Hausarzt MedizinDemenz oder Depression?

Demenz und Depression sind nicht immer einfach zu unterscheiden. Doch es gibt einige Kriterien, mit denen sich die beiden Erkrankungen voneinander abgrenzen lassen.

Demenz und Depression sind nicht immer einfach zu unterscheiden. Doch es gibt einige Kriterien, mit denen sich die beiden Erkrankungen voneinander abgrenzen lassen.
Demenz©

Die Demenz und die Depression sind mit einer Prävalenz von je 15 Prozent die beiden häufigsten Erkrankungen bei über 65-jährigen Patienten [1]. Die Schwierigkeit besteht darin, dass sich diese Erkrankungen in ihren Symptomen oftmals überlappen: Viele Demenzformen gehen mit depressiven Symptomen einher, und bei einer Depression im hohen Alter bestehen in nicht wenigen Fällen auch kognitive Einbußen.

Hirnleistungsstörungen wurden bei dementen und auch bei depressiven Patienten untersucht. Dabei fanden sich feine Unterschiede in den Ergebnissen: Depressive sind schwierig zu motivieren, zeigen Leistungsschwankungen im Testprofil und haben keine Orientierungsstörung, vergessen in der Abfrage weniger. Demenzpatienten neigen zu erfundenen Antworten, um Gedächtnislücken zu füllen. Depressive können sich besser an die zuerst gelernten Stimuli einer Liste erinnern, Demente an die letzteren [2].

Allein wegen der Entscheidung zur Therapie sollten wir versuchen, durch eine vernünftige Diagnostik herauszubekommen, welche Erkrankung die Ursache und welche Erkrankung die Nachfolgende ist. Leidet ein Patient an einer Depression und nachfolgend an einer leichten Demenz, kann man häufig die kognitiven Fähigkeiten durch die Behandlung der Depression verbessern.

Diagnostik

Kognitive Leistungstests wie der Demenz-Detektionstest (DemTect) und der Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfassen kognitive Störungen, wobei der DemTect besonders zu Beginn einer Demenz geeignet ist und der MMST eher für den Verlauf.

Die geriatrische Depressionsskala (GDS) befasst sich mit den affektiven Symptomen und kann Hinweise auf eine Depression geben. Die verkürzte Form mit 4 Fragen reicht für das Screening zunächst aus.

Im weiteren Verlauf der Diagnostik ist individuell über den Einsatz von bildgebenden Verfahren und EEG zu entscheiden.

Nicht vergessen sollte man die Medikamentenanamnese: Benzodiazepine können eine Demenz auslösen; Antikonvulsiva führen zu reversiblen kognitiven Beeinträchtigungen und auch Antidepressiva können kognitive Beeinträchtigungen hervorrufen oder verstärken.

Definition der Depression

Depressive Symptome bedeuten nicht immer das Vorliegen einer manifesten Depression. Trauerreaktionen als Ausdruck eines physiologischen Prozesses oder organische Erkrankungen können depressive Symptome ohne Vorliegen einer Depression zeigen.

Die Hauptsymptome einer Depression sind:

  • Gedrückte Stimmung

  • Interessenverlust und Freudlosigkeit

  • Antriebsminderung und erhöhte Ermüdbarkeit

Als Zusatzsymptome können auftreten:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen

  • Vermindertes Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen

  • Schuldgefühle

  • Pessimismus

  • Suizidgedanken

  • Schlafstörung

  • Appetitlosigkeit

Je nach Anzahl der Haupt- und Zusatzsymptome unterscheidet man leichte, mittelschwere und schwere Episoden einer Depression (Tab. 1).

Echte oder eingebildete Depression?

Aber das allein hilft oft nicht weiter. In der Praxis muss unterschieden werden zwischen Menschen, die sich für depressiv halten, Patienten, die es sind, aber nicht wahrhaben wollen, und den wenigen Menschen, bei denen die Depression zu Beginn nicht ersichtlich ist.

Definition des demenziellen Syndroms

Von einem demenziellen Syndrom spricht man, wenn eine erworbene und länger andauernde Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit mindestens 6 Monate besteht.

Initiale Symptome: Das Kurzzeitgedächtnis lässt nach, außerdem nimmt die Fähigkeit zur Aufnahme, zum Speichern und zur Wiedergabe von Informationen ab.

Symptome im Verlauf: Später ist auch das Langzeitgedächtnis betroffen. Das Denkvermögen wird beeinträchtigt: Der Demente verarbeitet Informationen nur sehr langsam, das Urteilsvermögen nimmt ab. Die Betroffenen sind leichter ablenkbar, können sich schlechter konzentrieren.

Bezüglich der Therapieoptionen ist die Ätiologie der Demenz nach Möglichkeit mit einzubeziehen. Den höchsten Anteil zu 65 bis 70 Prozent betreffen die primär degenerativen Demenzen. Vaskuläre Demenzen machen mit 10 bis 15 Prozent nur einen geringen Teil aus. Gemischte Formen haben einen Anteil von 15 Prozent.

Diagnose der Demenz

Um Patienten mit Demenz adäquat helfen zu können, sollte möglichst frühzeitig eine Differenzialdiagnostik erfolgen. Demenzkranke werden häufig erst in späteren Erkrankungsstadien erfasst. Laut Welt-Alzheimer-Bericht2011 haben 50 bis 80 Prozent der Betroffenen keine formale Demenzdiagnose. Kognitive Tests sind hier sicherlich sehr gut anwendbar, allen voran der DemTect für die Erstdiagnostik.

Erwähnt werden muss, dass die Demenzdiagnostik bei pathologischem Ergebnis in Hinblick auf eine differenzialdiagnostische Abklärung weitergeführt werden sollte: Wie viele Menschen im höheren Lebensalter haben einen Vitamin-B12-Mangel oder unterliegen Medikamenteninteraktionen oder sogar eine Depression?

Unterscheidung zwischen Demenz und Depression

Demenz und Depression sind Krankheitsbilder, die uns bei der immer älter werdenden Bevölkerung zunehmend in der Hausarztpraxis begegnen. Unabhängig von den bisher genannten diagnostischen Möglichkeiten, gibt es eine Reihe von Kriterien, die eine Demenz von einer Depression unterscheiden lassen (Tab. 2).

Das Ausmaß der Diagnostik sollte vom Allgemeinzustand des Patienten abhängig gemacht werden. Sie sollte nicht nur eine therapeutische Konsequenz haben, sondern muss auch für den kranken Menschen zumutbar sein. Die Unterscheidungskriterien können dabei eine große Hilfe sein (Tab. 2).

Ob eine komplette Diagnostik unter Beachtung aller Differenzialdiagnosen immer sinnvoll ist, kann aus meiner Sicht nicht pauschal beantwortet werden. Diagnostik ist wichtig, ohne Frage, aber wir dürfen den Menschen nicht vergessen, um den es hier geht.

Letztendlich ist die Therapie einer Demenz, einer Depression oder von beidem abhängig vom Ausprägungsgrad der Erkrankung, vom Alter des Patienten und auch vom sozialen Umfeld.

Literatur bei der Verfasserin.

Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert.

Tab. 1: Episoden einer Depression

Leichte Episode

2 Haupt- und mindestens 2 Zusatzsymptome

Mittelschwere Episode

2 Haupt- und mindestens 3 Zusatzsymptome

Schwere Episode

Alle Haupt- und mindestens 4 Zusatzsymptome

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