EBMHäufige Fehler bei Wundziffern umgehen

Bei der Abrechnung der Wundversorgung verschenken viele hausärztliche Teams bares Geld. Mit wenigen Tipps und Tricks können Sie dem einfach vorbeugen.

Wundversorgung in der Hausarztpraxis: Alltag - doch in der Abrechnung läuft trotzdem oft nicht alles optimal.

Jede hausärztliche Praxis versorgt Patientinnen und Patienten mit akuten und chronischen Wunden bis hin zu kleineren chirurgischen Eingriffen. Bei der Abrechnung werden aber immer wieder kleine Fehler gemacht, bei denen Praxisteams bares Geld verschenken oder die die Prüfungsstellen nur zu gerne aufgreifen. Im Folgenden wird auf Praxistipps zu Abrechnungsziffern fokussiert.

Die Leistungslegenden sowie Ziffern-Ausschlüsse sind im EBM (www.hausarzt.link/sx1w8) nachzulesen. Eine praxistaugliche Zusammenfassung bietet der EBM-Spicker der “Rauchenden Köpfe” (www.hausarzt.link/ebm-spickzettel).

Nutzen Sie Ihr PVS!

Mit der 02300 EBM (7,56 Euro) werden operative Eingriffe bis 5 Minuten Dauer und/oder die primäre Wundversorgung bis einschließlich zwölftem Lebensjahr abgerechnet. Tipp: Hinterlegen Sie im Praxisverwaltungssystem (PVS), dass die 02300 bis inklusive zwölf Jahre zugelassen wird. Zu schnell rutscht einem sonst die niedriger bewertete Ziffer bei Kindern doch mal in die Abrechnung.

Alternativ ist ein Suchlauf am Ende des Quartals denkbar: Damit kontrollieren Sie den Ansatz der 02302 (s.u.) oder 02301 EBM. Denn die 02301 (14,80 Euro) ist der einfacheren Wundversorgung bei Kindern und aufwendigeren Eingriffen oder primären Wundnaht/Gewebekleber ab dem 13. Lebensjahr vorbehalten.

An präoperativen Check denken

Mit der 02302 EBM (25,59 Euro) werden primäre Wundnaht/Wundkleber bei Kindern oder bei Erwachsenen Exzisionen und/oder (neben anderen im EBM aufgeführten Eingriffen) die Emmert-Plastik abgerechnet. Gerade bei planbaren operativen Eingriffen bietet es sich an, vorher eine präoperative Untersuchung durchzuführen.

Die 02300 bis 02302 EBM sind zwar nur einmalig pro Kalendertag abrechenbar, allerdings je Wunde. Versorgen Sie etwa nach einem Sturz vom Rad mehrere Wunden, so sollten Sie die Ziffern bis zu fünf Mal pro Tag ansetzen, vergessen Sie aber die ICD T01.9 (Multiple offene Wunden) oder etwa D22.9 bei mehreren Exzisionen suspekter Nävi nicht.

Tipp: Multiple Wunden dokumentieren Sie am besten immer mittels Foto in der Akte für etwaige Plausibilitätsfragen.

Debridement nur einmal nötig

Für sekundär heilende Wunden sieht der EBM die 02310 (23,58 Euro) vor. Sie erfordert drei persönliche Arzt-Patientenkontakte im Quartal, allerdings muss nur einmal die “kleine Chirurgie” bemüht werden. Tipp: Schürfwunden oder die kleine Ablederungsverletzung im Heim heilen sekundär ab, wenn Sie zumindest einmal ein Debridement toter Haut vornehmen. Die anderen Kontakte können unabhängig von der Wunde stattfinden.

Denken Sie etwa daran, bei Wunden den Tetanus-Impfschutz zu prüfen.

Nur auf Überweisung von operierenden Praxen dürfen Hausarztpraxen die 31600 EBM für die postoperative Wundbehandlung abrechnen. Nach Karpaltunnelop oder Leistenhernie lässt sich das für einmalig 17,69 Euro gut in der hausärztlichen Praxis durchführen. Merke: Falls die Überweisung ausbleibt und die chirurgische Praxis die postoperativen Kontrollen liquidiert, soll sie dies samt Fadenzug und Krankschreibung komplett übernehmen.

Die Krux an der Sache: Aus Kliniken ist keine postoperative Überweisung möglich, hier ist die hausärztliche Versorgung in der Quartalspauschale “versenkt”. Da es sich nicht um frische Wunden handelt, ist die 02300 nicht erlaubt, nur bei dokumentierter Komplikation die 02310 EBM.

Eine formale Voraussetzung, eine Genehmigung der KV, brauchen Hausärzte für die 02311 EBM (diabetischer Fuß). Mag man die Notwendigkeit von im Schnitt 100 behandelten Diabetikern im Quartal noch als nachvollziehbar erachten, ist die “Qualifikation zur Durchführung von programmierten Schulungen für Diabetiker” bei einer chirurgischen Ziffer doch fraglich.

Wer genügend Diabetiker (orientiert an der Laborausschlussziffer 32022) behandelt, sollte erwägen, die Schulungsqualifikation zu erlangen, um die mit 15,35 Euro gut bezahlte 02311 abrechnen zu dürfen. Gruppen-Schulungen müssen dafür nicht stattfinden.

Was ist Sprechstundenbedarf?

Jede KV legt in der Sprechstundenbedarfs-Vereinbarung regional fest, welche Wundverbände Praxen darüber beziehen dürfen. Oft übersehen wird, dass der Sprechstundenbedarf (SSB) nur zur Erst- und Notfallbehandlung zu verwenden ist – das gilt bundesweit.

Kommt ein Patient geplant zum Verbandswechsel, so darf die Praxis den SSB-Bestand nicht nutzen, sondern muss den Verband dem Patienten verordnen.

Merke: Ebenso dürfen über Sprechstundenbedarf bezogene Verbandsstoffe nicht für Privat- und BG-Fälle verwendet werden. Hier sind bereits Regresse bekannt geworden, wenn Praxen keine Einkaufsrechnungen für solche Fälle vorweisen konnten.

Alternative für scharfen Löffel

Ein praktisches und finanzielles Problem ist die hygienische Aufbereitung von Pinzetten und Co. Tipp: Statt eines scharfen Löffels funktioniert die stumpfe Seite eines Fadenziehmessers als günstige Alternative für das Debridement und kann als Pfennigartikel schnell entsorgt werden. Je nach örtlichen Gegebenheiten ist eine Kooperation mit Laboren und Krankenhäusern zu suchen oder auf Einmalbesteck zurückzugreifen.

Um keinen Korruptionsverdacht aufkommen zu lassen, muss man aber zu marktüblichen Preisen zusammenarbeiten.

Kochsalzlösung ist besser

Ebenso können Praxen die Beschaffung teurer Wundspüllösungen umgehen. Isotone Kochsalzlösung ist zur Wundspülung zugelassen und laut Leitlinie chronische Wunden (www.hausarzt.link/6V9e8) den beworbenen Alternativen eindeutig vorzuziehen sowie rezeptierbar.

Wer sich bezüglich der Kosten verordneter Wundverbände Sorgen macht, kann durch Eingabe von “Preis moderne Wundauflagen” in Suchmaschinen einfach Zugriff auf Übersichten und Kostenvergleiche der Wundverbände erlangen (Beispiel: www.hausarzt.link/74GV3). Hier ist klar zu sagen: Wundmanager empfehlen in der Regel die teuren Auflagen, die keinen Vorteil in der Behandlung, dafür aber eine größere Gewinnmarge für die Lieferanten bringen.

Meist finanzieren sich Wundmanager nämlich aus der Gewinnmarge.

Tipp: Das Wundmanagement ist besser in der eigenen Praxis aufgehoben. Um die Behandlungshoheit bei sich zu behalten, verordnen Sie konsequent günstige Wundverbände und qualifizieren Sie etwa Ihre MFA zur VERAH, die Sie dann bei der Wundbehandlung unterstützt. Binden Sie, falls möglich, in Heimen auch das Personal mit deren Kompetenz ein. Denn oft greifen Heime auch auf externe Wundmanager zurück.

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