Studienreform: Das Zeitspiel muss ein Ende haben

Der Masterplan Medizinstudium 2020 wurde jahrelang verhandelt, seine Umsetzung hakt bislang. Nicht zuletzt die jüngst vorgelegten Empfehlungen der Expertenkommission weisen teils in eine falsche Richtung. Dabei drängt die Zeit.

Der Masterplan Medizinstudium 2020 wurde jahrelang verhandelt, seine Umsetzung hakt bislang. Nicht zuletzt die jüngst vorgelegten Empfehlungen der Expertenkommission weisen teils in eine falsche Richtung. Dabei drängt die Zeit.
© Gorodenkoff adobe.stock.com

Vorurteile gegen Fremde können nur durch ein persönliches Kennenlernen abgebaut, ein noch unbekanntes Gericht nur nach einem ersten Probieren bewertet werden – oder gar das bisherige Leibgericht ablösen. Und das gilt auch für die Allgemeinmedizin: Oft ist es der Einblick in den hausärztlichen Versorgungsalltag, der angehende Mediziner – nicht selten nach ersten Vorbehalten – für sie begeistert. Der Masterplan Medizinstudium 2020 basiert unter anderem auf dieser zentralen Annahme. Die im März 2017 verabschiedete Studienreform sieht deshalb vor, dass Studieninhalte einen stärkeren Praxisbezug aufweisen und die Allgemeinmedizin vom ersten Semester bis zum Abschluss eingebunden wird: So muss künftig etwa ein Wahlquartal des Praktischen Jahres (PJ) in der ambulanten Versorgung stattfinden, die Allgemeinmedizin wird Prüfungsfach im dritten Staatsexamen.

Vorhaben bislang nur auf Papier

In der Umsetzung des Masterplans jedoch hat sich bislang wenig getan. Kurz vor Jahresende veröffentlichte eine von Gesundheits- und Forschungsministerium eingesetzte Expertenkommission ihre Empfehlungen. Das Gremium hatte den Auftrag, sich zu sieben Punkten des Plans zu äußern – insbesondere zu Kosten und Auswirkungen auf die Studienkapazitäten. Denn: Der gesamte Masterplan steht unter Finanzierungsvorbehalt der Haushälter in den Ländern. Mit ihren Empfehlungen hat die Kommission wichtige Teile des Masterplans unterstrichen, etwa die grundsätzliche Notwendigkeit einer besseren Verzahnung von theoretischen und praktischen Modulen.

Aber: Der Grundgedanke, die Allgemeinmedizin als Fach zu stärken, hat keinen Eingang gefunden. Konkret wird sie in den Empfehlungen etwa nicht bei der Grundlagen- und Klinischen Medizin, sondern bei kommunikativen und wissenschaftlichen Kompetenzen eingeordnet. Darüber hinaus sieht das Gremium vor, Blockpraktika durch klinische Hospitationen zu ersetzen. Damit fiele nicht nur die in den Blockpraktika vorgesehene Eins-zu-Eins-Betreuung weg, auch die verschiedenen Arbeitsweisen in Notfallambulanzen und Lehrpraxen werden dabei nicht berücksichtigt. Der Deutsche Hausärzteverband hatte das vor der jüngsten Anhörung im Bundestag zum Thema deutlich kritisiert. Und auch für die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) sind die vorgelegten Ideen “inakzeptabel und konterkarieren die Intentionen des Masterplans”.

Erneute Kurskorrektur nötig

Damit die Allgemeinmedizin in den medizinischen Curricula angemessen berücksichtigt wird, ist eine Kurskorrektur zurück zu den originären Masterplan-Zielen nötig, mahnt der Deutsche Hausärzteverband an. Dabei drängt die Zeit: Denn bis die Maßnahmen im Versorgungsalltag zu spüren sind, vergehen Jahre – und nicht zuletzt durch die Arbeit der Kommission ist erneut Zeit verstrichen. Daher fordert der Deutsche Hausärzteverband zur Sicherstellung der korrekten Marschrichtung nun, DEGAM und allgemeinmedizinische Hochschullehre in die Formulierung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin einzubinden. Nur wenn die Allgemeinmedizin als eigenständiges wissenschaftlich fundiertes Fach in diesen Eingang finde, könne sie bereits an der Uni gestärkt werden – und damit einem zentralen Ziel des Masterplans Rechnung getragen werden.

Dr. Leonore Heinz, Sprecherin des Forums für Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband

“Warum denn ausgerechnet Allgemeinmedizin?” – Diese oder ähnliche Fragen haben sich schon viele Medizinstudierende anhören müssen, wenn sie sich mit ihrem Interesse an dem Fach “geoutet” haben. Das ist eigentlich auch kein Wunder, denn die Allgemeinmedizin spielt im Vergleich zu den spezialisierten Fächern an vielen Universitäten bisher nur eine untergeordnete Rolle. Dabei ist ganz klar: Wenn das Medizinstudium zum Ziel haben soll, Ärzte auszubilden, die auch künftig der Realität des Arztberufes gewachsen sind, dann muss die Allgemeinmedizin schon im Studium die tragende Rolle spielen, die sie in der Versorgung einnimmt! Genau das war ein wesentliches Ziel des Masterplans Medizinstudium 2020. Durch eine Stärkung der Allgemeinmedizin, die engere Verknüpfung von praktischen und theoretischen Inhalten und auch die Intensivierung des Patientenbezugs sollte das Studium endlich an die Versorgungsrealität angepasst werden. So weit, so gut – aber mittlerweile warten wir seit bald zwei Jahren auf die Umsetzung dieser so wichtigen Reform. Mit dem Warten muss jetzt Schluss sein: Der Masterplan muss schnellstmöglich umgesetzt werden!”

Robert Festersen, Geschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbandes:

“Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Umsetzung des Masterplans enthalten einige sinnvolle Vorschläge, etwa die Verzahnung von theoretischen und praktischen Studieninhalten. Leider offenbaren sie aber auch grundlegende Missverständnisse: Neben den notwendigen strukturellen Änderungen der medizinischen Ausbildung war eine Begründung für den Masterplan die Stärkung der Allgemeinmedizin während der Ausbildung. Der Vorschlag der Expertenkommission aber, primärärztliche Fähigkeiten in Notfall- und Hochschulambulanzen zu erlernen, belegt fehlende Kenntnis der Allgemeinmedizin. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungsträger in den Bundesländern, die nun die Umsetzung der Studienreform vorantreiben müssen, erkennen, dass die Expertengruppe in diesem Punkt fehlgeht. Umso wichtiger ist es, dass die Allgemeinmedizin als geplanter obligatorischer Teil der dritten ärztlichen Prüfung, sachgerecht und praxisnah Eingang findet!”

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