Diabetes-Apps im ÜberblickHbA1c senken dank App?

In der Diabetologie übernehmen Apps bereits vielfältige Aufgaben. Doch App ist nicht gleich App – den digitalen Unterstützer sollten Sie mit Bedacht auswählen.

In der Diabetologie übernehmen Apps bereits vielfältige Aufgaben. Doch App ist nicht gleich App – den digitalen Unterstützer sollten Sie mit Bedacht auswählen.
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Von Präventionsmaßnahmen bis hin zur Berechnung des idealen Insulinbolus: In der Diabetologie können Apps verschiedenste Funktionen erfüllen (s. Tab. 1). Das Angebot an verfügbaren Apps ist enorm – hier finden Sie Tipps zur Beurteilung.

Qualität bewerten

Derzeit ist die Veröffentlichung von Apps weitgehend unreguliert. Die Betreiber der App-Plattformen prüfen die Apps auf deren technische Anwendbarkeit, nicht aber auf deren Inhalt. Bei der Beurteilung von Apps können daher Kriterien zur Bewertung gesundheitsbezogener Apps helfen (s. Tab. 2). Solche Kriterien entwickelt hat etwa das Peter L.Reichertz Institut für Medizinische Informatik, das außerdem eine Checkliste für die Nutzer von Apps zusammengestellt hat:

  • Checkliste für die Nutzer von Apps des Peter L. Reichertz Instituts: www.hausarzt.link/atxk6
  • Qualitätssiegel DiaDigital: www.hausarzt.link/9pmQQ
  • Qualitätsprinzipien für die Bewertung von Gesundheits-Apps der AWMF: www.hausarzt.link/NS77x
  • Interview mit Rechtsanwalt Prof. Bernd Halbe: www.hausarzt.link/WUVS1

Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) hat das Qualitätssiegel DiaDigital ins Leben gerufen: Diabetes-Apps werden anhand definierter Kriterien auf ihre Funktionalität und inhaltliche Richtigkeit untersucht, bevor sie das Siegel erhalten. Eine Liste der Apps, die bereits über das Siegel verfügen, findet sich auf der Webseite von DiaDigital (s. o.).

Offline versus cloudbasiert

Nur wenige Apps kommen ohne Internetverbindung aus. Der Vorteil dieser Offline-Apps ist, dass die Daten des Nutzers auf seinem Smartphone bleiben – die Datensicherheit ist daher hoch. Dagegen speichern cloudbasierte Apps vom Nutzer angelegte Daten auf dem Server des App-Betreibers. Das hat zwei Vorteile: Ist das Smartphone defekt oder verliert es der Nutzer, gehen die Daten nicht verloren. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass der Patient die Daten online an weitere Personen übermittelt, etwa – im Sinne der Telemedizin – an den Behandler.

Aus der Vielzahl von Apps stellen wir Ihnen folgende Auswahl vor:

Sweetch Health

  • Anbieter: Sweetch Health ltd.
  • Kategorie: Prävention
  • verfügbar für: iOS, Android
  • Preis: kostenfrei

Die Präventions-App erhebt routinemäßig Daten über das Smartphone oder andere digitale Quellen und gibt dem Nutzer personalisierte zeitlich und örtlich passende Präventionsempfehlungen. Etwa gleicht die App Vorschläge für mehr Bewegung im Alltag mit dem persönlichen Kalender ab und stimmt diese über GPS mit der unmittelbaren Umgebung der Person ab.

Broteinheiten/BE-Rechner Pro

  • Anbieter: Jommi Online
  • Kategorie: Therapieunterstützung
  • verfügbar für: iOS
  • Preis: 5,49 Euro
  • Siegel DiaDigital

NutriCheck

  • Anbieter: Jommi Online
  • Kategorie: Nährwerttabelle und Ernährungsratgeber
  • verfügbar für: iOS
  • Preis: 3,99 Euro
  • Siegel DiaDigital

Der Broteinheiten/BE-Rechner Pro hilft bei der Einschätzung von BE/KE und Kalorien der täglichen Lebensmittel. Zusätzliche Informationen bietet Nutricheck: Etwa ermöglicht die App Diabetikern mit Nierenproblemen, die Lebensmittel nach dem Eiweißgehalt aufsteigend zu sortieren.

Omnitest Diabetes Tagebuch

  • Anbieter: B. Braun Melsungen AG
  • Kategorie: Diabetestagebuch
  • verfügbar für: iOS, Android
  • Preis: kostenfrei
  • Siegel DiaDigital

Die Nutzer können Gewicht, Blutdruck, Bewegung und Freitext-Bemerkungen manuell erfassen, die Blutzuckerwerte werden aus dem firmeneigenen Messgerät übernommen. Die Tagebuchdaten können die Nutzer als PDF weiterleiten. Laut Hersteller werden die eingegebenen Gesundheitsdaten ausschließlich auf dem mobilen Endgerät gespeichert; B.Braun hat auf diese Daten keinen Zugriff.

Lumind

  • Anbieter: lumind solutions GmbH
  • Kategorie: Therapieunterstützung
  • verfügbar für: iOS
  • Preis: kostenfrei
  • Siegel DiaDigital

Die App zur Therapieunterstützung erfasst Blutzuckerwerte und erinnert Diabetiker daran, ihren Blutzucker zu messen. Sehbehinderte und Blinde können sich die Blutzuckermessungen per Sprachausgabe anhören.

Was können Apps bewirken?

Die häufige Nutzung von Apps weist darauf hin, dass Patienten im Alltag einen konkreten Vorteil haben. Aber welchen medizinischen Nutzen haben Diabetes-Apps? In einer Metaanalyse von 13 randomisierten, kontrollierten Studien aus dem Zeitraum 2008 bis 2016 wurde von einem positiven Effekt von Diabetes-Apps auf den HbA1c-Wert berichtet [1].

Auch in einer retrospektiven Datenanalyse zur App “Glooko Mobile” zeigte sich durch die Nutzung der mobilen Plattform ein Anstieg in der Häufigkeit der Blutzuckermessung, die durchschnittlichen Zuckerwerte waren im Vergleich zur Kontrollgruppe niedriger und es traten seltener Hyperglykämien auf [2].

Jedoch gibt es auch kritische Evaluierungen, etwa warnt eine Studie vor dem Einsatz von Apps zur Berechnung des idealen Insulinbolus [3]: Fehler bei der Berechnung der Insulindosis können zu lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisungen führen.


Fazit

Apps haben das Potenzial, die Behandlung von Diabetikern zu verbessern. Jedoch sind Apps und deren Qualität ausgesprochen heterogen. Bei der Bewertung von Apps können Kriterien und Qualitätssiegel vertrauenswürdiger Institutionen helfen.Zweifellos ersetzen Diabetes-Apps nicht die persönliche Betreuung durch Ärzte und Diabetesfachkräfte.

Quellen:

  1. Bonoto BC et al. Efficacy of Mobile Apps to Support the Care of Patients With Diabetes Mellitus: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. JMIR Mhealth Uhealth. 2017; 5(3): e4. DOI: 10.2196/mhealth.6309
  2. Offringa R et al. Digital Diabetes Management Application Improves Glycemic Outcomes in People With Type 1 and Type 2 Diabetes. J Diabetes Sci Technol. 2018; 12(3):701-708. DOI: 10.1177/1932296817747291
  3. Huckvale K et al. Smartphone apps for calculating insulin dose: a systematic assessment. BMC Med. 2015; 13:106. DOI: 10.1186/s12916-015-0314-7
  4. D.U.T. Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2019
  5. Kaltheuner M, Drossel D, Heinemann L. DiaDigital – Unterstützung von Patienten und Diabetologen bei der Nutzung von Apps. Diabetologe 2016. DOI: 10.1007/s11428-016-0162-x
  6. DiaDigital. Apps, die das Siegel erhalten haben. www.hausarzt.link/9pmQQ

Quelle: Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2019 (www.hausarzt.link/4ADLZ)

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