Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)Neues aus der Neurologie

Die Betreuung von Patienten mit chronischen neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, MS oder Demenz gehört zu den alltäglichen Herausforderungen des Hausarztes. Die virtuelle Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 4.-7.11.2020 gab einen Überblick über neue Entwicklungen.

Die Betreuung von Patienten mit chronischen neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, MS oder Demenz gehört zu den alltäglichen Herausforderungen des Hausarztes. Die virtuelle Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 4.-7.11.2020 gab einen Überblick über neue Entwicklungen.
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Schlaganfall

In Deutschland erleiden jährlich 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Unbehandelt würde ein Drittel dieser Patienten versterben, ein Drittel schwere Behinderungen zurückbehalten und nur ein Drittel hätte das Glück, das Ereignis weitgehend unbeschadet zu überstehen.

Durch eine bessere Akuttherapie ist es in den letzten Jahren gelungen, die Prognose von Schlaganfallpatienten deutlich zu verbessern.

So konnte die Sterberate in den letzten 15 Jahren sogar halbiert werden. Der wesentliche Grund dafür ist die verbesserte Versorgungsstruktur durch die flächendeckende Schaffung von Stroke Units.

Dazu kommen neue Behandlungsoptionen wie die Lyse und die interventionelle Thrombektomie, die bei schweren Schlaganfällen zum Einsatz kommt, Sie ist in Einzelfällen auch noch viele Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome möglich.

In der WKE-UP-Studie konnte gezeigt werden, dass mittels moderner Bildgebung diejenigen Patienten zuverlässig identifiziert werden können, die auch nach den 4,5 Stunden noch von der Lyse profitieren.

Grundsätzlich gilt für Schlaganfall-Patienten: Time is brain! Wie wichtig der Faktor Zeit ist, zeigt das Berliner Pilotprojekt STroke Einsatz-MObile (STEMO).

Dabei handelt es sich um einen speziell für Schlaganfall-Patienten konzipierten Rettungswagen, der mit einem CT und einem Minilabor ausgerüstet ist.

Erste Erfahrungen zeigen, dass damit die Rate von Patienten, die innerhalb des 4,5-Stunden Zeitfensters lysiert werden können, um 40 Prozent gesteigert werden kann. Damit haben Patienten eine deutlich höhere Chance, den Schlaganfall völlig unbeschadet zu überstehen (Matthias Endres, Berlin).

Wissen hilft gegen Schmerzen

Bei Patienten mit Rückenschmerzen zeigt die bildgebende Diagnostik häufig auffällige Befunde, die meist nichts mit den geklagten Beschwerden zu tun haben.

Solche Zufallsbefunde, bei denen es sich um altersentsprechende Abnutzungserscheinungen handelt, findet man auch bei beschwerdefreien Menschen. Solche Befunde dienen aber nicht selten als Organmasken für ein psychosomatisches Leiden.

Jetzt konnte in einer Studie gezeigt werden, dass informierte Patienten weniger Opioide benötigen.

Im Rahmen dieser Studie wurden über 250.000 Patienten mit Rückenschmerzen, die von Hausärzten betreut wurden, gescreent.

Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Bei der Hälfte der Patienten wurden herkömmliche radiologische Befundberichte erstellt.

Bei der anderen Hälfte, die als Interventionsgruppe bezeichnet wurde, beinhalteten die Befundberichte zusätzliche Informationen zur Prävalenz solcher Abnutzungserscheinungen bzw. altersbedingen Wirbelsäulenanomalien bei gleichaltrigen Menschen ohne Rückenschmerzen.

Untersucht wurde, in- wieweit sich die Arztbesuche und die Therapie zwischen den beiden Gruppen unterschied, mit anderen Worten, ob das Wissen darüber, dass die “Anomalie” gewissermaßen normal ist, die Krankheitswahrnehmung bei den Betroffenen beeinflusste.

Verglichen wurden die Verschreibungen opioidhaltiger Schmerzmittel.

In der Interventionsgruppe wurden statistisch signifikant weniger Opioide verordnet. In der Interventionsgruppe erhielten 25 Prozent der Patienten, denen die Bildgebung erklärt und die Befunde relativiert wurden, ein Opioid, in der anderen Gruppe waren es dreimal soviel, nämlich 75 Prozent.

Das Wissen um die Harmlosigkeit der Befunde führte zu einer Entspannung und das wirkt sich auf die Schmerz-empfindung und die Psyche aus.

Fazit: Die Patientenedukation ist bereits eine wichtige Säule der multimodalen Therapie bei chronischen Schmerzen (Christoph Diener, Essen).

Vitamin D bei Drehschwindelattacken

Schwindel ist neben Kopfschmerzen eines der häufigsten neurologischen Symptome. Er kann viele Ursachen haben.

Am häufigsten, nämlich bei fast 20 Prozent handelt es sich um einen benignen peripheren paroxysmalen Lagerungsschwindel.

Dabei kommt es plötzlich und attackenartig zum Auftreten von starkem Drehschwindel, der durch Kopf- und Körperbewegungen ausgelöst wird, typischerweise beim morgendlichen Aufrichten an der Bettkante.

In Ruhe klingt die Attacke schnell ab, kann aber bei erneuter Bewegung sofort wieder ausgelöst werden.

Ursache sind Ohrsteinchen, kleinste Kalkpartikel, die normalerweise fest im Gleichgewichtsorgan verankert sind und eine sinnvolle physiologische Funktion erfüllen, d.h. sie vermitteln uns das Gefühl von der eigenen linearen Kopfbewegung im Raum.

Wenn sich ein solches Partikel ablöst und in die Bogengänge gelangt, aktiviert es fälschlicherweise die Gleichgewichtssinneszellen, so dass im Gehirn eine Drehbewegung registriert wird, obwohl sich der Körper in Ruhe befindet.

Der Schwindel klingt bei 70 Prozent der Betroffenen ohne Behandlung wieder ab, manchmal jedoch erst nach Monaten oder Jahren. Und innerhalb von 10 Jahren erleidet jeder zweite ein Rezidiv.

In früheren Studien zeigte sich, dass bei diesen Patienten oft erniedrigte Vitamin-D-Spiegel und eine erniedrigte Knochendichte nachgewiesen werden können.

Jetzt wurde im Rahmen einer randomisierten Studie der präventive Effekt einer Vitamin-D- und Kalzium-Supplementierung untersucht.

In der Interventionsgruppe war die jährliche Rückfallquote mit 37,8 Prozent signifikant niedriger als in der Kon-trollgruppe (46,7 Prozent).

Die NNT betrug 3,7, d.h. es mussten knapp vier Patienten behandelt werden, um ein Rezidiv zu verhindern (Christoph Helmchen, Lübeck).

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