Forum Politik„Wir müssen regionale Strukturen fördern“

Die Deutschen werden immer älter. Das hat die Politik in den 70-ern erkannt und mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz die Geriatrie offiziell etabliert. Der richtige Weg?

Monika Buchalik: Wie in Hessen nehmen Geriatrie-Konzepte oft Bezug auf den jeweiligen Krankenhausplan des Landes. Dadurch gibt es sehr unterschiedliche Strukturen, überwiegend konzentrieren sich diese aber auf Kliniken oder Reha-Einrichtungen. Bundesweit hat sich die Zahl stationärer Einrichtungen seit 1993 in etwa vervierfacht*. Natürlich brauchen wir auch spezialisierte Einrichtungen, das ist aber nur ein Teil der Versorgung – überwiegend betreuen wir Hausärztinnen und Hausärzte ambulant die älteren Menschen. Studien zeigen, die meisten wollen am Lebensende von ihrem Hausarzt ärztlich umsorgt werden, der sie und ihr Umfeld seit Jahrzehnten kennt.

Multimorbidität, akute und chronische Krankheiten, Prävention, ganzheitlicher Ansatz: Die Definition der Geriatrie hört sich eigentlich nach hausärztlichen Aufgaben an…

Die ärztliche Versorgung von geriatrischen Patienten ist der ureigenste ärztliche Arbeitsbereich von uns Hausärzten. Deswegen ist dies auch Inhalt der Weiterbildung Allgemeinmedizin – "geriatrische Syndrome und Krankheitsfolgen im Alter einschließlich der Pharmakotherapie im Alter". Nur Hausärzte haben den Überblick über Multimorbidität und Polypharmazie ihrer geriatrischen Patienten.

Wie werden Hausärzte in der Praxis unterstützt?

Zum Beispiel durch die Hausarztzentrierte Versorgung im Sinne eines Primärarztsystems. So laufen alle Daten garantiert beim Hausarzt zusammen. Daneben arbeiten wir natürlich mit Pflege wie Spezialisten zusammen und koordinieren die Behandlung im Sinne unserer Patienten. Diese wohnortnahe und koordinierende Versorgung werden aber die neuen Geriatrischen Institutsambulanzen nicht leisten können. Statt dieser Zentren müssen wir die regionalen Strukturen für Hausärzte fördern.

Wir haben mit Monika Buchalik, Hausärztin, Vize-Präsidentin der LÄK Hessen, 3. Vorsitzende Hausärzteverband Hessen gesprochen.

*Quelle: Weißbuch Geriatrie, Kohlhammer 2010; Bundesverband Geriatrie

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Gefecht um Geriatrie" von Dr. Silvia Noller sowie den Beitrag von Dipl. Soc. Robert Festersen "Wider den Spezialisierungswahn"!

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