TeleDerm und VESPEERAZwei neue Projekte im AOK-Hausarztvertrag stellen sich vor

Bessere dermatologische Versorgung und eine Brücke zwischen Klinik und Hausarztpraxis: In Baden-Württemberg sind basierend auf dem AOK-Hausarztvertrag zwei richtungsweisende Innovationsfonds-Projekte gestartet: TeleDerm und VESPEERA.

Teledermatologie hilft Hausärzten bei Diagnose und Therapie

Etwa sieben bis zehn Prozent aller Patienten suchen ihren Hausarzt wegen Hautproblemen auf. Rund 90 Prozent von ihnen können Hausärzte selbst behandeln. Ist dermatologischer Rat gefragt, wird es zunehmend schwierig, zeitnah einen Termin beim Hautarzt in der Nähe zu bekommen. Ältere, mobilitätseingeschränkte Patienten können die Fahrt zu einem weiter entfernten Facharzt kaum bewerkstelligen. Hier soll „TeleDerm“ helfen, ein Projekt, das der Innovationsfonds innerhalb des AOK-Hausarztvertrags in Baden-Württemberg unterstützt.

Zahlreiche Studien und Erfahrungen in den Niederlanden zeigen, dass die Teledermatologie bei Diagnosequalität und Therapieergebnissen mit der konventionellen dermatologischen Versorgung mithalten kann. Die zwölfmonatige Intervention ist im Juli gestartet. Die 50 Pilotpraxen in vier Landkreisen wurden mit Kameras und Software ausgestattet und geschult.

Bei unklaren Befunden fordern die Hausärzte über eine sichere Datenleitung zusammen mit den Bildern, Angaben zum Patienten und den vorliegenden Beschwerden Rat von einem beteiligten Dermatologen an. Binnen zwei Tagen erhalten sie Feedback. Evaluiert wird, ob und in welchem Maße sich die Zahl der Überweisungen entwickelt und wie Patienten und Ärzte die Telekonsile annehmen.

Die Vertragspartner AOK Baden-Württemberg, Hausärzteverband Baden-Württemberg und MEDI Baden-Württemberg sind optimistisch. Mit seiner digitalen Technik ermögliche TeleDerm eine schnellere Behandlung und bringe die Vernetzung zwischen Haus- und Facharzt voran. Und in Verbindung mit einem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis könne hier die Technik ihr positives Potenzial voll entfalten.

Für Projektleiterin Prof. Stefanie Joos, Allgemeinmedizinerin sowie Ärztliche Direktorin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen, liegen die Vorteile für Arzt und Patient auf der Hand: „Die Betroffenen müssen weder lange auf einen Facharzttermin warten noch weite Wege in Kauf nehmen. In den meisten Fällen können sie dank Teledermatologie eine zuverlässige Diagnose und Therapieempfehlung auch bei ihrem Hausarzt erhalten.“

Auch für Hautärzte besitzt Teledermatologie ihren Reiz, wie Prof. Matthias Möhrle aus Tübingen, Teilnehmer des Pilotprojekts, kommentiert: „Eine Entlastung der Hautarztpraxen ist möglich, sodass mehr Zeit für wirklich schwerwiegende Fälle bleibt, weil dank Teledermatologie mehr Patienten auch in der Hausarztpraxis gut versorgt werden können.“

VESPEERA: Entlassmanagement fängt beim Hausarzt an

Als einer der ersten Patienten hat Dragan K. einen Einweisungsbrief für seine Dekubitalulkus-Therapie bei Nierenzell-Karzinom für das Klinikum Bad Cannstatt erhalten. Ausgestellt hat den Brief sein Hausarzt Dr. Jürgen Herbers, der an VESPEERA* teilnimmt. Das Innovationsfonds-Projekt ist in neun Stadt- und Landkreisen im Ländle gestartet und strukturiert Einweisungen und Entlassungen zwischen Hausärzten und Kliniken. Das soll die Patientenzufriedenheit steigern und die Rate an Wiedereinweisungen sowie Doppel-, Unter- und Fehlversorgung etwa bei Hilfsmitteln verringern.

Hausärzte identifizieren dabei potenzielle Risikopatienten, die dann von der VERAH® engmaschig betreut werden. Gerade an der Schnittstelle von Klinik zu Hausarzt gibt es Versorgungslücken und Informationsbrüche. Auf Basis der Haus- und Facharztverträge in Baden-Württemberg wollen die Vertragspartner mit der Verzahnung neue Maßstäbe setzen.

Das Konzept geht über den 2017 in Kraft getretenen Rahmenvertrag Entlassmanagement nach Krankenhausbehandlung hinaus. Dazu soll ein strukturierter Einweisungsbrief die Klinik bei der Entlassplanung früh unterstützen. Bei Dragan K. kennt das Klinikum so alle wichtigen Kontaktpersonen: die Schwägerin als Übersetzerin, der für die Wundversorgung zuständige Pflegedienst und der AOK-Ansprechpartner für das Entlassmanagement.

Ferner sollen Telefonate zwischen Klinik und Hausarzt die kontinuierliche nachstationäre Versorgung sichern. Hier etwa durch die frühzeitige Mitteilung der Entlassmedikation, speziell der BtM-pflichtigen Arzneien, um die zügige Weiterverordnung zu gewährleisten. Die Software Care Cockpit verbindet alle Bausteine des Einweisungs- und Entlassmanagements in der Hausarztpraxis miteinander.

„Sehr froh bin ich nicht nur über die verbesserte Kommunikation mit der Klinik, sondern darüber, dass durch den strukturierten Einweisungsbrief auch die interprofessionelle Zusammenarbeit aller an der Behandlung Beteiligter – nämlich Krankenhaus, Arzt, VERAH®, Pflegedienst, Angehörige und Krankenkasse – vereinfacht und manchmal erst ermöglicht wird“, erklärt Herbers. „Ich bin überzeugt, dass dies ein zukunftsfähiger Ansatz ist, zumal der nötige Mehraufwand vergütet wird, und uns unsere VERAH® wirkungsvoll entlastet.“

Deren Kompetenz wurde im AOK-Hausarztvertrag um das Hausarztpraxis-basierte Case-Management multimorbider Patienten (PraCMan) erweitert. In VESPEERA übernimmt die VERAH® die obligatorischen Assessments und informiert die Patienten, um sie optimal auf den Klinikaufenthalt vorzubereiten. Nach Entlassung werden der Medikationsplan und die empfohlene Anschlussversorgung besprochen. Patienten mit erhöhtem Unterstützungsbedarf erhalten zudem in den ersten drei Monaten eine engmaschige telefonische Betreuung.

*) VESPEERA: Versorgungskontinuität sichern: Patientenorientiertes Einweisungs- und Entlassmanagement in Hausarztpraxen und Krankenhäusern

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