KongressberichtEnde GUT?

Risikofaktoren und Präventionsansätze waren neben aktuellen Aspekten der Therapie von Darm- und analen Erkrankungen ein Schwerpunkt des diesjährigen Koloproktologen-Kongresses. Denn: Darmkrebs nimmt ab, Analkrebs aber zu – auch bei Frauen.

Aktives Rauchen ist neuen Studienergebnissen zufolge ein Risikofaktor für frühen Darmkrebs.

Zervixneoplasie? Anus ansehen!

Darmkrebs nimmt ab, Analkrebs aber zu – auch bei Frauen, erklärte PD Dr. Hartmut Schäfer, Köln, beim diesjährigen Koloproktologen-Kongress. Nach Krebsregisterdaten stieg die altersstandardisierte Inzidenz des Analkarzinoms zwischen 1999 und 2018 von 1,3 auf 2,4 pro 100.000 Frauen.

Neun von zehn Analkarzinome treten im Zusammenhang mit einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) auf. Deshalb ist das Risiko für ein Analkarzinom hoch, wenn eine zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) besteht oder die Patientin ein Zervixkarzinom hatte, betonte Schäfer.

Er wertete eine Kohorte von Frauen aus, die sich zwischen 2017 und 2022 in seiner Praxis zum Ausschluss einer analen Neoplasie bei vorbekannter zervikaler Neoplasie, analer intraepithelialer Neoplasie (AIN) oder Infektion mit einer HPV-Risikovariante vorgestellt hatten. Von den 30 Frauen mit CIN in der Vorgeschichte wiesen 17 (56,7 Prozent) eine AIN auf.

Ein Zusammenhang mit anderen bekannten Risikofaktoren für AIN wie junges Alter beim ersten Geschlechtsverkehr und Rauchen fand er nicht. Laut Schäfer sollte bei allen über 40-jährigen Frauen mit CIN3 oder Zervixkarzinom in der Vorgeschichte ein Analabstrich genommen, die Zytologie untersucht und eine HPV-Testung durchgeführt werden.

Bei anomaler Zytologie sollte die Diagnose in einem spezialisierten Zentrum mit einer hochauflösenden Anoskopie überprüft werden und die Behandlung erfolgen. Bei CIN3 ist eine lebenslange Kontrolle auch des Anus notwendig, ist er überzeugt. Ohne HPV-Risikovarianten sollte die anale Kontrolle alle zwei Jahre, bei Nachweis von Hochrisikovarianten wie HPV16/18 jährlich erfolgen.

AIN sollten immer entfernt werden. Wichtig ist, dabei nicht zu invasiv vorzugehen, um den Analkanal nicht zu verletzen. Daher sollten AIN in der Regel nicht exzidiert werden. Schäfer präferierte die Argon-Plasma-Koagulation, die auch in kurzen Abständen wiederholt werden kann und bei der die Patientinnen am nächsten Tag schon wieder arbeitsfähig sind.

Bei analer Kontrolle vorsichtig vorgehen!

Mehr als 200 probiotische Produkte sind in Deutschland erhältlich. Erstattungsfähig ist ein solches Produkt nur in einem Fall: Zum Remissionserhalt bei Colitis ulcerosa mit Mesalazin-Unverträglichkeit kann E. coli Nissle 1917 (Mutaflor®) zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden, erklärte Prof. Dr. Heiner Krammer, Mannheim.

Es gibt eine Evidenz, dass mit diesem Probiotikum zweimal täglich eine Remission ebenso gut erhalten bleibt wie mit Mesalazin.

Sehr häufig werden – ohne GKV-Kostenerstattung – Probiotika zur Behandlung des Reizdarmsyndroms eingesetzt. Sie sollten aber immer ein Teil eines multimodalen Therapieansatzes sein, sagte Krammer und fügte hinzu, sie seien schon deshalb sinnvoll, weil sie den Placeboeffekt verstärken könnten.

Die S3-Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Probiotika zusätzlich zu anderen Therapien bei allen Reizdarm-Leitsymptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung, wobei sich die Wahl des Stammes nach den Symptomen richten soll.

Empfohlen wird eine vierwöchige Einnahme von Probiotika. Bei positivem Effekt kann die Behandlung fortgesetzt werden, sonst sollte der behandelnde Arzt diesen Therapieversuch beenden und auch nicht auf ein anderes Produkt wechseln. Einen “Darmflorastatus” empfiehlt er explizit nicht und auch von Stuhltransfers hält er nichts: Über kurz oder lang setzt sich das autochthone Darmmikrobiom doch wieder durch.

Koloskopie ab 45

Personen, die sich in der gastroenterologischen Universitätsklinik in Zürich in den Jahren 2016 – 2021 einer Koloskopie unterzogen hatten, wiesen schon ab einem Alter von 45 Jahren ein gegenüber Jüngeren deutlich höheres Risiko für ein kolorektales Karzinom (CRC) oder eine hochgradige Dysplasie (HGD) auf, berichtete Stefanie Hehl, Zürich.

Deshalb plädierte sie für das Herabsetzen des Mindestalters zum Darmkrebs-Screening auf 45 Jahre. Die Inzidenz von CRC und HGD war bei den 45 – 49-Jährigen mit 1,5 Prozent vergleichbar hoch wie bei den 50 – 54-Jährigen.

Im Untersuchungszeitraum waren zudem HGD mit den Jahren häufiger geworden. Das sind gerade die potenziellen Darmkrebsvorstufen, die in der Koloskopie entfernt werden können, betonte Hehl.

Rauchstopp? Der Darm dankt‘s!

Eine Metaanalyse neuerer Studien zeigt, dass aktives Rauchen ein Risikofaktor für frühen Darmkrebs darstellte, wie Jutta Weitz, München, berichtete. Ausgewertet wurden Daten von insgesamt 95.506 Personen. Aktiv Rauchende hatten ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko im Vergleich zu Nichtrauchern, vor dem 50. Lebensjahr Adenome oder Darmkrebs zu entwickeln.

Das Risiko ehemaliger Raucher, die seit mindestens einem Jahr nicht mehr rauchten, war dagegen nicht höher als bei Nichtrauchern. Das sollte in jedem Fall in die Beratung zu einem Rauchstopp mit einbezogen werden, findet Weitz.

Hämorrhoiden-Gene

Eine genomweite Analyse identifizierte mit Hämorrhoiden assoziierte Genvarianten. Sie betrafen Elastin und ein Kollagen sowie das Myosinprotein der glatten Muskulatur, berichtete Dr. Greta Burmeister, Rostock. Auch ein Enzym, das den Neurotransmitter Acetylcholin hydrolisiert und für Kontraktion und Relaxation im Gastrointestinaltrakt wichtig ist, war betroffen.

Burmeister entwickelte einen polygenen Risikoscore (PRS) für Hämorrhoidalleiden, der bei hohen Werten auf eine größere Schwere und ein frühes Erkrankungsalter hindeutet. Für die klinische Anwendung ist es aber noch zu früh.

Henne oder Ei?

Im peripheren Blut zeigt sich bei Darmkrebserkrankung eine systemische Immunsuppression, berichtete Dr. Viktor Ehrlich von Treuenstätt, München. Er hatte Blutproben von zwölf Patienten mit kolorektalem Karzinom vor OP und Chemotherapie ausgewertet und mit elf gesunden Kontrollen verglichen.

Bei den Krebspatienten waren weniger B- und T-Lymphozyten sowie nicht-klassische Monozyten und dendritische Zellen zu finden als bei Kontrollen, aber mehr myeloide Suppressorzellen. Unklar ist, ob diese systemische Immunsuppression ein prädisponierender Faktor ist oder durch den Krebs selbst bedingt wird.

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