FachkräftemangelZi-Analyse: Viele Azubis taugen nicht zur MFA

42 Prozent der Praxen und Medizinischen Versorgungszentren bilden laut einer Zi-Umfrage aus. Allerdings ist es sehr schwierig, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, so das Zi und schlägt Maßnahmen vor.

Praxen und MVZ sind gewillt, MFA auszubilden. Geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, gestaltet sich zunehmend schwierig.

Berlin. Die Ausbildungsbereitschaft von Praxen und MVZ ist hoch, stellt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) nach Auswertung aktueller Umfragedaten in Praxen und MVZ fest. Immerhin 42 Prozent der Praxen und MVZ bilden junge Menschen zu MFA aus, knapp 17 Prozent haben bereits ausgebildet – nur nicht im aktuellen Jahr. Gut 41 Prozent gaben an, kein ärztliches Personal auszubilden.

Die Zahlen stammen aus dem Zi-Praxis-Panel 2021 (Umfrage vom 10. Dezember 21 bis 31. März 22) und dem ZiMVZ-Panel (Umfrage zwischen 15. Januar und 31. Mai 22). Zum Schwerpunktthema Ausbildung flossen Angaben aus 4.535 Praxen und 230 MVZ in die Zi-Erhebung „Ausbildung von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Praxen und Einrichtungen der vertragsärztlichen Versorgung“ ein.

Azubis über persönlichen Kontakt finden

Wichtigster Grund dafür, dass Praxen nicht ausbilden, ist laut Zi-Analyse, dass keine geeigneten Bewerber gefunden werden konnten. 43,5 Prozent nannten dies als Hinderungsgrund, was wiederum den Fachkräftemangel weiter verstärkt. Etwa jede vierte befragte Praxis gab an, auf absehbare Zeit keinen Bedarf an entsprechenden Fachkräften zu sehen. Gut zehn Prozent meinten nicht auszubilden, weil sich die Praxis noch im Aufbau befindet.

Zwar landen offenbar genügend Bewerbungen in den Praxen, dennoch gestaltet sich die Besetzung von Ausbildungsstellen als äußerst schwierig. Fast die Hälfte der befragten Praxen und MVZ gaben an, dass im Schnitt nicht einmal die Hälfte der Bewerbungen je Stelle geeignet gewesen seien. Viele an einer Ausbildung interessierten Kandidaten bringen demnach zum Beispiel nicht den mindestens gewünschten Schulabschluss Mittlere Reife mit.

Bei Sozialkompetenz und Belastbarkeit hapert es oft

Wie finden Praxen/MVZ und Auszubildende zueinander? Mit knapp 60 Prozent führt der persönliche Kontakt die Liste an. Wichtiger Kanal ist auch die Agentur für Arbeit mit knapp 56 Prozent. Weiter abgeschlagen, aber immerhin noch 28,3 Prozent werden Auszubildende über die Praxiswebseite angesprochen, 27,4 Prozent nutzen Online-Portale.

17,4 Prozent suchen Azubis auch über einen Praxisaushang, Bildungseinrichtungen werden von 14,6 Prozent genutzt, der Ausbildungs-Stellenpool von Landesärztekammern von 14,4 Prozent. Job- und Ausbildungsmessen landen mit 4,2 Prozent auf dem letzten Platz.

Zu den gewünschten Qualifikationen wird von den Chefinnen und Chefs an erster Stelle die Sozialkompetenz gesehen. Kurz darauf folgt die Belastbarkeit. Als weniger wichtig werten sie mathematisch-naturwissenschaftliche Kenntnisse. Bei der Sozialkompetenz und Belastbarkeit ergeben sich im Praxisalltag aber auch die größten Lücken, die in der Ausbildung geschlossen werden müssen.

Jede dritte Praxis: Ausbildung abgebrochen

Dabei leiden Praxen zusätzlich unter häufigen Ausbildungsabbrüchen, die die Personalprobleme zusätzlich verschärfen, so das Zi. 33,2 Prozent der Praxen und MVZ gaben an, dass zwischen 2017 und 2021 Auszubildende ihre Ausbildung abgebrochen hatten. 28,4 Prozent gaben an, sogar mehrmals betroffen gewesen zu sein.

Während ihrer Ausbildung können die Nachwuchskräfte sehr gut in der Begleitung von Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, meinten knapp 75 Prozent der Befragten. Knapp 60 Prozent leisten bei der Assistenz ärztlicher Tätigkeiten ihren Beitrag. Bei der Organisation der Praxis sind es noch knapp 50 Prozent der Auszubildenden, die hier eingesetzt werden können. Gerade bei der Praxisorganisation würden sich die Chefinnen und Chefs mehr von ihren Azubis wünschen.

Ausbildungsordnung bedarf Rundumerneuerung

Damit die Auszubildenden mehr in den oben genannten Bereichen eingesetzt werden können, fehlt den Praxisteams meist die Einarbeitungskapazität. Aber auch von der Berufsschule und der Ausbildungsordnung würden sich Praxen und MVZ eine bessere Vorbereitung auf oben genannte Erfordernisse wünschen.

„Unsere Umfrageergebnisse zeigen eines sehr deutlich: Die derzeitige Ausbildungsordnung erscheint vielen Praxisinhaberinnen und -inhabern nicht mehr an die modernen Arbeitsplatzerfordernisse angepasst. Grundlagenkenntnisse und Soft Skills müssen stärker vermittelt werden, damit die Bewerberinnen und Bewerber besser auf die Tätigkeit als Medizinische Fachangestellte vorbereitet sind. Qualifikations- und Ausbildungsdefizite später ausgleichen zu müssen, belastet den Workflow in den Arzt- und Psychotherapiepraxen“, erklärt Zi-Chef Dr. Dominik von Stillfried.

Eine modulare Ausrichtung der MFA-Ausbildung könnte helfen, das dafür notwendige Qualifikationsniveau breiter und schneller zu erreichen, erklärt das Zi weiter. Der Vorschlag: Grundlagenkenntnisse sollten gezielt vertieft und in Teilen mit wählbaren Schwerpunkten kombiniert werden können, zum Beispiel im Bereich der Praxisorganisation und Digitalisierung. Darauf könnten dann attraktive Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten aufsetzen.

Praxen und MVZ finanziell unterstützen

Um dem Fachkräftemangel weiter entgegenzuwirken, seien Praxen und MVZ aber auch auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Denkbar seien beispielsweise breitenwirksame Ausbildungs- und Wertschätzungsoffensiven, so das Zi.

Um qualifiziertere Bewerberinnen und Bewerber zu erhalten, müssten Aus-und Weiterbildung aber auch besser bezahlt werden können. Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten beispielsweise einen Zuschuss zur Aus- und Weiterbildung zahlen, wenn die Krankenkassen dies in Summe, etwa als Fonds einer Qualifizierungsinitiative gegenfinanzieren würden, schlägt das Zi vor.

Die komplette Studie finden Sie unter: „Ausbildung von Medizinischen Fachangestellten (MFA) in Praxen und Einrichtungen der vertragsärztlichen Versorgung“

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