CoronavirusGesundheitspersonal soll mit als erstes geimpft werden

Die Hoffnung auf schnelle Verfügbarkeit einer Vakzine gegen das Coronavirus wächst. Doch der Impfstoff wird anfangs nur begrenzt zur Verfügung stehen. Nun haben Ethikrat, Leopoldina und STIKO eine erste Richtschnur für einen "Impfplan" vorgestellt - mit Ärzten in erster Reihe.

Die Hoffnung auf schnelle Verfügbarkeit einer Vakzine gegen das Coronavirus wächst. Doch der Impfstoff wird anfangs nur begrenzt zur Verfügung stehen. Nun haben Ethikrat, Leopoldina und STIKO eine erste Richtschnur für einen "Impfplan" vorgestellt - mit Ärzten in erster Reihe.
Die Corona-Impfung rückt in greifbare Nähe - doch bis sie breiten Einsatz findet, wird es wohl noch dauern. © REDPIXEL - stock.adobe.com

Berlin. Aufgrund des anfangs wohl nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden Impfstoffs gegen das Coronavirus sollen in Deutschland bestimmte Personengruppen bevorzugt geimpft werden. Erste Leitplanken dafür haben am Montag (9.11.) Deutscher Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission (STIKO) als Auftrag der Bundesregierung festgelegt. Laut einem gemeinsamen, sechsseitigen Positionspapier sollen beispielsweise

  • Ältere, vor allem bei Kontakt mit anderen Menschen, beispielsweise in Pflegeheimen
  • Menschen mit Vorerkrankungen
  • Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen
  • Menschen in „Schlüsselstellungen“ in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung, etwa Mitarbeiter von Gesundheitsämtern und Sicherheitsbehörden, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher

prioritär eine Vakzine erhalten, sobald diese verfügbar wird. Biontech und Pfizer wollen voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen, wie sie nur wenige Stunden nach Vorlage des Positionspapiers bekanntgaben.

„Die Priorisierung muss medizinischen, ethischen und rechtlichen Prinzipien folgen. Diese sind der Bevölkerung verständlich darzulegen, damit die Priorisierung als gerechtfertigt wahrgenommen werden kann“, heißt es in dem Positionspapier. Noch seien genaue Feststellungen zur Priorisierung aber nicht getroffen, also nicht alle bevorzugten Gruppen genau identifiziert, betonte Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx mit Vorlage des Papiers. Es fehlten noch Daten. Zu bedenken seien aber etwa auch Menschen, die etwa in Heimen für Obdachlose oder Asylbewerber sehr beengt untergebracht sind.

Buyx betonte dabei, auch Menschen ohne Versicherungsschutz hätten Anspruch auf Impfung. Zwischen privat und gesetzlich Versicherten solle nicht unterschieden werden.

Ärzte und Pflegekräfte “ganz vorn dran”

Bereits Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag (8.11.) in einem Video gesagt: “Ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land.”

Der Vorsitzende der Impfkommission, Thomas Mertens, erinnerte passend dazu, es mache angesichts des anfangs nur begrenzt verfügbaren Impfstoffs keinen Sinn, die zuerst berücksichtigten Gruppen so groß zu fassen, dass 40 Millionen Menschen berücksichtigt würden. Bis spätestens Ende des Jahres sollten die Empfehlungen konkreter sein. “Die Priorisierung muss von den Verantwortungsträgern der Politik festgesetzt werden auf Basis der Empfehlungen.” Buyx sprach sich für eine gesetzliche Grundlage aus, man sei in einer außergewöhnlichen Lage. Die letzte Priorisierung müssten diejenigen vor Ort treffen, “die die Spritze führen”, sagte Mertens.

Freiwillige für Impfzentren gesucht

Dies könnten durchaus Hausärztinnen und Hausärzte sein – jedoch zunächst nicht in den eigenen Praxen. Denn geimpft werden soll in den ersten Phasen in Zentren sowie durch mobile Impftrupps, wie das Bundesgesundheitsministerium bereits Ende Oktober definierte (s. Grafik).

Anfang November hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert. Die Länder kümmern sich um das notwendige Zubehör und richten eigenverantwortlich Impfzentren ein. Deren Logistik ist auch nötig, da es sich zunächst wohl um Impfstoffe handeln wird, die bei hohen Minusgraden zu lagern sind. Insgesamt wird derzeit von bis zu 60 Standorten ausgegangen. Der Impfstoff wird – sobald es ihn gibt – entweder durch die Bundeswehr oder durch die Firmen selbst zu diesen Standorten geliefert.

Zur Besetzung der Impfzentren werden nun jedoch dringend Ärztinnen und Ärzte gesucht. Unter anderem in Bayern und Thüringen berichten Hausärzte bereits von Anschreiben der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV), in denen Kräfte für die neuen Impfstellen gesucht werden.

Zulassung soll nächste Woche beantragt werden

Unterdessen wurde am Montag Hoffnung laut, dass schnell mit dem Impfen begonnen werden könnte. Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer teilten mit, ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden. Biontech und Pfizer wollten voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, er gehe von einer parallelen Beantragung der Zulassung bei FDA und der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aus. Als deutscher Gesundheitsminister wolle er erreichen, dass ein Impfstoff eines deutschen Unternehmens “nicht zuerst in anderen Ländern zur Verfügung steht”.

Eine unbeantwortete Frage ist jedoch, ob Menschen nach einer Impfung das Virus weitertragen können. Das wäre vor allem für den Gesundheitsbereich problematisch.

Parallel zur Impfung soll genau dokumentiert werden, wer wann womit geimpft wurde, um etwaige Nebenwirkungen zu bemerken und den Impfeffekt zu messen. Die Daten könnten zur Gewährleistung des Datenschutzes pseudonymisiert werden. Wie das Nachrichtenportal “ThePioneer” (9.11.) berichtet, plant die Bundesregierung eine zentrale Dokumentation mit einem webbasierten Datenportal.

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