practica 2023Spirometrie in der Hausarztpraxis

Hausärztinnen und Hausärzte sind bei hartnäckigem Husten oder Atemnot meist die erste Anlaufstelle. Bei einigen Patienten kommt dann eine Spirometrie ins Spiel. Bei der practica gab es Tipps, wie diese in der Praxis richtig durchzuführen ist.

Spirometrie: Die richtige Vorbereitung ist wichtig.

“Indikationen für eine Spirometrie sind nicht nur Asthma und COPD, denken Sie zum Beispiel auch daran, bei neuromuskulären Erkrankungen wie Parkinson oder MS frühzeitig die Lungenfunktion zu messen” – mit diesem Hinweis begann Dr. Harald Mitfessel seinen Vortrag bei der practica in Bad Orb.

Weitere Indikationen seien Therapiekontrollen bei bronchopulmonalen Erkrankungen, arbeitsmedizinische Untersuchungen und – “was häufig noch ein Manko ist in vielen Krankenhäusern” – die präoperative Lungenfunktionsdiagnostik.

Relative Kontraindikationen bestünden unter anderem bei Abdomen/Thoraxoperationen (innerhalb der ersten Wochen), aber auch bei Augenoperationen wie Katarakt- oder Glaukom-und Ohrenoperationen. “Da sollte man mit dem Operateur Rücksprache halten”, erklärte Mitfessel.

Die richtige Vorbereitung

“Zunächst sollten sie, sofern sie kein Gerät mit Autokalibration haben, täglich mindestens einmal kalibrieren – auch etwas, das gerne vergessen wird.” In wöchentlichem Zyklus sei zudem die Überprüfung der Kalibrierung anhand der bekannten Lungenvolumina von gesunden Mitarbeitern sinnvoll. Im wöchentlichen Abstand sollte außerdem die Linearität des Messsystems überprüft werden.

Vor dem Durchführen der Spirometrie selbst sollte dann auf ein paar weitere Dinge geachtet werden, um den Patienten richtig vorzubereiten (mehr dazu in der Praxishilfe). “Eine Frage, die zum Beispiel immer wieder aufkommt: “Was tun mit einem Gebiss – drin lassen oder nicht?”

Die Antwort: “Eine Prothese oder ein Gebiss sollte im Mund belassen und auf dem Mundstück positioniert werden. Dieses sollte fest mit den Lippen umschlossen werden”, erklärte Mitfessel. Für eine repräsentative forcierte Exspiration müssen außerdem Reproduzierbarkeits- und Akzeptanzkriterien erfüllt sein (diese finden Sie in der Praxishilfe aufgelistet).

Wie messen bei eingeschränkter Kooperationsfähigkeit?

Bei einem gesunden Erwachsenen laufe die Messung folgendermaßen ab (mehr dazu in der Praxishilfe): “Sie lassen den Patienten aus seiner Ruheatmung erst einmal bis zum Residualvolumen ausatmen, dann atmet der Patient tief ein bis zur Totalkapazität und dann kommt die forcierte Exspiration – und bitte lassen Sie dem Patienten hier genügend Zeit, bis ein Plateau erreicht ist. Anschließend kann der Patient wieder in die Ruheatmung kommen”, fasste Mitfessel zusammen.

Bei Kindern oder Patienten mit eingeschränkter Kooperationsfähigkeit, riet er (siehe Praxishilfe): “Lassen Sie den Patienten aus der Ruheatmung hinaus erst einmal ein inspiratorisches Manöver machen. Dann folgt eine forcierte Exspiration, und anschließend ein forciertes Inspirationsmanöver.” Eine solche Messung sei beispielsweise für Kinder einfacher durchzuführen – man habe aber ein Atemmanöver mehr, so der Pneumologe.

Je nach Erkrankung zeigten sich in der Fluss-Volumen-Kurve typische Veränderungen (Beispiele für bestimmte Erkrankungen finden Sie in der Praxishilfe) “Eine Lungenfunktion wird mit einem Blick auf die Kurven bewertet, wie ein EKG”, betonte Mitfessel. “Schauen Sie erst einmal nicht auf die Werte, schauen Sie auf die Kurve.”

Wichtig für die Praxis: “Ich muss Sie grundsätzlich darauf vorbereiten, dass es die Bezeichnung MEF, also ‚Maximal exspiratorischer Fluss‘, demnächst nicht mehr geben wird. Dieser Begriff wird international angepasst an die US-amerikanische Bezeichnung FEF ‚Forced expiratory flow‘. Während sich der MEF auf das noch auszuatmende Volumen bezieht, bezieht sich der FEF auf das bereits ausgeatmete Volumen. MEF 25 entspricht also FEF 75, und MEF 75 entspricht FEF 25, das muss man im Kopf behalten”, erklärte Mitfessel.

Ein weiterer Tipp des Experten: “Das Durchführen eines Reversibilitätstests, eines so genannten Bronchospasmolysetest, sollten Sie sich sowohl bei Patienten mit Asthma als auch bei Patienten mit COPD grundsätzlich angewöhnen.”

Bei Patienten mit COPD gehe es darum, den Grad der Erkrankung zu beurteilen. “Bei Menschen mit Asthma können Sie mit der Testung erkennen, ob noch eine latente, vom Patienten selbst unbemerkte Obstruktion vorliegt und ob eine weitere Therapie nötig ist.”

Bei geschätzt 80 bis 90 Prozent der Asthma-Patienten sei das der Fall. “Die Patienten sind mit ihrem Zustand zufrieden und wollen Medikamente absetzen, tatsächlich ist die Lungenfunktion aber noch nicht gut.”

Als Richtschnur gab Mitfessel folgende Testungen an:

  • Einfache Akutreversibilitäts-Testung: 2 Hübe kurz-wirksames Beta-Mimetikum (z.B. Salbutamol, Fenoterol, alternativ Formoterol), Messung des FEV1 vorher und nach 15 Minuten; oder 160 µg Ipratropiumbromid; Messung nach 30 Minuten.
  • Maximale Akutreversibilitäts-Testung: 4 Hübe kurz-wirksames Beta-Mimetikum (z.B. 400 µg Salbutamol) und 160 µg Ipra-tropiumbromid (oder 2 Hübe Tiotropiumbromid mit Respimat); Messung nach 45 Minuten.
  • Langzeit-Reversibilitäts-Testung: 20-30 mg Prednisolon/d oral für 7-10 Tage zusätzlich zur inhalativen Therapie.

Fazit

Hausärztinnen und Hausärzte sollten nicht nur bei Asthma und COPD, sondern beispielsweise auch bei neuromuskulären Erkrankungen wie Parkinson oder MS frühzeitig die Lungenfunktion messen.

Wichtig ist, auf die regelmäßige Kalibrierung des Geräts zu achten und auf Reproduzierbarkeits- und Akzeptanzkriterien, die für eine repräsentative Messung erfüllt sein müssen.

Bereits ein Blick auf die Fluss-Volumen-Kurve weist oft auf eine bestimmte Erkrankung hin. Bei Menschen mit Asthma und COPD kann zudem ein Bronchospasmolysetest sinnvoll sein.

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