Studien kommentiertCOPD: Selbstmanagement hilft

Dieser Artikel ist erschienen inDer Hausarzt 20/2019Seite 52 bis 53DownloadPDF-Dokument2 Seite(n)Größe: 145,35 kBTab.: Checkliste, um das Selbstmanagement zu verbessern
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Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung erleiden Exazerabationen, ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich fortschreitend und die Krankheit verursacht Morbidität und Mortalität. Die Betroffenen leiden unter Unsicherheit, Ängsten, sich verschlechternder Gesundheit, Rückschlägen und multiplen Komorbiditäten. Weil es Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Bedürfnisse der Patienten über die medikamentöse Therapie hinausgehen, wird dem Selbstmanagement (SM) der Patienten seit einiger Zeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

SM umfasst Maßnahmen, wie Schulungen oder körperliche Übungen, die der Patient selbst organisiert. Studien zeigen, dass es für die Patienten wichtig ist, mit SM ihr Leben aktiv beeinflussen zu können und dass Betroffene, die später mit SM beginnen, vermutlich häufiger in eine Klinikeingewiesen werden.

Diese Studie untersucht an zehn Patienten mit milder bis schwerer COPD welche Bedürfnisse sie haben, welche Erfahrungen sie mit SM gemacht haben und welche von ihren Bedürfnissen angetriebenen Strategien sie entwickelt haben. Die Patienten beschreiben ihr Leben als einen hoffnungslosen Kampf gegen die Krankheit, in dem ihre Freiheit stetig schwindet und sie ständig Angst vor Atemnot haben. Die Forscher identifizierten 14 Patientenbedürfnisse, zu denen unter anderem zählt, damit umzugehen, dass COPD eine lebensgefährliche Krankheit ist, umzugehen mit der Dyspnoe und der Angst davor, Prokrastination, Verbitterung und den vielen Einschränkungen (auch finanziellen) und sich dabei eine positive Haltung zu bewahren.

Zu den acht Strategiegruppen, mit denen die Patienten ihrer Situation begegneten, zählen finanzielle Arrangements, die Hoffnung aufrecht zu erhalten, gegen Tabaksucht anzukämpfen, sich über die Krankheit zu informieren und Hilfe zu akzeptieren. Die Studie stellt darüber hinaus fest, dass wiederholte Zyklen von Dyspnoe und Angst zu schwerer Atemnot und Angstattacken führen können.

Die Autoren schließen aus ihren Ergebnissen, dass es hilfreich sein kann, die Bedürfnisse eines COPD-Patienten zu identifizieren, um sein SM zu verbessern. Sie entwickelten eine Checkliste, anhand der der Arzt ermitteln kann, welche der Bedürfnisse wie gut erfüllt sind (siehe Tab.). Auf dieser Grundlage können Patient und Arzt über Verbesserungsmöglichkeiten nachdenken.

Quelle: Psychological ill health is very common in COPD; CBT may be a key step towards improving the care of COPD patients; http://ow.ly/fb8j30onfP

Kommentar von Roland Müller-Waldeck

Die Studie hat mehrere Schwächen, so untersuchte sie nur wenige Patienten, die alle von einer Warteliste für pulmonale Rehabilitation stammen. Damit bilden sie keine repräsentative Stichprobe für den typischen COPD-Patienten, der sich seiner Krankheit gegenüber häufig sehr passiv verhält. Trotzdem gibt die Studie wertvolle Information, über welche Punkte der Arzt gerade mit diesen passiven Patienten sprechen kann, um ihre Situation zu verbessern.

Dr. Lepp, niedergelassene Lungenärztin, Mitglied der DGP, 2014/15 stellvertretende Sprecherin der Sektion Allergologie :

Frage: Was denken Sie über die Möglichkeit, das Selbstmanagement von COPD-Patienten zu verbessern und welche Maßnahmen sind Ihrer Erfahrung nach nützlich?

Viele COPD-Patienten nehmen ihren Zustand nicht gut wahr und setzen sich nur unzureichend mit der Krankheit auseinander. Hinzu kommt, dass die Patienten durch ihre Einschränkungen inaktiv werden und nur schwer dazu gebracht werden können, diese Inaktivität zu überwinden. Es ist daher allgemein sehr schwierig und zeitaufwändig, COPD-Patienten zu erreichen und sie zu Maßnahmen zu motivieren, obwohl sie dringend Unterstützung brauchen. Hinzu kommt, dass nicht alle Patienten bereit sind, sich mit ihrer Situation und möglichen Maßnahmen des SM so auseinandersetzen, wie das nötig wäre.

Der Hausarzt sollte in dieser Situation versuchen, den Patienten zu SM-Maßnahmen und entsprechenden Schulungen zu motivieren. Weil die Patienten häufig depressiv sind, ist Unterstützung durch Familie und Freunde besonders wichtig. Auch sind die Patienten oft hilfsbedürftiger als sie selber wahrnehmen, deshalb ist es wichtig, dass sie lernen fremde Hilfe anzunehmen. Der Lungensport fördert neben dem notwendigen körperlichen Training soziale Kontakte und kann den Charakter einer Selbsthilfegruppe annehmen. Auch Reha-Maßnahmen führen zum Einstieg in die Krankheitsverarbeitung, zur sportlichen Betätigung und zum Selbstmanagement.

 

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