Buchtipps HA 08/22280 Zeichen Kompetenz

Die angehende Allgemeinmedizinerin Dr. Ulrike Koock aus dem hessischen Altenstadt bloggt und twittert erfolgreich als "schwesterfraudoktor".

Ein Leben ohne Blog und Twitter? Möglich, aber nur halb so schön. Seit gut drei Jahren bloggt die angehende Fachärztin für Allgemeinmedizin Dr. Ulrike Koock aus dem hessischen Altenstadt als “schwesterfraudoktor” erfolgreich auf ihrer Homepage und dem Kurznachrichtendienst Twitter. “Das macht mir sehr viel Spaß”, sagt die Weiterbildungsassistentin in einer Gemeinschaftspraxis.

Vornehmlich erklärt die 41-Jährige medizinische Sachverhalte für Laien verständlich; immer wieder nimmt sie darüber hinaus Stellung zur Gesundheitspolitik und gesellschaftlich relevanten Fragen aus dem Bereich der Medizin wie Organspende, Corona-Pandemie oder Impfpflicht.

Was anfangs keine Hauptrolle spielte, Ulrike Koock aber zunehmend wichtig ist: “Ich möchte Einblicke in den Beruf der Hausärztin geben und diesen Beruf sichtbarer machen.”

Ursprünglich hatte die Medizinerin den Blog gestartet, “weil ich so gerne schreibe und die Blogs von schreibenden Kollegen gelesen habe. Das wollte ich auch versuchen”. Das technische und inhaltliche Knowhow brachte sie sich selbst bei. Der Name war schnell gefunden; zig Patienten hatten sie im Krankenhaus als “Schwester Frau Doktor!” angesprochen.

Sobald Ulrike Koock den Dreh raushatte, wie sich Reichweite erzielen lässt, ging es ganz schnell. Schon ein Jahr nach dem Start ihres Blogs gewann die 41-Jährige den deutschen Award “Goldener Blogger” in der Kategorie Medizin. Die Auszeichnung gilt als ältester Social Media-Preis Deutschlands und wird in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen.

“Mein Medium sind Worte”

Auf den Preis folgte eine große mediale Resonanz, Auftritte im Fernsehen, im Radio und in Podcasts, Interviews in Zeitungen und Zeitschriften. Heute folgen der Medizinerin 60.000 Follower auf Twitter, bis zu 30.000 Klicks verzeichnet sie auf ihrer Homepage. Auch auf Instagram ist Ulrike Koock präsent; der Kurznachrichtendienst Twitter ist ihr aber näher als das bildstarke Medium Instagram. “Mein Medium sind Worte.” Eine Botschaft in maximal 280 Zeichen.

Der “Goldene Blogger” brachte ihr auch einen Buchvertrag ein. In “Frau Doktor, wo ich Sie gerade treffe” erzählt Ulrike Koock mit Anekdoten aus dem Praxisalltag, “warum ich mit Leib und Seele Hausärztin bin”, so der Untertitel des Buchs. Das Paperback hätte ursprünglich zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2020 erscheinen sollen; die Corona-Pandemie verzögerte den Start.

Obwohl Ulrike Koock mit der verkauften Anzahl nur halb zufrieden war, “ein Spiegel-Bestseller, das wäre mein Traum”, soll Anfang kommenden Jahres ein zweites Buch erscheinen. Einmal Autorin, immer Autorin. Worum wird es gehen? Das will Ulrike Koock nicht verraten. Nur so viel: “um medizinische Fragen, über die man nicht so gerne spricht”.

Was ihr noch wichtiger ist, als das zweite Buch: In 2023 will sie voraussichtlich die Prüfung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin ablegen. Alles fein also für die 41-Jährige, die zwei Kinder großzieht. Als Fachärztin wird sie perspektivisch in die Praxis in Altenstadt einsteigen.

Die Hausarztmedizin ist und bleibt ihr Traumberuf, “ich habe schon in der fünften Klasse ins Poesiealbum geschrieben, dass ich Ärztin werden und einmal eine Praxis haben möchte”. Die Sozialen Medien, Buchveröffentlichungen und diverse Schreibtätigkeiten für Magazine und Online-Portale bleiben ein “schönes Hobby”.

“Ich schreibe nur, wenn ich Zeit übrig habe”

Es war ein langer Weg. Die “Teilzeitfalle” habe schon mehr als einmal zugeschnappt, sagt Ulrike Koock. Drei Mal hat sie neu angesetzt, bis sie in der Allgemeinmedizin ihren Platz gefunden hat. Nach dem Studium zog es sie zunächst in die Pathologie, doch nach der ersten Elternzeit bot man ihr eine Stelle in 80 Kilometer Entfernung zum Wiedereinstieg an. Nicht zu realisieren mit kleinem Kind.

Sie wechselte in die Krebsforschung, die zweite Elternzeit beendete die Karriere dort. Mit der Vorstellung, Familie und Beruf leichter zu vereinbaren, ging Ulrike Koock in die Pharmaindustrie, doch sie mochte die Arbeit nicht.

“Mir fehlte der Kontakt zu Patienten, die praktische Medizin.” Was tun? Allgemeinmedizin als Notanker? “Auf keinen Fall”, sagt die Medizinerin. Im Grunde sei die hausärztliche Tätigkeit das gewesen, was sie schon in jungen Jahren habe machen wollen, dann aber aus dem Fokus verloren habe.

Kaum im Krankenhaus angekommen, sprach sie ihr eigener Hausarzt aus Altenstadt an: Ob sie sich vorstellen könne, nach der Klinikzeit als Weiterbildungsassistentin in die Praxis zu kommen? Mittlerweile arbeitet die 41-Jährige seit vier Jahren in Teilzeit in der Gemeinschaftspraxis, aktuell 20 Stunden in der Woche. Mehr sei schwierig – nicht wegen ihrer Freizeit-Aktivitäten in den sozialen Medien und als Autorin, “ich schreibe nur, wenn ich Zeit übrig habe”, sondern wegen ihrer Kinder im Grundschulalter.

Sie träumt von einer eigenen Radiosendung

“Als getrennt Erziehende kann ich keine Nachmittagssprechstunde halten, deren Ende offen ist.” Spielt die virtuelle Welt, in der Ulrike Koock sich bewegt, für ihre Patienten eigentlich eine Rolle? “Ich denke nicht. Weder kommen deshalb Patienten zu mir noch kommen sie nicht zu mir.”

Selten empfindet sie ihre Präsenz in den sozialen Medien als stressig. Obwohl sie ab und an darüber nachgedacht hat, den Blog zu schließen und den Twitter-Account schon zwei Mal für mehrere Wochen schloss, bleibt ihr der Austausch trotz manch negativer Kommentare wichtig. Mehr noch: “Ich wäre gerne noch sichtbarer” sagt die Medizinerin.

Sie träumt von einer eigenen Radiosendung. Und davon, einmal Marathon zu laufen. Immerhin dieses Ziel hat sie schon erreicht: Mancher Praxistag gleicht einem Marathon. Ziel: Feierabend. Darauf einen Tweet.

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