EditorialSeien wir selbstbewusst!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Diskussion um die Sicherung des hausärztlichen Nachwuchses wird inzwischen weit über die gesundheitspolitische Szene hinaus immer ausführlicher diskutiert. Das ist folgerichtig, denn zweifelsohne ist die Stärkung der hausärztlichen Versorgung eines der großen gesellschaftlichen Zukunftsthemen. Auch wir als Deutscher Hausärzteverband haben daher die Nachwuchssicherung zu einer unserer Prioritäten der nächsten Jahre erklärt. Die gute Nachricht dabei ist, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen wirken und wir beobachten, dass die Allgemeinmedizin und die Arbeit als Hausärztin oder Hausarzt für die jungen Menschen attraktiver werden. Die schlechte Nachricht ist, dass wir lange noch nicht dort sind, wo wir hinwollen und müssen.

Dafür müssen wir drei, sich ergänzende Ansätze verfolgen: Zum einen müssen wir die Allgemeinmedizin an den Universitäten stärken. Aus diesem Grund fordern wir als Verband nicht nur, dass jede medizinische Fakultät einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin haben muss, sondern auch, dass die Allgemeinmedizin verpflichtendes Prüfungsfach im dritten Staatsexamen wird. Außerdem treten wir dafür ein, dass ein Teil des Praktischen Jahres in der ambulanten Versorgung geleistet werden muss. Dies wäre eine wirkungsvolle und notwendige Stärkung der Allgemeinmedizin im Medizinstudium.

Darüber hinaus muss die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin so organisiert werden, dass sie für junge Menschen, die sich beispielsweise gerade in der Familiengründung befinden, attraktiv ist. Hier ist die Erhöhung in Förderstellen auf 7.500, wie sie im Versorgungsstärkungsgesetz verankert ist, ein wichtiger Schritt. Die Vergütung der Ärzte in Weiterbildung in den Hausarztpraxen darf aber kein Deut schlechter sein als die ihrer Kollegen in den Krankenhäusern!

Hierfür müssen die weiterbildenden Ärzte natürlich entsprechend ausgestattet werden. Darüber hinaus ist es richtig, so genannte Verbundweiterbildungen auszubauen, in welchen die zukünftigen Hausärztinnen und Hausärzte einen vorher feststehenden Weiterbildungsablauf durchschreiten. Das sorgt für Verlässlichkeit und Planungssicherheit.

Genauso wichtig ist aber auch, die hausärztliche Rolle im Gesundheitswesen zu stärken. Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen ein Primärarztsystem unterstützen und dass dies ein wichtiger Grund ist, sich für eine Tätigkeit als Hausarzt zu entscheiden (vgl. S. 36 ff). Das muss natürlich mit einer fairen Vergütung einhergehen, so wie wir sie in unseren Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung gewährleisten.

Manchmal ist uns Hausärzten selbst gar nicht klar, wie breit unsere Kompetenzen gefächert sind und was jeden Tag in den Praxen geleistet wird. Vieles sehen wir als selbstverständlich an – das ist es aber nicht! Wir haben daher allen Grund, unseren Beruf selbstbewusst zu vertreten. Immer mehr junge Kolleginnen und Kollegen tun dies jedenfalls schon.

Mit kollegialen Grüßen,

Ulrich Weigeldt

Bundesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband e.V.

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