Jahrestagung ESCKardiologie Aktuell

Auch diesmal wurden bei der Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC, 27.8-30.8.2021) zahlreiche neue Studienergebnisse präsentiert. Der virtuelle Kongress bot einen umfassenden Überblick über die wissenschaftliche Dynamik in diesem Fachgebiet.

Akuter Herztod: Alarmsymptom Atemnot ist wichtig

Viele Patienten, die einen akuten Herztod erleiden, klagen über prämonitorische Symptome wie Stenokardien oder Luftnot. Bisher war man der Meinung, dass der Brustschmerz der zuverlässigste Prädiktor sei.

Doch jetzt konnte in einer Studie gezeigt werden, dass die Atemnot das drohende fatale Ereignis zuverlässiger voraussagt als ein Angina pectoris-Anfall. “Klagt der Patient über plötzlich aufgetretene starke Atembeschwerden, so müssen die Alarmglocken läuten”, so Professor Filip Gnesin, Hillerod.

Einer von zehn Patienten mit einem akuten Herztod hatte in dem Zeitfenster von 24 Stunden vor dem Ereignis den ärztlichen Notdienst wegen Atembeschwerden telefonisch kontaktiert, so das Ergebnis einer dänischen Registerstudie.

Von 4.071 Patienten mit einem Herzstillstand hatten 481 (11,8 Prozent) vor dem Ereignis den Arzt kontaktiert. 59,4 Prozent klagten über Atembeschwerden, 23,0 Prozent über Schwindel, 20,2 Prozent über Bewusstseinsverlust, 19,5 Prozent über Brustschmerzen und 19,1 Prozent über Blässe.

Doch nur bei 68,7 Prozent der Patienten mit Atemnot erfolgte eine notfallmäßige Behandlung im Vergleich zu 83 Prozent bei Angabe von Brustschmerz. Von den Patienten mit Atemnot und akutem Herztod verstarben 81 Prozent innerhalb von 30 Tagen, bei Brustschmerzpatienten waren es 47 Prozent.

“Die Daten zeigen, dass das Symptom Atembeschwerden zu selten als Alarmsymptom für den akuten Herztod wahrgenommen wird”, so Gnesin.

Neue ESC-Leitlinie für Herzinsuffizienz

Trotz gewisser Fortschritte ist das Krankheitsbild der Herzinsuffizienz weiterhin mit einer sehr schlechten Prognose assoziiert, die durchaus vergleichbar ist mit der einer malig-nen Erkrankung. Die Fünf-Jahres-Mortalität liegt bei 75 Prozent und dies gilt für alle Formen der Herzinsuffizienz.

So verliert ein 65-Jähriger Patient mit einer Herzinsuffizienz etwa 15 Jahre an Lebenszeit. Der Verlauf der Erkrankung ist charakterisiert durch rezidivierende Dekompensationen. Jede dieser Dekompensationen bedeutet nicht nur eine passagere Verschlechterung des klinischen Bildes, sondern führt zu einer weiteren Verschlechterung der Pumpfunktion und auch der Prognose.

Nach der Dekompensation ist immer vor der nächsten Dekompensation. Das Risiko während einer Hospitalisierung oder innerhalb von drei Monaten nach einer Hospitalisierung zu versterben, ist bei Patienten nach einer sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz signifikant höher als bei einer neu aufgetretenen Herzinsuffizienz.

Es ist deshalb wichtig, diese Abwärtsspirale aufzuhalten, mit anderen Worten, den Patienten zu stabilisieren.

Die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz hat in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte erfahren. “Zu den bereits etablierten Substanzgruppen, nämlich RAS-Inhibitoren, Betablocker und MRA, die die Prognose verbessern, sind die SGLT2-Inhibitoren und der ARNI dazu gekommen” so Professor Theresa McDonagh, London.

Dabei stellt sich die Frage, welche Substanz wann gegeben werden sollte. In der neuen ESC-Leitlinie wird empfohlen die “Big four” (ARNI, SGLT2-Inhibitor, Betablocker und MRA) möglichst früh gemeinsam einzusetzen.

Wichtig für Herzinsuffizienz-Patienten sind auch die Schutzimpfungen gegen Influenza, Pneumokokken und COVID-19, da diese Infektionen den Krankheitsverlauf und die Prognose bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz verschlechtern.

Luftverschmutzung: Risikofaktor für Herztod

Dass die Luftverschmutzung auch aus kardialer Sicht gesundheitsschädlich ist, steht ausser Zweifel. Jetzt konnte in einer italienischen Studie gezeigt werden, dass eine enge Korrelation zwischen der Konzentration an Schadstoffen und dem Risiko für den akuten Herztod besteht.

An Tagen mit hoher Belastung war das Risiko für einen akuten Herztod in Städten höher als in Zeiten geringer Luftverschmutzung. “Diese Korrelation zeigte sich bei allen Schadstoffen”, so Professor Francesca R. Gentile, Pavia.

Drohnen bei der Reanimation

Bei der Reanimation bedeutet Zeit Überleben. Mit Hilfe von Drohnen lässt sich die Reanimation beim plötzlichen Herztod optimieren. Dies zeigen erste Erfahrungen in Schweden bei 14 Patienten.

Bei Einsatz einer Drohne konnte der automatische externe Defibrillator den Patienten schneller erreichen als mit dem Rettungswagen “Der Zeitgewinn betrug zwei Minuten”, so Dr. Sofia Schierbeck, Stockholm.

Die Drohne erreichte den Patienten in 64 Prozent der Fälle früher. Doch die Drohne konnte nur bei günstigen Wetterbedingungen eingesetzt werden. Man darf annehmen, dass diese Technologie auch in anderen kritischen Situationen wie Hypoglykämie oder anaphylaktischer Schock Anwendung finden könnte.

Opiode und akuter Herztod

Eine Überdosis an Opioiden ist immer häufiger die Ursache des akuten Herztods. Sie ist mittlerweile ebenso häufig wie andere Ursachen wie beispielsweise die KHK. Nach einer aktuellen Erhebung in den USA sind 3,1 Prozent der Fälle mit einem akuten Herztod auf eine Opioid-Einnahme zurückzuführen. “Man muss aber berücksichtigen, dass bei Opioid-Patienten auch häufiger Komorbiditäten wie Alkoholmissbrauch, Rauchen und Depression vorliegen”, so Dr. Senada S. Malik, Biddeford.

Wie gefährlich sind gesättigte Fette?

Gesättigte Fette gelten schlechthin als ungesund, sprich atherogen. Doch die Zusammenhänge sind weitgehend ungeklärt. Dazu kommt, dass Menschen, die sich vermehrt mit ungesättigten Fetten ernähren, in der Regel stark übergewichtig sind und ein erhöhtes LDL-Cholesterin aufweisen.

Somit stellt sich die Frage, ob die gesättigten Fette direkt oder indirekt über das Gewicht bzw. das erhöhte LDL-C ihre ungünstige Wirkung an den Gefäßen entfalten. Und welche Bedeutung hat die Herkunft der Fette? Sind gesättigte Fette aus Fleisch und Milchprodukten gleich zu bewerten?

Diesen Fragen ist man in einer Beobachtungsstudie nachgegangen? Insgesamt fand sich nach einer 8,5-jährigen Beobachtungszeit keine klare Assoziation zwischen der Gesamtmenge an gesättigten Fetten und dem kardiovaskulären Risiko.

Doch eine um fünf Prozent höhere Menge an gesättigten Fetten an der Gesamtenergiezufuhr aus Fleisch erhöhte das kardiovaskuläre Risiko um ca. 20 Prozent. Doch nach einer Gewichtsadjustierung waren die Ergebnisse nicht mehr signifikant. “Der vermehrte Genuss von Milchprodukten verringerte zwar das kardiovaskuläre Risiko, aber nach Gewichtsadjustierung ebenfalls nicht signifikant”, so Dr. Rebecca Kelly, Oxford.

Kongresssplitter

  • Depressive Raucher, die nach einem Infarkt mit dem Rauchen aufhören, profitieren auch stimmungsmäßig davon.
  • Hoch-verarbeitete Lebensmittel sind ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse.
  • Der Genuss von bis zu drei Tassen Kaffee pro Tag reduziert das Risiko für Schlaganfall und fatale kardiale Ereignisse.
  • Wer in einer grünen Umgebung lebt, hat ein geringeres Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall.
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