EditorialGewalt darf nicht salonfähig werden

Liebe Leserinnen, liebe Leser, was haben Fußballer Mesut Özil und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth gemeinsam? Richtig, beide sahen sich jüngst einer Flut von Hetze und Hassmails ausgesetzt. In der öffentlichen Debatte verschärft sich der Ton, gewinnt man den Eindruck. Gefühlt hat Gewalt zugenommen, ergeben immer wieder verschiedene Umfragen. Auch Kriminalitätsstatistiken, in denen Gewaltverbrechen nur rund drei Prozent ausmachen [1], können diesen Eindruck kaum entkräften.

Eine Erklärung für die Diskrepanz bieten mehrere Experimente von Psychologen der Universität Harvard [2]. „Werden Probleme seltener, betrachten wir automatisch mehr Umstände als problematisch“, fasst Autor Daniel Gilbert die Ergebnisse zusammen [3]. In einem der Versuche sollten Teilnehmer Gesichtsausdrücke einschätzen – als freundlich, bedrohlich oder neutral. Das Resultat: Je kleiner die Zahl der beängstigenden Gesichter in der Auswahl, desto häufiger bewerteten die Teilnehmer neutrale Gesichter als bedrohlich.

Im September werden Ergebnisse einer Befragung von 11.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erwartet. Sie zeich- net erstmals ein Bild, wie es um Beschimpfungen, Pöbeleien und körperliche Gewalt gegenüber Praxisteams steht. Vorab wurden bereits 7.500 Antworten ausgewertet. Demnach waren im Vorjahr vier von zehn Befragten mit verbaler Gewalt konfrontiert. Gemessen an rund einer Milliarde Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr ist dies – Gott sei Dank – doch eher die Ausnahme. Ernst nehmen, sollten wir diese Ergebnisse trotzdem.

Denn auch verbale Attacken können sehr belastend sein. Noch gravierender ist es meines Erachtens aber, wenn Gewalt langfristig in unserer Gesellschaft salonfähig würde. Soziale Werte werden im täglichen Miteinander immer wieder neu gefestigt und verändert – die Entwicklung haben wir also auch mit unserem eigenen Verhalten in der Hand.

Damit in Ihrer Praxis Pöbeleien und Beleidigungen keine Chance haben, finden Sie ab Seite 33 ein paar Tipps.

Ihre Johanna Dielmann-von Berg, Stellv. Chefredakteurin „Der Hausarzt“

Literatur

  1. Lakotta B. Wie sicher ist Deutschland? http://www.spiegel.de/spiegel/gewaltkriminalitaet-wie-sicher-ist-deutschland-a-1206327.html, zuletzt abgerufen am 14.8.18
  2. Levari DE, Gilbert D et al. Prevalence-induced concept change in human judgment. DOI: 10.1126/science.aap8731
  3. Herrmann S. Das Problem der gelösten Probleme. https://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-das-problem-der-geloesten-probleme-1.4034658, zuletzt abgerufen am 14.8.18
E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärzte, ÄiW, Medizinstudenten und MFA ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Deutschen Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation
Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.
Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Wir verifizieren Ihre Mitgliedschaft anschließend.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl
Alle der unten angegebenen Newsletter
Alle hausärztlich relevanten Ereignisse und News
Nur Meldungen aus der (Berufs-)Politik
Nur Praxiswissen (Abrechnung, Organisation)
Nur Meldungen aus Medizin und Wissenschaft
Neue Spickzettel, Checklisten u.ä.
Inhalt und E-Paper neuer HAUSARZT-Ausgaben

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.

Auswahl ändern/abbestellen

Wenn Sie für Ihr bestehendes Newsletter-Abo andere Themen auswählen oder den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.

Nach oben