Diagnose AngstWie Verhaltenstherapie wirkt

"Sie leiden unter einer Angststörung … ich empfehle Ihnen eine Psychotherapie!" Wie oft haben Sie diesen Satz in Ihrem Praxisalltag schon gesagt? Wissen Sie, wie eine Psychotherapie abläuft? Nachfolgend ein Einblick in den Prozess der modernen Verhaltenstherapie bei Angsterkrankungen anhand von 11 Modulen.

Insbesondere Hausärzte sind häufig die ersten Ansprechpartner für Patienten, die unter Angst- und Panikgefühlen leiden. Dass Angsterkrankungen eine dominante Rolle in der ambulanten Versorgung spielen, bestätigen auch die Prävalenzzahlen: Mit schätzungsweise 10 Millionen Betroffenen stellen sie die häufigste psychische Erkrankung in Deutschland dar.

Ist von hausärztlicher Seite eine Psychotherapie indiziert, wird oft eine Verhaltenstherapie empfohlen. Für sie liegt die

beste empirische Evidenz vor; sie gilt als wirksam und wird von Betroffenen im Allgemeinen gut akzeptiert.

Modul 1: Angst ist ein Gefühl

Angst ist das Grundgefühl der Psyche, das uns vor Gefahren warnt und vor Bedrohungen schützt. Doch dieses natürliche und lebensrettende Schutzsystem kann sich schnell in eine unkontrollierbare Alarmanlage mit unzähligen Fehlermeldungen verwandeln. Unabhängig davon, ob es sich um berechtigte oder irrationale

Ängste handelt, aktiviert sich in der Angst – oft blitzartig – immer ein gesamtes System. Die extreme und vielgestaltige körperliche Aktivierung ist hier ein natürlicher und realer Bestandteil der Angst. Für den Patienten stellt die Zuordnung aller physischen und physiologischen Symptome zum Angstsystem häufig eine wichtige, beruhigende Eingrenzung dar.

Modul 2: Der Nährboden der Angst

Irrationale Angst ist nicht so irrational, wie man denken mag. Einer Angststörung liegen immer reale, nicht verarbeitete, überfordernde, ängstliche Erfahrungen zugrunde. Diese Erfahrungen liefern den geeigneten Nährboden. Eine Situation, die eine gewisse psychologische Ähnlichkeit mit einer früheren Angstsituation aufweist, reaktiviert dann diese alte Angsterfahrung. Werden diese Zusammenhänge individuell herausgearbeitet, kann die aktuelle Angst mit den persönlichen biografischen Hintergründen verknüpft und verständlich gemacht werden.

Modul 3: Der Auslöser der Angst

Wer warnende Hinweise ernst nimmt, hatte immer einen Überlebensvorteil. Diesem evolutionären Mechanismus ist es zu verdanken, dass unser Gehirn eine schnelle Anpassung an Gefahren vornimmt: Unser Angstsystem weiß, dass eine Situation mit Gefahr assoziiert ist, und erinnert uns blitzartig an eine mögliche Bedrohung. Diese Erinnerungsfunktion der Angst funktioniert nach einer einfachen und nachvollziehbaren Regel, die sich jeder Betroffene verdeutlichen sollte.

Modul 4: Die Festigung der Angst

Die Vermeidung ist das Kernstück der Angststörung. Sie verdeutlicht, wie

sich eine Angst festigt und stabilisiert. Der Mechanismus ist einfach erklärt: Starke Angst wird als sehr unangenehm erlebt und so überrascht es nicht, dass nach einer Angstattacke die unangenehme Situation vermieden wird. Genau diese Vermeidung führt dazu, dass keine korrigierenden Erfahrungen gemacht werden.

Modul 5: Die Rolle der Abwertung

Für einen positiven therapeutischen Verlauf ist es unerlässlich, dass die Angst so neutral wie möglich in ihren Mustern erkannt und nicht abgewertet wird. Jede Abwertung erhöht erneut das Angstniveau. Um den therapeutischen Prozess nicht zu blockieren, müssen alle Abwertungsprozesse erkannt und korrigiert werden.

Modul 6: Die Macht der Gedanken

Die “Angst vor der Angst” kann teilweise noch größer sein als die Angst selber.

Der Angst-Betroffene nimmt das Ruder für Sicherheit und Ruhe selbst in die Hand, indem er begreift und erlebt, dass Gedanken und innere Bilder ein Gefühl auslösen können und nicht andersherum. In einer Verhaltenstherapie wird dieser Mechanismus anhand einfacher Übungen eindrucksvoll vermittelt.

Modul 7: Das optimale Zeitfenster

Eine Psychotherapie sensibilisiert für das optimale Zeitfenster der therapeutischen Veränderung: Der Betroffene spürt die Angst bereits, die Vermeidung hat aber noch nicht eingesetzt. In diesem Zeitfenster entfaltet jeder therapeutische Impuls seine maximale Wirkung.

Modul 8: Die Sogkraft der Angst stoppen

Die Verankerung stoppt mit einfachen Übungen die Sogkraft der Angst.

In der Psychotherapie werden jedem Angstpatienten einfache und effektive Übungen zur Beruhigung der Gedanken und der Atmung vermittelt. Diese wirken zugleich stressreduzierend und persönlichkeitsstärkend.

Modul 9: Starke Gefühle beherrschbar machen

Es kommt immer wieder vor, dass im Rahmen einer Angsttherapie überwältigende Gefühle auftauchen, die den Betroffenen in eine emotionale Überforderung oder sogar in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzen. Eine Psychotherapie vermittelt hier Strategien, um starke Gefühle beherrschbar zu machen.

Modul 10: Sicherheit fühlen

Das Gegenstück zur Angst – das Gefühl von Sicherheit – wird in der modernen Verhaltenstherapie wie in einem Baukasten in einzelne, klar definierte Qualitäten aufgeschlüsselt und in einem ruhigen Zustand eingeübt. Aus dieser neuen emotionalen Haltung heraus wird die Angstsituation neu beleuchtet und erfasst.

Modul 11: Die Exposition

Eine intensive und gute Vorbereitung in der Therapie bereitet den Betroffenen optimal für den zentralen Schritt der Verhaltenstherapie vor: die Konfrontation mit allen gefürchteten Angstreizen. Das Flucht- und Vermeidungsverhalten wird durch diese “Überschreibung” endgültig aufgegeben.

Fazit

In einer Verhaltenstherapie wird zunächst das Muster irrationaler Angst verständlich gemacht und mit dem eigenen Erleben verknüpft. Ist es gelungen, die im Grunde einfache und nachvollziehbare Logik der Angst offenzulegen, wirkt dies oftmals sehr beruhigend. Im nächsten Schritt werden die angstbegleitenden Gedanken korrigiert, die angsttypischen Körperfunktionen beruhigt und alle notwendigen Strategien zum Gefühlsmanagement vermittelt. Durch die Angstexposition gelingt es dem Patienten schließlich, sein altes Schutz- und Vermeidungsverhalten aufzugeben.

Literatur: Bei der Verfasserin

Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.

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