ReisemedizinNeuer Spicker für Reiseimpfungen

Wer welche Impfungen für Reisen braucht, richtet sich nach dem Risiko des Einzelnen, betonen die "Rauchenden Köpfe". Ihr neuer Spickzettel und ein Anschreiben zur Kostenerstattung erleichtern Hausärzten die Beratung.

Der Spickzettel erleichtert die Aufklärung zu Reiseimpfungen.

Die individuelle Beratung sollte bei reisemedizinischen Fragen in der Hausarztpraxis mehr im Fokus stehen, meint Moritz Eckert von den “Rauchenden Köpfen”. “Wir sollten Patienten ehrlich aufklären, was sie brauchen und nicht blind IGeLn.” Hierfür ist die Anamnese entscheidend: “Wer zwei Wochen in ein Luxushotel nach Thailand fliegt, geht weniger Risiko ein als Urlauber, die dort länger auch abgelegene Regionen besuchen”, sagt er.

Um Auffrischungen, Impf-Schema, Zulassungsvorgaben und Kontraindikationen bei Reiseimpfungen im Blick zu behalten, haben die “Rauchenden Köpfe” einen neuen Spickzettel entwickelt, den Hausärzte jetzt herunterladen können (s. Kasten). Zudem stellen Sie ein Muster-Anschreiben zur Anfrage auf Kostenerstattung bei der Kasse bereit: Hausärzte können das Anschreiben in ihre Praxissoftware (PVS) integrieren und die rot gefärbten Zeilen (Name, Anschrift des Patienten, Versichertennummer, Name, Anschrift der Kasse) mit automatischen PVS-Kürzeln hinterlegen. Dies können die Patienten dann mit der Rechnung bei ihrer Kasse einreichen.

Vier Schritte der Beratung

Die reisemedizinische Beratung sollte laut Eckert nicht allein auf Impfungen abzielen. Er rät zu folgendem Ablauf:

  1. Individuelles Risiko abschätzen: “In welches Land fahren Sie und was möchten Sie vor Ort unternehmen?”
  2. Risikobewusstsein erfragen: Die potenziellen Gesundheitsgefahren und mögliche Schutzmaßnahmen besprechen. Danach Patienten fragen, welche Risiken er eingehen möchte.
  3. Impfpass kontrollieren: “Bei Reiseberatungen stelle ich regelmäßig Lücken bei wichtigen Standardimpfungen fest”, erzählt Eckert. So seien 20- bis 40-Jährige oft nicht gegen Masern geimpft. Bei jeder Reiseberatung sollten daher auch die deutschen Impfempfehlungen kontrolliert und, wenn nötig, der Impfschutz vervollständigt werden.
  4. Patienten für weitere Schutzmaßnahmen sensibilisieren: Patienten beschränkten sich häufig auf Reiseimpfungen, erlebt Eckert. Daher sollten Hausärzte auch Hygienemaßnahmen und Insektenschutz thematisieren. “Viele halten sich beim Essen nicht an die Regel: Koch es, brat es, schäl es oder vergiss es. Sie kennen nicht die Risiken von Leitungswasser oder Eiswürfel”, sagt Eckert. Auch die Gefahr im Straßenverkehr, insbesondere Linksverkehr, unterschätzten die meisten.

Welche Impfung ist nötig?

Darüber hinaus sollten Ärzte auf seriöse Informationsangebote aufmerksam machen (s. Link-Tipp). Denn im Internet gebe es viele kostenfreie Reiseportale, die durch unternehmerische Interessen geprägt seien, sagt Eckert. So gäben Patienten beispielsweise viel Geld für Cholera- oder Typhus-Impfungen aus, obwohl dies bei ihren Reiseplänen oft nicht nötig sei. “Diese Impfungen sind nur bei Einwohnern der Länder getestet. Ob die gleichen Effektstärken bei Reisenden auftreten, lässt sich daran eigentlich nicht ablesen”, ergänzt er.

Ebenso sei eine Impfung gegen japanische Enzephalitis nur bei “sehr schlechten hygienischen Bedingungen” nötig – “nicht bei zwei Wochen Tauchurlaub in Phuket”. Individuell besprechen müsse man auch die Immunisierung gegen Hepatitis A: “Ein bleibender Schaden durch eine Infektion ist sehr selten, sie verläuft nie chronisch. Wägen Sie mit dem Patienten ab, welches Risiko er tragen will.” FSME-Impfungen spielen vor allem für Ältere eine Rolle: “Sie profitieren mehr als Jüngere, weil bei ihnen die Erkrankung in der Regel schwerer verläuft”, begründet Eckert.

Kurz- und langzeitige Malariaprophylaxe

Zum Schutz vor Malaria haben sich aus Sicht des Allgemeinmediziners zwei Optionen bewährt: Atovaquavon/Proguanil und Doxycyclin (s. Tab.). Chloroquin scheidet für Eckert wegen inzwischen hoher Resistenzraten aus, Mefloquin wurde 2016 wegen schlechter Verträglichkeit vom deutschen Markt genommen. Alle Präparate haben ihre Vor- und Nachteile, sagt er. Er bevorzuge bei kurzen Reisen Atovaquavon/Proguanil, wegen der kurzen Einnahmedauer. Bei Langzeitaufenthalten rate er zu Doxycyclin. Wichtig seien aber weitere Vorbeugemaßnahmen wie Moskitonetze und -sprays sowie imprägnierte, langärmelige, helle Kleidung (s. Link-Tipp). “Zudem rate ich immer, den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Das höchste Risiko ist, auf irgendeine Art zu verunfallen.”

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