Praxis WissenKrebspatienten: Hausärzte mehr als Gesprächspartner

In der Hausarztpraxis sind Krebspatienten keine Seltenheit. Dabei sind Allgemeinmediziner nicht nur als Gesprächspartner gefragt, sondern übernehmen sehr vielseitige Aufgaben. Das erfordert eine gute Abstimmung mit Spezialisten.

Hausärzte übernehmen viele Versorgungsaufgaben bei Krebspatienten. Das ist eines der Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung von Hausärzten für das Projekt „Onkologie in der Hausarztpraxi“ der Uni Frankfurt (s. Kasten). 1.428 Fragebögen wurden in die Analyse einbezogen. Sie enthielten Fragen zur hausärztlichen Versorgung von Krebspatienten, zur Kooperation mit anderen Leistungserbringern und einige soziodemographische Angaben.

Hausärzte stehen ihren Patienten mit Krebs nicht nur als Gesprächspartner zur Seite, sondern führen auch medizinische Aufgaben aus. Das ergeben die Antworten auf die Frage: Wie häufig übernehmen Sie bei Krebspatienten, die Sie betreuen, die folgenden Versorgungsaufgaben? Für 19 Aufgaben konnten die Befragten entweder „oft“, „gelegentlich“, „selten“ oder „nie“ ankreuzen. Demnach zählen zu den häufigsten Aufgaben von Hausärzten Gespräche über die Diagnose, die Blutbildkontrolle bei Chemotherapie, die Schmerztherapie, die Organisation von ambulanten Pflegediensten und die Psychosoziale Begleitung (vgl. Tab. 1, blau gefärbt).

Hausärzte übernehmen also ein weites Aufgabenspektrum: Von praktisch-medizinischen Aufgaben über organisatorische Aufgaben bis hin zu Gesprächen. Hausärzte führen sowohl „oft“ Gespräche über Diagnose (82 Prozent), Prognose (66 Prozent) als auch über Therapieoptionen (51 Prozent). In diesem Zusammenhang halten wir eine regelmäßige Kommunikation mit den behandelnden Onkologen und Hämatologen oder Organspezialisten für unabdingbar, um Patienten nicht zusätzlich zu verunsichern. Aus der Literatur ist aber bekannt, dass es gerade daran häufig hapert [2, 3]. Daher untersuchen wir derzeit, wie diese Aufgaben trotz widriger Umstände in der Praxis umgesetzt werden können.

Hingegen kommen in Hausarztpraxen kaum die Aufgaben Portspülung, Gespräche über Sexualität des Patienten nach der Tumordiagnose, Parenterale Ernährung durchführen, Organisation psychoonkologischer Betreuung und Beratung zur Komplementärmedizin vor. Hier kreuzten die Befragten am häufigsten „nie“ an (vgl. Tab. 1, rot gefärbt). Aufgaben wie Portspülung und parenterale Ernährung decken vielleicht andere Leistungserbringer wie die Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) oder Pflegedienste ab. Die Organisation psychoonkologischer Betreuung scheitert vermutlich an der verbreiteten Unterversorgung mit Psychoonkologen. Möglicherweise kompensieren auch Hausärzte diese Aufgabe, indem sie die psychosoziale Betreuung oft selbst übernehmen (s. oben).

Im Bereich Komplementärmedizin und Sexualität nach Tumordiagnose zeigt die Literatur, dass die Bedürfnisse der Patienten bislang nur unzureichend abgedeckt sind [4-6]. Im Hinblick auf einen ganzheitlichen patientenzentrierten Versorgungsanspruch wäre gerade hier ein Ansatzpunkt für Hausärzte. Diese Aspekte sollten z.B. bei der Konzeption von Fortbildungsveranstaltungen und im täglichen Umgang mit Patienten berücksichtigt werden.

Fazit

Zusammenfassend möchten wir festhalten: Hausärzte übernehmen bei Krebspatienten wichtige Aufgaben und sind in die Versorgung eingebunden. Besonders gefragt sind Hausärzte für Gespräche – das spiegelt auch das Vertrauensverhältnis wider, das zwischen Patient und Hausarzt besteht. Allerdings gibt es einzelne Versorgungsaufgaben, die Hausärzte stärker in den Fokus nehmen könnten, zum Beispiel Beratung zu Komplementärmedizin oder Gespräche über die Sexualität nach der Tumordiagnose.

Versorgungsaufgaben wie Gespräche über Diagnose, Prognose und Therapie, die teilweise auch andere Ärzte (zum Beispiel niedergelassene Onkologen oder Krankenhausärzte) übernehmen, bedürfen einer möglichst guten Kommunikation zwischen den Beteiligten. Der Hausarzt kann so einen wichtigen Beitrag leisten, Patienten nach einer lebensverändernden Diagnose und im Verlauf der Krankheit zu begleiten.

Wir danken allen Hausärzten, die uns bei unserem Projekt bislang unterstützt haben, ganz herzlich für ihr Engagement!

Onkologie in der Hausarztpraxis

„Onkologie in der Hausarztpraxis“ ist ein Projekt am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main, das die Deutsche Krebshilfe finanziert. In 2011 und 2012 wurden qualitative Interviews mit Hausärzten zur Rolle des Hausarztes in der onkologischen Versorgung geführt [1, 7-9]. Auf Basis der Ergebnisse, Literaturrecherche und kognitiven Interviews wurde ein Fragebogen erstellt, der Anfang 2015 an 4.500 Hausärzte deutschlandweit verschickt wurde (Rücklaufquote 34 Prozent). 1.428 Fragebögen konnten in die Auswertung einbezogen werden.

60 Prozent der Teilnehmer waren männlich, 51 Prozent in einer Einzelpraxis tätig und die durchschnittliche Berufserfahrung als Hausarzt lag bei 21 Jahren (Spannweite: 0,5 bis 50 Jahre). Die Mehrheit der Hausärzte gab an, aktuell einen bis 30 Krebspatienten zu behandeln. Davon betreuten 41 Prozent einen bis 15 Krebspatienten, ein Drittel (33 Prozent) 15 bis 30 sowie 26 Prozent mehr als 30 dieser Patienten.

Aktuell führen wir qualitative Interviews mit niedergelassenen Hämatologen und Onkologen sowie onkologisch tätigen Krankenhausärzten zur Rolle des Hausarztes in der onkologischen Versorgung. Die Ergebnisse werden wir in Gruppendiskussionen mit Hausärzten besprechen. Einige Resultate werden in „Der Hausarzt“ publiziert.

Literatur

    1. Dahlhaus A, Vanneman N, Siebenhofer A, Brosche M, Guethlin C. Involvement of general practitioners in palliative cancer care: a qualitative study. Supportive care in cancer : official journal of the Multinational Association of Supportive Care in Cancer 2013; 21: 3293–3300
    1. Adams E, Boulton M, Rose P, et al. Views of cancer care reviews in primary care: a qualitative study. Br J Gen Pract 2011; 61: 173–182
    1. Ben-Ami E, Merom H, Sikron F, Livneh J, Sadetzki S, Wolf I. Involvement of the family physician in the care of chemotherapy-treated patients with cancer: patients’ perspectives. Journal of oncology practice / American Society of Clinical Oncology 2014; 10: 298–305
    1. Pihlak R, Liivand R, Trelin O, et al. Complementary medicine use among cancer patients receiving radiotherapy and chemotherapy: methods, sources of information and the need for counselling. European journal of cancer care 2014; 23: 249–254
    1. Eustachi A, Pajtler H, Linde K, Melchart D, Weidenhammer W. Patients of an interdisciplinary cancer treatment center: use of, knowledge about, and demand for CAM treatment options. Integrative cancer therapies 2009; 8: 56–62
    1. Gilbert E, Perz J, Ussher JM. Talking about sex with health professionals: the experience of people with cancer and their partners. European journal of cancer care 2014
    1. Dahlhaus A, Vanneman N, Guethlin C, Behrend J, Siebenhofer A. German general practitioners’ views on their involvement and role in cancer care: a qualitative study. Family Practice 2014; 31: 209–214
    1. Dahlhaus A, Siebenhofer A, Guethlin C. Complementary medicine for cancer patients in general practice: qualitative interviews with german general practitioners. Forschende Komplementärmedizin / Research in Complementary Medicine – Wissenschaft Praxis Perspektiven -Research Practice Perspectives 2015; 22: 36–41
    1. Dahlhaus A, Behrend J, Herrler C, et al. Abwägungssache: der hausärztliche Umgang mit gesetzlich empfohlenen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen. ZFA – Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2013; 89: 267–271
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