Pharma-SkandalSperre für Krebsmittelhersteller Lunapharm

Lunapharm soll jahrelang illegal mit gestohlenen Krebsmedikamenten gehandelt haben. Daher will das Gesundheitsministerium dem Unternehmen sowohl die Erlaubnis zur Herstellung als auch zum Vertrieb von Arzneimitteln entziehen. Lunapharm kündigte Widerstand gegen den Bescheid an.

Lunapharm soll jahrelang illegal mit gestohlenen Krebsmedikamenten gehandelt haben. Daher will das Gesundheitsministerium dem Unternehmen sowohl die Erlaubnis zur Herstellung als auch zum Vertrieb von Arzneimitteln entziehen. Lunapharm kündigte Widerstand gegen den Bescheid an.
Vorwurf des Ministeriums: Arzneimittelbeschaffung über dunkle Kanäle© andrey_orlov/adobe.stock.com

Potsdam. Neue Etappe im Brandenburger Pharma-Skandal: Das Unternehmen Lunapharm, das illegal mit Krebsmedikamenten aus griechischen Apotheken bezogen haben soll, darf nun endgültig keine Arzneimittel mehr herstellen oder in den Verkehr bringen. Wie das brandenburgische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte, sei die entsprechende Erlaubnis zurückgezogen worden. Die Anordnung habe das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit erlassen. Vorläufig wurde auch die Großhandelserlaubnis ausgesetzt. Am 6. Februar wird im Ministerium über eine Fortsetzung der Befugnis entschieden. Der Bescheid sei den Anwälten der Firma mit Sitz in Blankenfelde-Mahlow übermittelt worden.

Nach Angaben des Ministeriums besteht die Möglichkeit des Widerspruchs innerhalb von einem Monat. Ministerin Susanna Karawanskij (Linke) will sich am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtages äußern.

Lunapharm kündigte auf Anfrage der dpa an, Rechtsmittel einlegen zu wollen. Man werde Widerspruch einlegen, sagte ein Unternehmenssprecher und dringe auf eine gerichtliche Klärung aller Punkte.

Das Ministerium sieht einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ zufolge keine Grundlage mehr für die Aufrechterhaltung der Herstellungs- und Vertriebserlaubnis. Das Unternehmen habe „in quantitativer wie in qualitativer Hinsicht kontinuierlich über einen langen Zeitraum und in schwerwiegender Weise gegen arzneimittelrechtliche Vorgaben verstoßen“. Lunapharm habe in Kenntnis der Rechtswidrigkeit gehandelt. Diese Umstände ließen nicht darauf schließen, dass die Lunapharm Deutschland GmbH und ihre Geschäftsftätigkeit in Zukunft in Übereinstimmung mit dem geltenden Arzneimittelrecht ausüben würden.

Illegaler Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten

Im Juli 2018 waren Vorwürfe bekanntgeworden, Lunapharm erwerbe illegal Krebsmedikamenten aus Griechenland und bringe sie in Deutschland in den Verkehr. Das ARD-Magazin „Kontraste“ hatte berichtet, Lunapharm verteibe Krebsmedikamente, die aus griechischen Kliniken gestohlen worden seien. Zudem hatte sich das Pharmaunternehmen illegal Krebsmittel aus Italien beschafft.

Der Skandal griff auch auf deutsche Krebs-Patienten über, da die Wirksamkeit der Medikamente behördlich nicht garantiert werden konnte. Nach wie vor ist unklar, wie viele Patienten betroffen waren. Erste Schätzungen gingen von bundesweit knapp 230 Patienten aus, die mit den Medikamenten versorgt wurden.

In Brandenburg sollen elf Patienten die Arzneimittel erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Krebsmedikamenten. Laboruntersuchungen von sogenannten Rückstellproben ergaben bislang keine Hinweise auf unwirksame Medikamente. Die Ministerin hatte im November den Landtagsausschuss informiert.

Die Brandenburger Behörden sollen unzureichend auf Hinweise zu illegalen Machenschaften reagiert haben. Als Konsequenz hatte die damalige Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) Ende Augst ihren Rücktritt erklärt. Zudem wurden die Aufgaben des Präsidenten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit beschnitten.

Als Reaktion auf den Skandal kündigte die damalige Regierung an, die zuständige Aufsichtsbehörde personell aufzustocken. Wie die Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) am Mittwoch (16.01) im Gesundheitsausschuss des Landtages bekanntgab sei dies bisher nicht in dem geplanten Umfang erfolgt. Von den anvisierten zwölf Stellen habe nur die Hälfte besetzt werden können.

Mit Material von dpa/bb

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