Serie Teil 3Wie gut ist der HIV-Selbsttest für zuhause?

Seit Oktober 2018 ist der HIV-Selbsttest auch in Deutschland in Apotheken und Drogerien frei käuflich. Schon nach wenigen Minuten zeigt er sein Ergebnis an. Durch die niederschwellige Verfügbarkeit soll erreicht werden, dass Menschen, die den Gang zum Arzt bisher gescheut haben, frühzeitig über ihren HIV-Status Bescheid wissen.

Seit Oktober 2018 ist der HIV-Selbsttest auch in Deutschland in Apotheken und Drogerien frei käuflich. Schon nach wenigen Minuten zeigt er sein Ergebnis an. Durch die niederschwellige Verfügbarkeit soll erreicht werden, dass Menschen, die den Gang zum Arzt bisher gescheut haben, frühzeitig über ihren HIV-Status Bescheid wissen.
Freiverkäufliche HIV Selbsttests werden gut genutzt. Im ersten Jahr nach der EInführung gingen etwa 30.000 Testkits über den Tresen© picture alliance/KEYSTONE

Der HIV-Selbsttest wendet sich an Menschen, die es für möglich halten, dass sie sich mit dem HI-Virus infiziert haben. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts lebten im Jahr 2017 in Deutschland ca. 86.000 Menschen mit HIV, von denen fast 69.000 HIV-Medikamente nahmen. Das sind immerhin 92 Prozent der diagnostizierten 75.000 HIV-Infizierten. Die Erfolgsquote der Therapie (HIV-Viruslast nicht mehr nachweisbar) liegt bei 95 Prozent.

Nach Hochrechnungen wissen jedoch mehr als 11.000 Personen – mithin jeder 8. HIV-Infizierte – nichts von ihrer Infektion und bergen damit ein Übertragungsrisiko. Bei der Hauptrisikogruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), könnte der HIV-Selbsttest gerade in ländlichen und kleinstädtischen Bereichen die Zahl der nicht diagnostizierten Fälle deutlich verringern. Das ist umso wichtiger, als es zwischenzeitlich mit der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mittels einer Fixkombination aus Tenofovir und Emtricitabin (auch bei Bedarf angewendet) ein hochwirksames Instrument gibt, das die Weiterverbreitung des HI-Virus mit hoher Sicherheit unterbindet. Das Mittel gibt es inzwischen auch als preisgünstiges Generikum und soll bald Kassenleistung werden.

Wer sollte testen – und wann?

Wie bei allen bisherigen HIV-Tests gibt es auch beim HIV-Selbsttest die problematische “diagnostische Lücke”: Erst 2 – 3 Monate nach dem Kontakt mit HI-Viren wird der Test positiv. Dieses Phänomen ist vielen Patienten nicht bekannt. Auch wird es in den Beipackzetteln der Schnelltests nicht immer ausreichend deutlich dargestellt. Daher können sich Betroffene in falscher “Sicherheit” wiegen.

Erreicht der HIV-Selbsttest seine Zielgruppe, nämlich die in Unkenntnis ihrer HIV-Infektion lebenden Menschen? Darüber gibt es bislang noch wenig Erkenntnisse.

Die frei käuflichen Tests werben mit einer Sensitivität und einer Spezifität von deutlich über 99 Prozent – eine sichere Sache also, sollte man meinen. Keine Infektion übersehen (das Drei-Monats-Fenster vorausgesetzt) – keine Fehldiagnose? Wirklich? Leider sieht die Realität anders aus (Abb. 2).

Womit wir beim entscheidenden Punkt wären. In der Gruppe der HIV-Gefährdeten, z.B. der MSM, sieht es aufgrund der höheren HIV-Prävalenz anders aus als in der Durchschnittsbevölkerung. Der Anteil der positiv Getesteten wäre deutlich höher, das Risiko einer Fehldiagnose dagegen drastisch geringer. Was wiederum bedeutet: Es kommt darauf an, die Zielgruppe(n) für den Test zu motivieren.

Gehen wir einmal von folgenden fiktiven Zahlen aus: Fünf Prozent der deutschen Bevölkerung wären MSM, also etwa vier Millionen. Von den 86.000 HIV-Infizierten wären 40.000 MSM. 1 von 100 MSM wären somit HIV-infiziert, die Prävalenz in dieser Gruppe läge also bei 1 : 100 (Abb. 3).

HIV-Test beim Arzt ist sicherer

Als Ärzte hoffen wir, dass der zuhause positiv Getestete umgehend den Weg zu uns findet und einen HIV-Test in der Arztpraxis macht. Dieser schließt neben dem ELISA-Suchtest standardmäßig auch den Westernblot-Bestätigungstest ein, der falsch-positive Ergebnisse mit einer Spezifität von 99,99 Prozent weitestgehend ausschließt. Damit können wir Gewissheit schaffen und ggf. umgehend eine entsprechende antivirale Therapie einleiten.

Fazit

Das Ziel von Arzt und Patient sollte sein, jede HIV-Infektion früh und sicher zu diagnostizieren, sofort zu therapieren und damit die Viruslast zu beseitigen. Denn wenn keine HI-Viren nachweisbar sind, ist auch keine Übertragung möglich (n = n: nicht nachweisbar = nicht übertragbar).

 

Literatur beim Verfasser

Mögliche Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert.

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