Kongress für Kinder- und JugendmedizinWissenswertes aus der Pädiatrie

Besonderheiten bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind auch für Hausärzte relevant, denn viele Jugendliche gehen lieber zu einem "Erwachsenen-Arzt" und insbesondere im ländlichen Bereich kommen Kinder häufig in die Hausarztpraxis. Der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Köln bot eine breite Palette an praxisrelevanten Themen.

Besonderheiten bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind auch für Hausärzte relevant, denn viele Jugendliche gehen lieber zu einem "Erwachsenen-Arzt" und insbesondere im ländlichen Bereich kommen Kinder häufig in die Hausarztpraxis. Der Kongress für Kinder- und Jugendmedizin in Köln bot eine breite Palette an praxisrelevanten Themen.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: eine Reihe Wonneproppen© Prazis - Fotolia

Gesundheitsrisiko „Junge“

Jungs zeigen mehr Verhaltensprobleme, mehr Hyperaktivität und sind insgesamt häufiger psychisch auffällig als Mädchen. Ein wichtiger Risikofaktor für die psychische Gesundheit ist die Trennung der Eltern, wobei Jungs vermehrt in Stieffamilien (weniger bei alleinerziehenden Müttern) unter emotionalen Problemen, ADHS oder Verhaltensauffälligkeiten leiden. Körperliche Aktivität ist für die psychische Gesundheit von Jungs sehr wichtig – und bietet zugleich einen wertvollen Ansatzpunkt für deren Verbesserung.

Schwierige Übergabe an den Hausarzt

Dass sich die Transition chronisch kranker Jugendlicher zum Hausarzt häufig schwierig gestaltet, liegt oft an den Patienten selbst, da sie sich für alles andere mehr interessieren als für ihre Erkrankung. Dazu kommt, dass Pädiatern weder Standards noch strukturierte Vorgaben zur Verfügung stehen, wann und wem sie beispielsweise Asthma-Patienten abgeben sollten.

So erfolgt der Übergang häufig ungeplant und ohne ausreichende Übergabe. Ein erfolgreiches Transitions-Modell ist das Berliner Transitions Programm (BTP), das die Übergabe mit Gesprächen vor und nach der Volljährigkeit organisiert. Zudem hat der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses kürzlich mit TransFit ein neues Projekt zur Begleitung der Transition von chronisch-kranken Jugendlichen gestartet.

Schmerzen adäquat behandeln

Wer in der Kindheit bei medizinischen Eingriffen Schmerzen erdulden musste, nimmt diese Eindrücke mit ins Erwachsenenleben. Das kann sich zum Beispiel als relativ harmlose Spritzenphobie äußern. Es kann aber auch dazu führen, dass vor lauter Angst gravierende Krankheiten verschleppt werden, weil die Betroffenen den dringend notwendigen Arztbesuch viel zu lange aufschieben.

Die Ursachen für diese Ängste beruhen häufig auf nicht adäquat behandelten Schmerzen, etwa nach einer Operation, bei einer akuten Erkrankung oder aufgrund der medizinischen Behandlung selbst. Seitens der Ärzte ist hingegen die Sorge vor Zwischenfällen bei der Analgo-sedierung weit verbreitet und hat beispielsweise zur Folge, dass 30 Prozent der äußerst schmerzhaften Knochenmarkspunktionen bei Kindern in den USA ohne Analgosedierung durchgeführt werden.

Problematisch ist überdies, dass Kinder häufig nur unterdosierte Schmerzmedikamente erhalten – sofern sie überhaupt eingesetzt werden. Dies belegte eine aktuelle italienische Studie, welche die Schmerzmittelgabe bei Kindern in der Notaufnahme untersuchte. Demnach erhielten über 60 Prozent der Kinder eine viel zu geringe Dosierung – selbst in den Kinderkliniken und obwohl in manchen Häusern ein Standard für die korrekte Dosierung vorhanden war.

Zudem wurde neben Ibuprofen überwiegend Paracetamol verabreicht. Dabei belegen zahlreiche Publikationen, dass Paracetamol kein ernstzunehmendes Analgetikum ist und zudem – angesichts seiner Nebenwirkungen – keineswegs als harmlos gelten kann. Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol einnahmen, haben ein erhöhtes Risiko unter Asthma bronchiale, Ekzemen, Rhinokonjunktivitis, Störungen der Sexualhormonachse, ADHS und kognitiven Störungen zu leiden. Wenn überhaupt, sollte das Medikament daher generell nur zur Fiebersenkung verabreicht werden und keinesfalls in der Schwangerschaft.

Bei kurzfristigen Schmerzen etwa aufgrund von Mittelohrentzündungen oder Wachstumsschmerzen sollte man Kindern eine wirksame anti-entzündliche Substanz wie zum Beispiel Ibuprofen in ausreichender Dosierung geben. Bei schmerzhaften Prozeduren hat eine Analgosedierung zu erfolgen und langfristige Schmerzen sind mit Opioiden – auch über längere Zeit – behandelbar.

Auch im Umgang mit Kindern bewährt es sich, ehrlich sein und zum Beispiel offen anzusprechen, dass die Spritze jetzt kurz weh tut. Hilfreich ist es, die Kinder während dessen abzulenken (z.B. mit Musik, Spielzeug, Computerspielen) oder sie mitbestimmen zu lassen, beispielsweise wo genau die Spritze pieksen soll.

Medikament gegen Adipositas?

Etwa 700.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind adipös; häufig liegt eine genetische Prädisposition zugrunde. Hier bietet der Leptin Melanocortin-Signalweg ein geeignetes Target. Ein Medikament, das in diesen Signalweg eingreift, ist Setmelanotide. In einer ersten Studie wurde es bei zwei Patientinnen eingesetzt, die aufgrund einer Mutation unter einem Hypophysenhormon Proopiomelanocortin (POMC)-Mangel litten und folglich stark übergewichtig waren. Die Therapie führte zu deutlich weniger Hungergefühl und einer drastischen Gewichtsabnahme. Ob Setmelanotide auch bei anderen Adipositas-Krankheiten oder dem Prader-Willi Syndrom hilft, wird derzeit untersucht.

Akne frühzeitig therapieren

Um bleibende Narben zu vermeiden, sollte auch eine weniger starke Akne frühzeitig behandelt werden. Hier können etwa topische Retinoide oder topische Antibiotika helfen. Bei mittelschwerer bis schwerer Akne sind topische bzw. orale Antibiotika erforderlich. Zusätzlich sollte immer eine Basispflege verwendet werden, die das Spannungsgefühl lindert, welches die Therapie häufig begleitet. Für Diäten gibt es keine ausreichende Datengrundlage.

Frühe Anlage gesunder Ernährung

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse gilt als Grundbaustein der Gesundheit. Allerdings verweigern viele Kinder gerade die gesunden Nahrungsmittel. Dagegen hilft, bereits beim ersten Zufüttern auf Vielfalt zu achten und täglich wechselnde Gemüsesorten anzubieten. Zum Essen zwingen sollte man die Kinder nicht, aber hartnäckig bleiben und die neuen Nahrungsmittel mindestens acht mal anbieten. Das Resultat: Auch später essen die so „angefütterten“ Kinder gerne gesunde Nahrungsmittel.

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