73. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.Die Urologie wird weiblicher

Der 73. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in Stuttgart konnte wieder mit Präsenz stattfinden. Das analoge Comeback kam gut an.

Kryokonservierung endlich Kassenleistung

Diagnose Hodenkrebs, ein Schock. Und jetzt? Gerade jüngere Männer stellen sich dann die Frage: kann ich noch Vater werden? Können sie, wenn sie ihre Spermien und Hodengewebe kryokonservieren lassen. Diese Möglichkeit besteht bereits länger, war jedoch bis dato eine Selbstzahlerleistung – und zwar eine recht teure.

Am 1. Juli 2021 ist nun eine neue Richtlinie in Kraft getreten, gemäß der die Kryokonservierung zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet werden kann. Diese Erstattung umfasst alles, von der Entnahme über die Lagerung bis hin zur Transplantation.

Die Bedingung dafür ist allerdings, so PD Dr. Armin Soave, Oberarzt Klinik und Poliklinik für Urologie am UKE Hamburg, “dass es sich bei den Methoden zur Konservierung um unzweifelhaft etablierte Verfahren handelt und die Behandlung potenziell keimschädigend ist”.

Dazu gehören operative Entfernung der Keimdrüsen, Strahlentherapie und der Einsatz potenziell fertilitätsschädigender Medikamente. Sind diese Voraussetzungen gegeben, können die behandelnden Ärzte einen Antrag bei der jeweiligen GKV einreichen.

Darin müssen die Grunderkrankung, vorangegangene Therapien und Komorbiditäten sowie das Zeitfenster für die geplante Kryokonservierung eingetragen werden. Mit berücksichtigt wird auch das Transplantationsgesetz. Demzufolge muss der Patient einwilligungsfähig sein.

Das ist unter 14 Jahren jedoch nicht der Fall, weshalb bei Buben eine Kryokonservierung nicht erstattet wird. Aus Sicht von Dr. Soave ein großes Manko, ebenso wie die Tatsache, dass es die Kassenleistung nur für Männer bis fünfzig Jahren gibt. “Problematisch ist auch, dass Transgender sowie Patienten mit Klinefelter-Syndrom und DSD von der Erstattung ausgeschlossen sind”.

Fertilität: Biomarker der Männergesundheit

Unfruchtbarkeit ist laut PD Dr. Pia Pfaffenholz, urologische Universitätsklinik Köln, eine uralte Problematik – wie etwa ein Ehevertrag aus der Syrerzeit belegt – und heute so aktuell wie nie zuvor: “Seit den 1970er Jahren bis heute ist die Spermienkonzentration und -qualität um etwa sechzig Prozent gesunken”.

Die Gründe für diese dramatische Entwicklung finden sich vor allem im Lebensstil. So setzt ein dauerhaft hoher Stresslevel die männliche Fruchtbarkeit um 34 Prozent herab, wie Studien zeigen. Auch zu viel Alkohol und Nikotinabusus sind “potenziell samenschädigend”, so Dr. Pfaffenholz.

Ein zu hoher BMI beeinträchtigt vor allem die Mobilität der Spermien. Auch Erkrankungen, allen voran Hypertonie, Durchblutungsstörungen und Typ-2-Diabetes, spielen eine Rolle. “Deren effektive Therapie verbessert auch die Spermatogenese”.

Weitere Risikofaktoren sind onkologische Erkrankungen wie Hodentumore und Tumore des blutbildenden Systems. Deshalb sollte in solchen Fällen “vor einer Chemo- oder Radiotherapie immer eine Kryokonservierung durchgeführt werden”.

Erektile Dysfunktion bei Diabetikern managen

An Diabetes sind derzeit vier Millionen Männer in Deutschland erkrankt, 95 Prozent davon an Typ 2. Bis 2040, so die düstere Prognose, wird sich die Zahl der männlichen Diabetiker bundesweit auf sechs Millionen erhöhen.

Zahllose Betroffene leiden unter einer erektilen Dysfunktion (ED), denn Diabetes, so Dr. Christian Leiber, Klinik für Urologie, Universitätsklinikum Freiburg, spielt eine ganz entscheidende Rolle bei der ED – “in zweifacher Hinsicht”.

Zum Einen stört sie die neuronale Signalvermittlung und kann so bereits die Entwicklung einer Erektion behindern. Zum Anderen ist das Endothel der Blutgefäße durch die Zuckerkrankheit beeinträchtigt, wodurch die Erektion – im wahrsten Wortsinn – nicht aufrecht gehalten werden kann.

Pathogenetisch bedeutsam und interessant ist darüber hinaus, dass rund die Hälfte der männlichen Diabetes-Patienten laut Dr. Leiber einen Testosteron-Mangel hat.

Der erste und wichtigste Schritt beim ED-Management ist den Blutzuckerspiegel optimal einzustellen. Zudem sollte der Testosteron-Spiegel nach den Worten des Freiburger Urologen ausgeglichen und regelmäßig kontrolliert werden.

Als Nächstes geht es an die Korrektur der Lebensstilfaktoren: “Übergewicht abbauen, mehr bewegen, nicht rauchen”. Dann kommen die eigentlichen therapeutischen Maßnahmen zum Einsatz. Dazu gehören PDE-5-Hemmer, also Sildenafil & Co. sowie die Schwellkörperinjektion.

“Sie ist die bisher wirksamste medikamentöse Behandlung”. Lokale Therapien wie die Vakuumpumpe sind ebenfalls Optionen, “allerdings nicht sehr beliebt”. Über die innovative Stoßwellentherapie, so Dr. Leiber, “wird derzeit noch kontrovers diskutiert.”

Doch was, wenn alle Therapiemöglichkeiten versagt haben? Dann ist ein Penisimplantat die richtige Lösung. “Die Ergebnisse der großen Zentren sind sehr gut und die Zufriedenheitsrate der Patienten liegt bei neunzig Prozent”. Weiterer Pluspunkt: Die GKV übernimmt die Kosten.

Fazit laut Dr. Leiber: “Auch bei einer schwerwiegenden ED gibt es fast immer eine erfolgversprechende Lösung”.

Quellen: Vorträge im Rahmen des 73. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) vom 15. bis 18.9.2021 in Stuttgart

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