können neben Diabetes auch zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden. Durch diese doppelte Nutzung werden die Arzneien für Menschen mit Diabetes knapp - was sich durch die steigende Nachfrage nach Abnehm-Pillen weiter zuspitzt, warnt die DEGAM und gibt Tipps, wie bei Engpässen vorzugehen ist.

Zur empfohlenen Behandlung bei Typ-2-Diabetes gehören – zusätzlich zu Metformin – auch Inkretinmimetika.

Bonn. „Wir erleben eine klassische Art von Fehlallokation in der Medizin: Eine Patientengruppe wird über-, die andere unterversorgt“, warnt Prof. Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM).

Denn die doppelte Zulassung von GLP-1-Rezeptorantagonisten (Inkretinmimetika) bei Typ-2-Diabetes und zur Gewichtsreduktion führe dazu, dass sich ein lukrativer Markt entwickelt habe.

So waren zuletzt in mehreren europäischen Ländern etwa Fälschungen des Diabetesmedikaments Ozempic® (Semaglutid) des Herstellers Novo Nordisk im Umlauf (“Der Hausarzt” berichtete), von denen ein “erhebliches Gesundheitsrisiko” ausgehe, wie die Behörden warnten.

Lebenslange Einnahme für anhaltende Gewichtsabnahme

“Die Substanzen, die wir für die Diabetes-Medikation brauchen, versickern nun in Medikamenten, die rein zum Abnehmen hergestellt werden – und entsprechend aggressiv beworben werden. Da die Menge an Wirkstoff, die zur Verfügung steht, begrenzt ist, ist klar, dass es dadurch Engpässe gibt – zumal die Arzneimittel zur Gewichtsabnahme ein Leben lang eingenommen werden müssen, um den Effekt zu halten”, wird Scherer in der Mitteilung der DEGAM zitiert.

Für Phasen, in denen es Engpässe für die Diabetes-Arzneimittel gibt, verweist die DEGAM auf Leitlinienempfehlungen, nach denen bei Patientinnen und Patienten, bei denen Metformin als Basis-Medikation nicht ausreicht oder nicht vertragen wird, mit dem etablierten Medikament Glibenclamid eine wirksame und preiswerte Therapie als Alternative zu Inkretinmimetika zur Verfügung steht.

Auch eine Frage der Patientensicherheit

Die Nutzung der GLP-1-Rezeptorantagonisten bzw. Inkretinmimetika, die meist gespritzt werden müssen, zur ausschließlichen Gewichtsreduktion wirft laut DEGAM nicht nur Fragen nach der Patientensicherheit auf (mögliche Nebenwirkungen), sondern auch nach der sozialen Dimension.

Die Medikation ist darüber hinaus ein kostspieliges Unterfangen, erinnert die DEGAM: Die Ausgaben für die Abnehm-Pillen werden als „Lifestyle-Medikamente“ nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Kosten in Höhe von rund 12.000 Euro – auf einen 10-Jahreszeitraum betrachtet – tragen die Patientinnen und Patienten also privat. Und sobald die Abnehmspritzen abgesetzt werden, steigt auch wieder das Gewicht, zeigen Studien.

red

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