Aktionstag HitzeÄrzteschaft warnt: Hitze ist ernste Bedrohung für die Gesundheit

Im Vorfeld des ersten Hitzeaktionstages kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gemeinsam mit der Bundesärztekammer, dem Deutschen Pflegerat und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) am Dienstag (13.6.) einen Nationalen Hitzeschutzplan für Deutschland an.

Pressekonferenz am Dienstag (13.6.) zum Hitzeaktionstag am 14.6. von links: Jana Luntz, Deutscher Pflegerat, Dr. Martin Herrmann, KLUG, Dr. Klaus Reinhardt, BÄK, Prof. Dr. Karl Lauterbach, BMG

Berlin. Der erste Hitzeaktionstag 2023 am Mittwoch (14.6.) wurde von Bundesärztekammer (BÄK), dem Deutschen Pflegerat und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern ins Leben gerufen.

Hitze sei eine ernstzunehmende Gesundheitsbedrohung, erklärte Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer bei einer Bundespressekonferenz dazu am Dienstag (13.6.). Grundsätzlich müsse sich Deutschland besser auf künftige Hitzeschutzperioden vorbereiten, nur wenige Kommunen verfügten etwa über Hitzeschutzpläne – und wenn, dann meist ohne Einbindung von Gesundheitsberufen.

„Hitzeschutz kann nur funktionieren, wenn an allen Stellen Menschen lernen die Hitzegefahren zu erkennen und aktiv werden. Der Hitzeaktionstag ruft deshalb bundesweit zu Aktionen und Informationsveranstaltungen des Gesundheitssektors auf. Die dort Tätigen spielen eine zentrale Rolle im Hitzeschutz!“, meinte KLUG-Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Herrmann.

Lauterbach kündigt Nationalen Hitzeplan an

Im letzten Jahr seien rund 5000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben, in vorherigen Jahren seien es sogar deutlich mehr gewesen, so Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (siehe dazu auch Epid Bull 42/22).

Außerdem seien die Folgen für viele weitreichend – Folge der Hitze könnten ein Schlaganfall, Demenz, Herzinfarkt, Pflegebedürftigkeit sein. Deutschland sei beim Thema Hitze nicht gut aufgestellt, andere Länder seien dabei viel weiter.

So habe Frankreich bereits nach 2003, einem Jahr mit vielen Hitzetoten, einen Nationalen Hitzeplan erfolgreich aufgelegt. An diesem wolle sich Deutschland eng orientieren. Kernelement des Plans sei, die Hitzeperioden in Schweregrade einzuteilen.

Wie können Praxen “hitzefest” werden

Um einen Plan aufzustellen und klare Zuständigkeiten zu benennen, würden Ärzteschaft, Pflege, Träger von Pflege- und Krankenhauseinrichtungen aber auch Vertreter der Kommunen an einen Tisch gerufen. Der Bund sei auch bereit, zu investieren. In welcher Höhe, darauf wollte sich Lauterbach auf Rückfrage eines Journalisten bei der Bundespressekonferenz jedoch nicht festlegen.

Bei einer anschließenden „Hitzesymposium für Praxen und MVZ“, veranstaltet von BÄK, KLUG und der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) wurde über verschiedene Themen informiert und diskutiert: Wie kann man seine Praxis hitzefest machen? Wie schützt man sich selbst und das Team? Wie können lokale Hitzeschutznetzwerke aufgebaut werden? Welche Medikamente müssen bei Hitze angepasst oder umgestellt werden (mehr dazu im Artikel “Hitze und Medikamente: Was Sie beachten sollten“)?

Prof. Dr. Jörg Schelling, Allgemeinarzt in Martinsried wies auf die wichtige Rolle der Hausarztpraxen beim Thema Hitzeschutz hin. Einerseits seien die Hausärztinnen und Hausärzte kompetent, andererseits würden in den Praxen diejenigen Menschen zusammenkommen, für die Hitze eine besondere Bedrohung bedeute – etwa Menschen über 70, Kinder, Menschen mit akuten und chronischen Erkrankungen, Pflegebedürftige und Menschen, die verschiedene Medikamente einnehmen.

Alle sollten an einem Strang ziehen

Wichtig sei, das Thema und die Bedeutung für die eigene Praxis zu erkennen und zu handeln, erklärte Schelling weiter und wies beispielsweise auf bauliche Maßnahmen hin – wie etwa das Anbringen von bodentiefen, elektrisch bedienbaren Jalousien, Umluftanlagen zur Belüftung und Kühlung, Trinkwasserspender im Wartezimmer etc.

Einzelne Praxen mit Leuchtturmcharakter reichten nicht aus, das Thema müsse breit umgesetzt werden. Allerdings räumte Schelling auch ein: Um die Aufgaben der Ärzteschaft rund um den Hitzeschutz zu bewältigen, fehlten oft die zeitlichen Ressourcen. Auch seien finanzielle Mittel erforderlich.

Dr. Robin Maitra, Hausarzt in Memmingen und Vorstand Landesärztekammer Baden-Württemberg unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit des Themas. Mit der Hitze tauchten auch neue gesundheitliche Probleme auf – wie etwa Tropenerkrankungen und neue und aggressivere Pollen, auch chronische Atemwegserkrankungen würden zunehmen.

Zentrale Rolle für Hausarztpraxen

Daneben gebe es auch Zusammenhänge zwischen mentaler Gesundheit und Hitze. Wichtig sei unter anderem, aktiv zu werden und Netzwerke zum Hitzeschutz aufzubauen. Dabei könnten Hausärztinnen und Hausärzte eine zentrale Rolle einnehmen und zum Beispiel öffentlichkeitswirksam Vorträge in Absprache mit Pflegeeinrichtungen, Gesundheitsämtern oder Kommunen durchführen. Unter hitze.info würden komplette Vorträge zum Herunterladen angeboten, die „unglaublich hilfreich sind“, so Maitras Tipp.

Informationen zum Hitzeschutz und Pläne gebe es bereits einige, so Maitra (Beispiele: Mannheim, Hessen). Um ein Netzwerk aufzubauen sei die persönliche Ansprache äußerst wichtig.

Stadt Frankfurt sucht Hausarztpraxen

Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt, die online das Symposium verfolgten, wiesen darauf hin, dass sei seit etwa anderthalb Jahren mit dem Thema beschäftigt seien und „sehr gerne“ mit Hausarztpraxen aus Frankfurt in Kontakt kommen würden.

Um die Ansprache und das Starten einer Initiative zu erleichtern, plädierten Teilnehmer des Symposiums dafür, dass die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) vorgefertigte Anschreiben mit einer Liste der wichtigsten Player auf lokaler Ebene vorbereiten und auf der Homepage veröffentlichen könnte.

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