Schlafmangel vorbeugenTipps bei kindlichen Schlafstörungen

Wenn Kinder chronische Schlafstörungen haben, belastet das auch Eltern und Geschwister. Dieser Review gibt einen Überblick über die Möglichkeiten, Schlafstörungen bei Kindern zu behandeln.

beim Zubettgehen können sich regelrecht Kämpfe zwischen Kindern und Eltern entwickeln.

Etwa 20 bis 30 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind Probleme damit hat, ein- oder durchzuschlafen und im Allgemeinen schlafen Kinder heutzutage pro Nacht etwa 70 Minuten kürzer, als noch vor 100 Jahren. Insomnie ist bei Kindern unter anderem assoziiert mit Übergewicht, Verhaltensproblemen, schlechten Schulergebnissen und schon eine Woche mit Schlafunterbrechungen führt bei Eltern unter anderem zu Problemen in der emotionalen Regulation oder der Entscheidungsfähigkeit und kann eine monatelange oder sogar jahrelange Suche nach Hilfe nach sich ziehen.

Eltern erkennen normalerweise, wenn ihr Kind beispielsweise wegen einer Krankheit kurzzeitig Probleme hat, durch- oder einzuschlafen. Halten die Schwierigkeiten jedoch über mehr als drei Monate an und treten sie in mehr als drei Nächten pro Woche auf, spricht man von chronischer Insomnie und die Eltern brauchen möglicherweise Unterstützung.

Von verhaltensbedingten Schlafstörungen spricht man, wenn das Kind die Zubettgehzeit künstlich verzögert, indem es beispielsweise eine Geschichte einfordert, auf die Toilette gehen möchte oder etwas zu Trinken erbittet. Daraus können sich regelrechte Kämpfe entwickeln, weil Kinder sehr schnell lernen, wie sie ihre Eltern dazu bringen, ihre Wünsche zu erfüllen. Wenn sich Nachbarn oder andere Familienmitglieder durch den Lärm gestört fühlen, ist es schwer, den Kindern Grenzen zu setzen und sie durchzusetzen. Setzen die Eltern jedoch keine Grenzen, werden die Kinder unweigerlich später einschlafen und zu wenig Schlaf bekommen. Nicht immer sind die Folgen der Insomnie bei Kindern leicht zu erkennen, denn müde Kinder können eher unaufmerksam oder hyperaktiv wirken als müde. Hinweise auf ein müdes Kind können sein, dass es nach dem Aufstehen nicht ausgeruht wirkt oder dass es sich nach einer schlechten Nacht tagsüber anders verhält als nach einer guten Nacht.

Schlafprobleme sollten grundsätzlich im Zusammenhang mit der Entwicklung, dem Gesundheitszustand und dem sozialen Umfeld des Kindes beurteilt werden, denn diese Faktoren können das Schlafverhalten beeinflussen. Um das Schlafverhalten eines Kindes beurteilen zu können, sollten die Eltern für mindestens eine Woche ein Schlaftagebuch führen, in dem die Zubettgehzeit, Einschlafzeit, Aufstehzeit, nächtliche Wachzeiten und Schlafzeiten tagsüber protokolliert werden.

Die Schlafhygiene verbessern

Alle Kinder können lernen, bestimmte Umgebungsbedingungen mit Einschlafen zu assoziieren: Dunkelheit, Stille oder ein allabendlicher Ritus können das sein. Wenn Kinder sich allerdings an Einschlafbedingungen gewöhnt haben, die nachts nicht mehr gegeben sind (beispielsweise Körperkontakt mit den Eltern), können sie nachts nicht mehr ohne Hilfe einschlafen.

Etwa 30 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind Einschlafprobleme hat

Auch wenn Studien zu Schlafmitteln in dieser Situation fehlen, befürworten Experten keine Hypnotika, sondern die Schlafhygiene sollte verbessert werden. Daher sind Maßnahmen für eine verbesserte Schlafhygiene die Grundlage der Behandlung. Als besonders sicher wirksam hat sich herausgestellt, immer die gleiche Abendroutine durchzuführen, im Kinderzimmer möglichst auf elektronische Geräte (ganz besonders einen Fernseher) zu verzichten und die Kinder selbstständig einschlafen zu lassen. Für andere Maßnahmen, wie geringere Koffeinaufnahme und eine leise und dunkle Schlafumgebung ist die Evidenz schwächer, aber sie stimmen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Schlafregulation überein. Als nachteilig für die Schlafhygiene hat es sich über die erwähnten Punkte hinaus erwiesen, wenn Kinder nach 21:00 Uhr ins Bett gebracht werden oder ein Elternteil anwesend ist, wenn das Kind einschläft.

Was die Eltern tun können

Grundsätzlich müssen Kinder mit verhaltensbedingten Schlafstörungen lernen, sich selbst zu beruhigen und einzuschlafen. Es gibt verschiedene Methoden dafür, die den Eltern teilweise sehr viel abverlangen:

Kontrollierte Beruhigung: Die Eltern lassen sich von den Versuchen des Kindes, die Schlafenszeit zu verzögern, nicht beeindrucken. Stattdessen bringen sie das Kind ins Bett und verlassen das Zimmer, damit das Kind einschläft. Schläft das Kind nicht ein, kommen sie in vorher festgelegten Abständen kurz zurück, um zu beruhigen. Typische Zeitabstände sind 5 bis 10 Minuten. Bevor diese Methode angewendet wird, müssen die Toleranzgrenzen der Eltern ausgelotet und das Temperament des Kindes geklärt werden.

Schreien lassen: Die Eltern bringen das Kind ins Bett und ignorieren bis zur Zeit des Aufstehens alle Versuche des Kindes, Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur wenige Eltern wählen diese Methode. Auch wenn viele Befürchtungen darüber kursieren, dass Kinder von diesen beiden Methoden Schaden davontragen könnten, gibt es aus kontrollierten Studien mit Vorschulkindern keine Hinweise darauf.

Wenn die Eltern die beiden beschriebenen Methoden nicht durchführen wollen, z.B. weil sie das Schreien ihres Kindes nicht ertragen können, gibt es die Möglichkeit des schrittweisen Rückzugs der Eltern: Wenn das Kind z.B. nur einschläft, wenn ein Elternteil neben ihm liegt, kann sich der Elternteil im ersten Schritt neben das Bett setzen und sich in weiteren Schritten immer weiter von dem Kind entfernen, bis es die elterliche Gegenwart nicht mehr braucht.

Reiz-Kontroll-Methoden: Kinder, die sich gegen das Schlafen wehren, lernen, dass Schlafenszeit mit Konflikten gleichzusetzen ist. Wenn also das Kind die Einschlafzeit auf 21:00 Uhr verzögert, verlegt man die Schlafenszeit auf 21:00 Uhr. Schläft das Kind ohne Probleme zu dieser Zeit ein, verschiebt man die Schlafenszeit in Intervallen von 15 Minuten, bis die gewünschte Zeit erreicht ist. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass das Kind immer zu etwa der gleichen Zeit aufsteht. Erfolge können grundsätzlich mit einem Belohnungssystem verstärkt werden, denn so kann das gewünschte Verhalten des Kindes erreicht werden.

Quelle:

Catherine M Hill et al: Assessment and initial management of suspected behavioural insomnia in pre-adoles-cent children. BMJ 2018;363:k3797 doi: 10.1136/bmj.k3797

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