Forum Politik„Ärztinnen brauchen meine Unterstützung”

Mütter sind organisiert, leistungswillig und mitfühlend – alles Kompetenzen, die für Hausärzte entscheidend sind, sagt Monika Buchalik. Mit zwei kleinen Kindern hat sie ihre Praxis aufgebaut und weiß daher, dass Ärztinnen mit Kindern verlässliche Bedingungen in der Weiterbildung brauchen. Dafür steht sie in ihrer KODEX-Praxis ein.

Monika Buchalik (l.) und Dr. Juliane Albrecht

Mit einem Infekt hat Dr. Juliane Albrecht angefangen, gleich am Ende ihrer ersten Arbeitswoche. Für ihren ersten eigenen Patienten als Ärztin in Weiterbildung für Allgemeinmedizin hat ihre Arbeitgeberin „einen einfachen Fall zum Einstieg“ ausgewählt, wie Monika Buchalik aus Maintal-Hochstadt bei Frankfurt am Main sagt. Sukzessive führt die Fachärztin für Allgemeinmedizin seit Oktober 2015 ihre junge Kollegin ein in die Besonderheiten der hausärztlichen Betreuung von Patienten und die Abläufe einer Praxis, vom Computersystem über Hausbesuche bis hin zu Abrechnungsfragen und Personalführung.

Zum dritten Quartal hat Juliane Albrecht ihre Stelle in der Praxis in Maintal angetreten, mehr als zwei Jahre wird sie Seite an Seite mit Monika Buchalik arbeiten und von deren reichem Erfahrungsschatz aus einem Vierteljahrhundert in der Niederlassung und fast genauso langem Mentoring von Ärztinnen in Weiterbildung profitieren.

Weiterzubilden ist Monika Buchalik seit jeher wichtig, und Frauen einzustellen war für sie nie eine Frage. „Männer machen schon ihren Weg“, hat die Hausärztin oft genug erlebt. „Ärztinnen brauchen meine Unterstützung.“ Dass sie nicht nur Wert auf Frauenförderung legt, sondern auch auf hohe Qualitätsstandards in der Weiterbildung, zeigt ihre Unterschrift unter den „KODEX für die freiwillige Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Qualitätsstandards für weiterbildende Praxen im ambulanten hausärztlichen Bereich".

An die 200 Allgemeinärzte aus ganz Deutschland haben die freiwillige Selbstverpflichtung mittlerweile unterzeichnet, Monika Buchalik war eine der ersten. Sich offen und nachweislich zu Qualitätsstandards zu bekennen, nennt sie als einen wichtigen Grund für ihre Unterzeichnung des KODEX, die „Sicherheit für angehende Ärzte, die eine Stelle suchen, sich auf Qualitätsstandards verlassen zu können“ einen anderen. „Ich würde nie eine Kollegin oder einen Kollegen ausbeuten“, sagt sie, weiß aber auch, dass der KODEX noch bekannter und anerkannter werden sollte unter den Hausärztinnen und Hausärzten – und unter angehenden Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung.

Ihre aktuelle Ärztin in Weiterbildung, Juliane Albrecht, hat ihren künftigen Arbeitsplatz nach eben jenen Kriterien ausgewählt, die der KODEX propagiert, ohne indes das Papier zu kennen. Den Kontakt vermittelte ihr die Koordinierungsstelle Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Hessen, die Monika Buchalik mitgegründet hat. Drei sonntägliche Vorstellungsgespräche habe es gebraucht, bis der Arbeitsvertrag unter Dach und Fach gewesen sei, erinnert sich die Hausärztin mit einem Lachen – Zeit, die zu investieren sie aber durchaus als Teil ihrer Selbstverpflichtung zu einer qualitativ hochwertigen Weiterbildung sieht. Warum die vielen Treffen? „Ich musste zum Beispiel sehr genau wissen, wie die Arbeitszeiten geregelt sind“, begründet Juliane Albrecht ihre Bitte um wiederholte Gespräche. Als Mutter eines schulpflichtigen Kindes ist die 36-Jährige in organisatorische Zwänge eingebunden, die Monika Buchalik nicht schreckten.

Sie selbst hatte im Januar 1991 ihre Praxis als alleinerziehende Mutter eines knapp zweijährigen Sohnes eröffnet und erinnert sich noch gut an die tägliche Herausforderung, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Sie weiß aber auch, „dass gerade Mütter diszipliniert, organisiert und leistungswillig sind“. Und dass sie – das ist ihr genauso wichtig – „zuhören, mitfühlen und mütterlich umsorgen“ können. Eigenschaften, die für die allgemeinärztliche Versorgung essenziell seien. Denn dass Hausärzte und Hausärztinnen Lebensbegleiter ihrer Patienten sind, die anders als manche Fachärzte oft ein Gesamtversorgungskonzept im Sinne einer gesundheitlichen Lebensbegleitung entwickeln, ist ihr wichtig zu vermitteln.

Mit ihren Ärztinnen in Weiterbildung hat Monika Buchalik in den vergangenen 25 Jah -ren gute Erfahrungen gemacht. Viele sind längst als Hausärztinnen niedergelassen, die Vorgängerin von Juliane Albrecht arbeitet immer noch stundenweise in Maintal-Hochstadt mit. „Sie kann sich nicht von mir trennen“, sagt Monika Buchalik mit einem Augenzwinkern. Nur in den ersten Tagen behält sie die jungen Kolleginnen bei sich im Sprechzimmer. Sie in einem eigenen Sprechzimmer schon früh eigenständig Patienten betreuen und auch Hausbesuche fahren zu lassen ist ihr wichtig, auch wenn sie auf Diagnostik, Therapie und vor allem auch die Medikation spätestens am Tagesende ein Auge wirft und unter Umständen korrigierend eingreift, wenn zum Beispiel die Krankenkasse das verordnete Medikament nicht bezahlt.

Es ist umfangreiches Detailwissen, das sie als Weiterbilderin vermitteln muss. Um sich diese Arbeit zu erleichtern, hat sie über die Jahre seitenlange Checklisten zum Beispiel zu Disease Management Programmen (DMP) angelegt, auf die ihre Ärztinnen regelmäßig schauen sollen. „Dr. Juliane Albrecht dokumentiert sehr genau“, lobt sie, darauf legt ihre Weiterbilderin aber auch Wert. Für Rückfragen steht ihre Tür offen; „mir ist es lieber, sie fragt sofort, das hält mich vielleicht im Tagesablauf auf, zahlt sich aber langfristig in zügigerer Behandlung aus“, hat sie die Erfahrung gemacht.

Welche Erklärungen des KODEX hält sie für besonders wichtig? „Ein gutes Gehalt, etwas über Tarif zu zahlen, die Arbeitszeiten einzuhalten und Fortbildungen zu ermöglichen“, sagt Monika Buchalik. Juliane Albrecht wird unter anderem zu den Treffen des Qualitätszirkels ihrer Arbeitgeberin mitkommen. „Weiterbildung bedeutet für mich erhebliche Mehrarbeit, das muss man ganz klar sagen“, sagt Monika Buchalik. Man müsse aber perspektivisch denken und enthusiastisch sein. Als Hausärztin sehe sie sich auch in der Verpflichtung, ihren Beitrag zur allgemeinen Versorgungssicherheit zu leisten.

„Ganz abgesehen davon ist es doch ein wenig freudlos, immer alleine vor sich hinzuarbeiten“, sagt sie. „Austausch ist für beide Seiten förderlich. Ich bekomme über meine Ärztinnen Einblicke in die aktuellen medizinischen Fragestellungen, die an den Universitäten relevant sind.“ Mit ihren ersten Wochen in der Praxis ist Juliane Albrecht sehr zufrieden. „Da ich zurzeit der ersten Erkältungswelle in die Praxis gekommen bin, durfte ich gleich viel mitarbeiten“, sagt die 36-Jährige. „Meine ersten Erwartungen haben sich erfüllt.“

KODEX ambulante Weiterbildung

Der KODEX ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von Ausbildern, dem Arzt in Weiterbildung eine sichere wirtschaftliche Grundlage und eine strukturierte Weiterbildung zu bieten. Infos und Eintrag für Weiterbilder unter: www.hausaerzteverband.de

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