Ärztetag hat gewähltReinhardt ist neuer BÄK-Präsident

In einem spannenden Wahl-Krimi hat der Deutsche Ärztetag entschieden: Hausarzt Dr. Klaus Reinhardt ist neuer Chef der Bundesärztekammer (BÄK). Ein erster Ausblick, was Ärzte erwarten könnte. PLUS: Der neue Präsident - und die Wünsche der Hausärzte - im Video-Interview.

In einem spannenden Wahl-Krimi hat der Deutsche Ärztetag entschieden: Hausarzt Dr. Klaus Reinhardt ist neuer Chef der Bundesärztekammer (BÄK). Ein erster Ausblick, was Ärzte erwarten könnte. PLUS: Der neue Präsident - und die Wünsche der Hausärzte - im Video-Interview.
Gratulation unter Kollegen: Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes (r.), gratuliert dem neuen BÄK-Chef Dr. Klaus Reinhardt direkt nach der Wahl.© Johanna Dielmann-von Berg

Münster. Dr. Klaus Reinhardt ist neuer Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). In einer Stichwahl im dritten Wahlgang hat er sich am Donnerstag (30. Mai) mit 124 zu 121 Stimmen gegen Dr. Martina Wenker durchgesetzt. Der Deutsche Ärztetag in Münster hat damit die Nachfolge von Prof. Frank Ulrich Montgomery, der nach acht Jahren Amtszeit nicht mehr angetreten war, entschieden.

Reinhardt ist niedergelassener Hausarzt und Vorsitzender des Hartmannbundes. Für die BÄK war er bereits mit der politisch heiklen Aufgabe beauftragt worden, die Federführung bei der Erarbeitung einer neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zu übernehmen.

Im Interview mit “Der Hausarzt” nach seiner Wahl versicherte Reinhardt, “die Interessen der Hausärzte sind in der Bundesärztekammer gut vertreten”. Er sei überzeugt, dass es in den nächsten Jahren für Ärzte wie Patienten darauf ankomme, die Versorgung besser zu steuern. Als Beispiel nannte er die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), die dies bereits erfolgreich lebe.

Der Deutsche Hausärzteverband begrüßt, dass erstmals ein Hausarzt und Niedergelassener an der Spitze der Bundesärztekammer steht, damit werde die jahrelange Dominanz durch den Marburger Bund abgelöst. „Hausärzte nehmen eine Schlüsselposition in der Versorgung der Patienten ein, dies zeigt sich jetzt auch auf berufspolitischer Ebene“, gratulierte Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt. Der Hausärzteverband hofft, dass die BÄK wie von Reinhardt angekündigt auch hausärztliche Belange und die Versorgung ihrer Patienten stärker in den Fokus rücken wird.

Doppelte “Frauen-Power” an Reinhardts Seite

Reinhardt erhält künftig „Frauen-Power“ an seine Seite: Die Delegierten des Ärztetags wählten als Vizepräsidentinnen der BÄK die Chirurgin und leitende Oberärztin am Klinikum Bremen-Mitte Dr. Heidrun Gitter und die niedergelassene Hals-Nasen-Ohrenärztin Dr. Ellen Lundershausen.

Gitter erhielt 125 von 238 gültigen Stimmen, auf Lundershausen entfielen 126 von 237 Stimmen. Gitter ist seit 2012 Präsidentin der Ärztekammer Bremen und Mitglied im Marburger Bund. Lundershausen leitet seit 2015 die Ärztekammer Thüringen und ist Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte. Ebenso neu gewählt als “weitere Ärzte für den Vorstand” wurden Dr. Susanne Johna und Dr. Peter Bobbert.

Wahl-Krimi in drei Gängen

Kandidiert hatten für Montgomerys Nachfolge insgesamt vier Kandidaten: Neben Reinhardt und Wenker waren auch der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Dr. Gerald Quitterer, sowie Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, angetreten.

Im ersten Wahlgang hatte niemand der vier ursprünglich angetretenen Kandidaten die Mehrheit der 249 abgegebenen Stimmen erreicht (Reinhardt 91, Wenker 88, Qitterer 46, Jonitz 24). Damit wurde ein zweiter Wahlgang erforderlich, vor dem Jonitz sein erneutes Antreten zurückzog. Auch im zweiten Wahlgang erreichte jedoch niemand die nötige Mehrheit von 125 Stimmen (Reinhardt 109, Wenker 100, Quitterer 40). Im dritten Wahlgang sieht die Satzung der BÄK eine Stichwahl unter den zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen vor, womit Reinhardt und Wenker in ein Kopf-an-Kopf-Rennen gingen. Bei drei Enthaltungen und einem ungültigen Stimmzettel setzte sich Reinhardt dabei mit einem knappen Vorsprung von nur drei Stimmen durch.

Präsident mit Hausarzt-Blick

Sowohl in der Berufspolitik als auch in der Hausarztpraxis bringt Reinhardt langjährige Erfahrung mit sich. „Das ist wichtig für Authentizität und Durchsetzungsvermögen“, warb er in seiner Vorstellungsrede am Donnerstagvormittag. Denn: Obwohl der Ärztetag regelmäßig Beschlüsse fasse und die Delegierten engagiert dabei seien, passten die herrschenden Rahmenbedingungen aus seiner Sicht nicht, so Reinhardt. „Wir leiden unter sinnentleerender Bürokratie, und das Hamsterrad, in dem wir seit Jahren arbeiten, wird aktuell noch beschleunigt, anstatt dass die Politik gemeinsam mit uns Ärzten auf Augenhöhe spricht.“ Vor diesem Hintergrund plädierte Reinhardt bei seiner Kandidatur für eine „koordinierte Vorwärts-Strategie“, die auch KVen und Kammern einbeziehen sollte.

Den Praxisalltag der Hausärzte kennt Reinhardt aus eigener Erfahrung: 1993 hat der heute 59-Jährige die elterliche Praxis in Bielefeld übernommen, mittlerweile ist er gemeinsam mit einem angestellten Arzt dort tätig. Trotz des umfangreichen berufspolitischen Engagements – Reinhardt ist seit seiner Niederlassung 1993 in der Selbstverwaltung aktiv, war unter anderem in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sowie der Kammer im Land aktiv, seit 2011 ist er Vorsitzender des Hartmannbundes – sei er bis heute drei Tage pro Woche in der eigenen Praxis tätig, erklärte er vor den Delegierten nicht ohne Stolz. „Ich weiß, wovon ich spreche.“

Den Delegierten hinterließ er vor der Wahl ein Versprechen: Er werde für die Belange der Ärzte mit „Leidenschaft“ eintreten.

Montgomery “verschwindet nicht in den Orbit”

Montgomery war – wie bereits im Vorjahr angekündigt – nach acht Jahren nicht erneut angetreten, sondern fokussiert sich künftig auf die europäische Ebene. Seit Mitte November ist er Präsident der Generalversammlung des Ständigen Ausschusses der Ärzte der europäischen Union (CPME).

„Ich werde nicht in den Orbit verschwinden“, bekräftigte Montgomery in Münster, „sondern in Europa weitermachen.“ Eines seiner großen Themen sei global gesehen, den Zugang aller Menschen zu medizinischer Versorgung zu verbessern.

 

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