Integrative Medizin“Evidenz nicht verkürzen”

Bei therapeutischen Entscheidungen kommt die dritte Säule, der Patientenwunsch, oft zu kurz, sagt Dr. med. Sabine Fischer, Fachärztin für Innere Medizin und Naturheilverfahren. Ein persönliches Plädoyer für mehr Integrative Medizin in der Hausarztpraxis.

Bei therapeutischen Entscheidungen kommt die dritte Säule, der Patientenwunsch, oft zu kurz, sagt Dr. med. Sabine Fischer, Fachärztin für Innere Medizin und Naturheilverfahren. Ein persönliches Plädoyer für mehr Integrative Medizin in der Hausarztpraxis.
Kurkuma wird in der Ayurveda-Medizin als Heilmittel eingesetzt.© Norbert - stock.adobe.com

In gut beforschten Medizingebieten wie der Kardiologie und Onkologie erreichen nur 11,5 oder sechs Prozentaller therapeutischen Entscheidungen die Evidenzklasse 1 [1, 2], was allein schon den Beratungsbedarf durch Hausärzte erhöht. Evidenzbasierte Medizin nur auf externe Evidenzen und dann nur die Evidenzklassen 1 a/b zu beschränken, hieße, sie zu verkürzen und zu suggerieren, dass allein auf dieser Grundlage Patienten wirksam und fair behandelt werden können. Dieser Reduktionismus auf die studientypische “Laborsituation” reicht für eine erfolgreiche Versorgungspraxis schlicht nicht aus.

Damit Patienten eine informierte Entscheidung treffen können, brauchen sie aufrichtige und umfassende Aufklärung über konventionelle und damit meist pathogenetisch orientierte sowie über komplementäre, meist salutogenetisch orientierte Therapieansätze. Das leistet Integrative Medizin: Sie stützt sich auf alle drei Säulen der Evidenz,

  • die bestverfügbare externe Evidenz aus klinischer Forschung,
  • die interne Evidenz, die ärztliche Erfahrung und Expertise, und
  • die Präferenz der Patienten, die besonders alltagsrelevant ist. [3]

Sie fußt auf ärztlicher Kompetenz in beiden Bereichen und verbindet pathogenetische und salutogenetische Therapieüberlegungen. Die Integrative Medizin ist die rationale Verbindung von konventioneller Medizin mit der ärztlich geleiteten Komplementärmedizin.

Gerade für die hausärztliche Versorgung eignet sich der integrative Ansatz besonders: Denn die meisten Hausarztpatienten erfüllen nicht die engen Einschlusskriterien, die sie mit den Teilnehmern kontrollierter randomisierter Studien deckungsgleich machen würden. Die Versorgungswirklichkeit zeigt, dass selbst exzellente Forschungsergebnisse nicht 1:1 auf den individuellen Patienten übertragen werden können, sondern immer nur eine rationale Grundlage bieten, um interne Evidenz und Patientenpräferenz zusätzlich zu berücksichtigen. Deswegen sind für Hausärzte in ihrem therapeutischen Alltag ihre Urteilskraft, ihr medizinisches Können, das sie in der Ausbildung und jeden Tag in der Praxis erwerben, unverzichtbar (interne Evidenz).

Integrativ dürfen Hausärzte ihre Therapie nennen, wenn sie im klinischen Alltag konventionelle und ärztliche Komplementärmedizin zusammenführen unter Beachtung aller drei Aspekte der Evidenz.

 

Mögliche Interessenkonflikte: Die Autorin ist Vorstandsmitglied der Hufelandgesellschaft, Präsidentin der Internationalen Ärztegesellschaft für funktionelle Proteomik, Schriftführerin der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde.

Quellen:

1. Poonacha TK, Go RS. Level of Scientific Evidence Underlying Recommendations Arising From the National Comprehensive Cancer Network Clinical Practice Guidelines. Journal of Clinical Oncology 2011 Jan; 29, no2: 186-191. DOI: 10.1200/JCO.2010.31.6414

2. Tricoci Pet al. Scientific evidence underlying the ACC/AHA clinical practice guidelines. JAMA 301(8): 831-841. DOI: 10.1001/jama.2009.205

3. Sackett D L; Evidence based medicine: what it is and what it isn´t. BMJ 1996; 312:71. DOI: 10.1136/bmj.312.7023.71

 

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