Hausarzt MedizinDer Kampf gegen das Übergewicht

Laut Robert Koch Institut sind inzwischen 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig. Bei über sechs Prozent liegt bereits eine Fettleibigkeit vor.

Bereits bei Kindern und Jugendlichen können Übergewicht und Adipositas zu kardiovaskulären, orthopädischen und psychischen Erkrankungen führen. Es handelt sich dabei also nicht nur um ein Gewichtsproblem, sondern bereits um eine ernstzunehmende Gesundheitsstörung [1].

Die Ergebnisse des Kinder- und Jugend-Surveys des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig sind, eine Adipositas liegt bei etwa 6,3 Prozent vor. Der Anteil der Übergewichtigen steigt von 9 Prozent bei den 3- bis 6-Jährigen über 15 Prozent bei den 7- bis 10-Jährigen bis hin zu 17 Prozent bei den 14- bis 17-Jährigen. Eine Adipositas haben 2,9 Prozent der 3- bis 6-Jährigen, 6,4 Prozent der 7- bis 10-Jährigen und 8,5 Prozent der 14- bis 17-Jährigen. Die Häufigkeit an Übergewicht ist von 1985 bis 1999 um die Hälfte gestiegen [1]. Neuere Daten zeigen allerdings, dass die Prävalenz von Adipositas bei jungen Kindern bis hin in das junge Schulalter stagniert, während die Zahl von Jugendlichen mit Adipositas in den vergangenen Jahren weiter zugenommen hat. Ursachen für diese Entwicklung könnten Interventionen sein, die möglicherweise Wirkung zeigen [2, 3].

Die Ursachen für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sind komplex. Neben genetischen Faktoren werden insbesondere soziale und soziokulturelle Faktoren diskutiert, die einen starken Einfluss auf das Ess- und Bewegungsverhalten in der Familie ausüben. Beispiele dafür sind veränderte familiäre Strukturen, ethnische Zugehörigkeit oder ein niedriger sozialer Status. Sie alle führen zu ungünstiger Ernährungsweise und mangelnder körperlicher Bewegung. Kommt es zu einem Missverhältnis von aufgenommener Energie zu verbrauchter Energie, mündet dies langfristig in einer vermehrten Ansammlung von Körperfett [1].

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass im Übergang vom Kindergarten zur Schule die besonders kritische Phase der Gewichtszunahme liegt [4]. Gründe dafür wiederum liegen zum einen in der Abnahme der täglichen Bewegung, zum anderen in der Zunahme des Medienkonsums. Dabei macht Fernsehen nicht nur wegen der mangelnden Bewegung dick, die mit übermäßigem Medienkonsum verbunden ist. Vielmehr ist insbesondere bei Kindern der Einfluss der Werbung auf die Gewichtsentwicklung nachgewiesen: "Mit jeder Stunde, die sie (= Siebenjährige) 1997 mehr Fernsehkonsum betrieben, lag ihr Body Mass Index 2002 um elf Prozent höher . Kinder unter fünf Jahren sehen jährlich mehr als 4.000 Werbesports für Nahrungsmittel … Und nahezu alle im Fernsehen beworbenen Nahrungsmittel sind ungesund." [5]

Eine aktuelle Studie zeigt, dass 50,7 Prozent der Eltern den Grad des Übergewichts bzw. der Adipositas bei ihren Kindern unterschätzten [6]. Die besondere Aufgabe des Familienmediziners liegt darin, sowohl bei "normalen" Kontakten als auch bei den Vorsorgen die Problematik zu thematisieren. Insbesondere die Vorsorgeuntersuchungen U8 bis U11 sollten daher zum Anlass genommen werden, die Themen Bewegung, Ernährung und Medienkonsum mit den Eltern zu besprechen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass offenbar eine reine Verhaltensprävention nicht ausreicht. Die Kombination mit einer Verhältnisprävention, die das adipogene Umfeld mit einschließt, erscheint erfolgversprechender. [7] Eine klassische Aufgabe für die Familienmedizin.

Literatur

  • [1] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

  • [2] Blüher S et al. Int J Pediatr Obes 2011;6:e199–206.

  • [3] Olds T et al. Int J Pediatr Obesity 2011;6:342–360.

  • [4] Korsten-Reck U. Dtsch Z Sportmed. 2008;59(10):223-227.

  • [5] Spitzer M. Kinder- und Jugendmedizin 2010;6:360–362.

  • [6] Lundahl A et al. Pediatrics 2014;133:1–15.

  • [7] Symposium im Rahmen der 30. Jahrestagung der Deutschen Adipositas – Gesellschaft e.V., 21.11.2014

Dr. C. Gieseking, Ausschuss Pädiatrische Versorgung des Deutschen Hausärzteverbandes

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