PatientendatenDigitalisierung in der Corona-Pandemie

Faxe mit Gesundheitsdaten landen nicht selten bei falschen Empfängern. Die COVID-19-Pandemie bietet die Chance, neue Kommunikationswege zu etablieren.

In vielen anderen Branchen wurde das Faxgerät bereits vor Jahren durch andere Kommunikationswege ersetzt, in der Medizin führt noch immer kaum ein Weg daran vorbei. Der aktuelle Fehlerbericht (s. Box) beschreibt, wie Patientendaten unabsichtlich an einen falschen Empfänger gefaxt wurden. Er verdeutlicht auch, dass es sich um keinen Einzelfall handelt.

Dieses Vorkommnis bietet einen realen Einblick in die Kommunikationswege und Hindernisse nicht nur des ambulanten Gesundheitssektors, sondern großer Teile des Gesundheitswesens.

Durch besonders hohe Datenschutzanforderungen, aufgrund des Umgangs mit sensiblen Gesundheitsdaten, ist man gegenüber neuen Kommunikationswegen vorsichtig und skeptisch – obwohl es hier vielversprechende Entwicklungen gibt.

Die COVID-19-Pandemie zwingt uns nun zum Umdenken. Im Projektverbund Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), das während der COVID-19-Pandemie entstanden ist und durch das BMBF gefördert wird, werden unter anderem auch neue Kommunikationswege im Gesundheitswesen untersucht.

Das Projekt EViPan Unimed – eins von dreizehn Projekten im Netzwerk Universitätsmedizin – konzentriert sich auf Versorgungsstrukturen und Prozesse im Pandemiemanagement. Als Teil dieses Projekts beteiligt sich das Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt an zwei Studien zur Kommunikation auf verschiedenen Versorgungsebenen.

Tipps fürs Faxen

  • Nutzen Sie den Nummernspeicher Ihres Gerätes. Ist der Speicherplatz begrenzt, tauschen Sie regelmäßig nicht mehr genutzte Nummern aus und speichern stattdessen etwa  die Nummer der Covid-19-Hotline des Gesundheitsamtes.
  • Gleichen Sie die Nummer in der Sendebestätigung mit der beabsichtigten Faxnummer ab, sodass ein Zahlendreher zumindest sofort auffällt.
  • Loten Sie Alternativen zum Fax aus, zum Beispiel den eArtzbrief. Ihre KV ist da der richtige Ansprechpartner.

KomPan – Kommunikation im regionalen Pandemiemanagement

Die Studie KomPan untersucht die Anwendung einer neuen, besonders sicheren Kommunikationsplattform auf verschiedenen Ebenen des Gesundheitswesens. Dabei wird die Plattform zur Kommunikation (eine App mit Chat-Funktion) zwischen allgemeinmedizinischen Praxen innerhalb einer Region sowie zum Austausch dieser Praxen mit dem für sie zuständigen Gesundheitsamt genutzt und die Praktikabilität und der Nutzen für die Anwender geprüft.

Die Anwendung dient (noch) nicht patientenbezogenen Befundübermittlungen, sondern ist momentan vor allem für organisatorische Themen gedacht. Zurzeit wird die Plattform in den Modellregionen Frankfurt und Main-Kinzig-Kreis getestet.

Ziel ist ein sicherer und trotzdem unkomplizierter und direkter Informationsfluss zwischen Ärzten und dem Gesundheitsamt. Die technische Umsetzung erfolgt durch die Firma Famedly GmbH. Weitere Informationen finden Sie unter www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de/forschung5/kompan.html.

Covid-19@Home – App-basiertes Home-Monitoring

Die Studie Covid-19@Home beschäftigt sich mit der Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten und ihren Patienten. SARS-CoV-2-positive Patienten dokumentieren dabei im häuslichen Umfeld täglich ihre Vitaldaten und Symptome und übermitteln diese über eine App direkt an ihre behandelnden Ärzte.

Diese wiederum können in ihrem Benutzerkonto die Vitalwerte und Symptome einsehen und erhalten so objektive Daten zur Unterstützung der Routinebehandlung. Die Anwendung dient der Ergänzung der medizinischen Behandlung von Patienten, die sich in häuslicher Isolation befinden.

Die Studie sammelt Erfahrungen in der Anwendung und entwickelt Konzepte zur Implementierung dieses Tools in der ambulanten Gesundheitsversorgung. Die technische Umsetzung erfolgt in Covid-19@Home durch die Firma Qurasoft GmbH (App SaniQ).

Die in den beiden Studien genutzten Anwendungen erfüllen hohe Anforderungen an den Datenschutz und verfolgen auf unterschiedlichen Ebenen das gemeinsame Ziel, Kommunikationswege zu vereinfachen und so die ambulante Patientenversorgung effizienter zu gestalten.

Verbesserte Möglichkeiten der Kommunikation können Fehler vermeiden und einen sicheren Datenaustausch ermöglichen. Insgesamt zeigt sich hier ein großes Potenzial für den ambulanten Gesundheitssektor, mit der Digitalisierung Schritt zu halten.

Bei Interesse an weiteren Informationen zu den Studien freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Im Kasten finden Sie Tipps, wie Sie Fehler beim Faxen vermeiden können. Und berichten Sie wie immer gerne auf www.jeder-fehler-zaehlt.de, denn neue Forschungsideen entstehen da, wo etwas schiefläuft.

Ausprobieren und berichten:

https://jeder-fehler-zaehlt.de

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