Diskriminierung von Kranken (Teil 2)Psoriasis: Psychosoziale Situation bessern

Menschen mit sichtbaren Hauterkrankungen leiden besonders oft unter Stigmatisierung. Hier kommt der psychosozialen Kompetenz des hausärztlichen Praxisteams eine große Bedeutung zu.

Menschen, denen ihre Krankheit anzusehen ist, leben in einem von der Norm abweichenden Körper: Sie haben Hautprobleme, ihnen fehlen Gliedmaßen, sie sitzen im Rollstuhl oder sind unförmig.

Sichtbare Hauterkrankungen fallen in einer auf Schönheit fixierten Gesellschaft besonders auf. Glatte, reine Haut gilt seit jeher als Schönheitsideal, als Symbol von Gesundheit und Jugend.

Die Betroffenen können sich den Blicken anderer kaum entziehen und leiden unter der Stigmatisierung. Gefangen in der Haut, gefangen im eigenen Körper, sichtbar und doch am liebsten unsichtbar: So geht es Menschen mit Hauterkrankungen oder Hautbildern, die von der Norm abweichen.

Victim-Bashing

Schon vor über 2.000 Jahren litten Menschen nicht nur an den Symptomen ihrer Erkrankung, sondern auch an der Ablehnung und Ausgrenzung durch andere. Bereits Hippokrates beschrieb die Schuppenflechte: “Überall am Körper war die Haut stark verdickt, vom Aussehen her wie die Lepra.” Ein fremder, missbilligender, gar angewiderter Blick geht unter die Haut und noch heute ist die Unkenntnis groß.

Viele Menschen wissen nicht, welche Hauterkrankungen ansteckend sind und welche nicht. Victim-Bashing, also Stigmatisierung und Ausgrenzung der Betroffenen, sind die Folge. Gesetzgeberische Meilensteine wie das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, digitale Informationsangebote, selbst gezielte Aufklärungskampagnen wie die Aktion “Bitte berühren” des Berufsverbandes der Dermatologen haben daran kaum etwas geändert. Das zeigen Umfragen.

Wenn Stress unter die Haut geht

In Deutschland leben ungefähr zwei Millionen Menschen mit Schuppenflechte. Etwa ein Fünftel der Betroffenen hat eine mittelschwere Form und etwa ein Drittel erlebt starke Einschränkungen in der Lebensqualität.

Als Ursache gilt ein Zusammenspiel von zwei Faktoren: eine genetische Veranlagung sowie ein bestimmter Auslöser wie Stress, Infekte und mechanische Reize auf der Haut.

Psoriasis und Psoriasis-Arthritis belasten die Psyche stark. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft deshalb in einer Psoriasis-Resolution dazu auf, die psychosoziale Situation der weltweit 125 Millionen Betroffenen zu verbessern.

Viele Betroffene schämen sich wegen ihrer Erkrankung und ziehen sich zurück. Valide Erkenntnisse dazu sind erst in den letzten Jahren bekannt geworden. Zugleich können psychische Belastungen einen Psoriasis-Schub auslösen. Wie bei anderen Hautkrankheiten spielt bei Schuppenflechte die Psyche eine entscheidende Rolle, wobei stets zwischen Ursache und Wirkung unterschieden werden sollte.

  • Psychische und psychosoziale Probleme können Hauterkrankungen (mit) auslösen.
  • Psychische und psychosoziale Probleme können durch die Hauterkrankung hervorgerufen werden.

Hier kommt der psychosozialen Kompetenz des hausärztlichen Praxisteams sowie seiner umfassenden Kenntnis der gesundheitlichen Probleme und des sozialen Umfelds der Betroffenen eine besondere Bedeutung zu.

Hilfreicher Fragebogen

Hilfreich in der Praxis ist der DLQI (Dermatology Life Quality Index). Der Fragebogen (s. Link-Tipp) ermittelt die persönliche Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Schuppenflechte.

Dafür beurteilt er das Ausmaß der gesamten körperlichen Belastungen sowie das seelische Befinden innerhalb der letzten sieben Tage. Der DLQI besteht aus zehn Fragen zu Beeinträchtigungen in Alltag, Freizeit, Schule, Arbeit und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Jede Frage wird mit einer Punktzahl zwischen null und drei bewertet, sodass die Gesamtzahl zwischen null (keine Beeinträchtigung) und 30 (maximale Beeinträchtigung) liegt. Über zehn Punkte bedeutet, dass die Schuppenflechte einen starken Einfluss auf die Lebensqualität hat, über 20 Punkte sogar einen sehr starken Einfluss.

Darüber lässt sich reden

Betroffene sollten wissen: Mit ihrer Frage nach dem “Warum gerade ich?” stehen sie nicht allein. Unter den Betroffenen sind auch Prominente wie der 2009 verstorbene US-amerikanische Schriftsteller John Updike (“Rabbit Romane”), der sich in seinem Werk “Selbst-Bewusstsein: Erinnerungen” intensiv mit den schwerwiegenden Folgen seiner Erkrankung auseinandersetzte.

Über Schuppenflechte im Intimbereich zu sprechen, fällt den meisten besonders schwer und viele bleiben stumm. Für Beziehungen kann Psoriasis im Intimbereich zur Herausforderung werden.

Die Partner schämen sich, fühlen sich nicht mehr begehrenswert und geraten in einen Teufelskreis aus Vermeidung, Scham und sozialer Distanz. Auch hier ist die hausärztliche Sprechstunde das geeignete Setting, um in der Sicherheit des Behandlungszimmers offen über die krankheitsbedingten Probleme im Intimbereich und die Belastung des Sexuallebens zu sprechen. Denn langfristige Abhilfe und mehr Lebensqualität kann nur die passende Therapie bringen.

Literatur bei der Verfasserin.

Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.

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