InterviewCSII im Praxis-Check: Wie Ärzte und Patienten profitieren können

Eine Insulinpumpentherapie (CSII - continuous subcutaneous insulin infusion) kann Menschen mit Diabetes zu mehr Freiheit, Flexibilität und stabileren Werten verhelfen. Behandler stehen dabei immer wieder vor der Frage, ob sich der Patient tatsächlich für eine CSII eignet, welche Insulinpumpe in Frage kommt und wie sich die Therapie effizient steuern lässt. Über ihre Erfahrungen aus der Praxis berichtet Dr. Silke Otto-Hagemann im Interview.

Welche Indikationen sprechen aus Ihrer Erfahrung für CSII?

Medizinisch ist eine CSII sinnvoll, wenn der Patient mit einer ICT – also einer intensivierten konventionellen Insulintherapie – über einen längeren Zeitraum keine stabile Diabeteseinstellung erreichen konnte. Mögliche Indikationen können auch unerklärlich schwankende Werte, häufig wiederkehrende nächtliche Hypoglykämien oder in vielen Fällen auch das Dawn-Phänomen sein.

Außerdem spielt der Lebensstil eine Rolle: Wer beispielsweise als Schichtarbeiter einen unregelmäßigen Lebensrhythmus hat, dazu auch noch unter körperlicher Belastung oder schwierigen hygienischen Bedingungen arbeitet, ist für einen Wechsel vom Pen zur Pumpe prädestiniert. Darüber hinaus kommen aber auch Patienten mit ausgeprägten Symptomen durch Diabetes-Spätfolgen in Frage.

Wenn nicht mindestens eine dieser Voraussetzungen vorliegt, rate ich von einer Insulinpumpe ab. Eine strenge Kontraindikation liegt für mich hingegen vor, wenn der Patient unter psychischen Krankheiten wie zum Beispiel Schizophrenie oder auch Essstörungen leidet – hier besteht die Gefahr von Missbrauch.

Abgesehen von der Indikation – welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Patienten?

Oft fragen mich Patienten: Ist eine Insulinpumpe das Richtige für mich? Ich sehe mir dann neben medizinischen Indikationen auch den Schulungszustand und die Adhärenz an. Der Patient sollte die ICT kennen – also mit den Grundlagen des Diabetesmanagements vertraut und in der Lage sein, mindestens viermal täglich den Blutzucker zu messen und die Insulindosis selbstständig anzupassen.

Dies gehört gleichzeitig auch zu den Voraussetzungen für die Genehmigung durch die Krankenkasse. Wichtig ist, dass sich der Patient aktiv mit seinem Diabetes auseinandersetzen kann – und will. Denn eine Insulinpumpe ersetzt nicht das Denken. Wer eine Insulinpumpe möchte, muss auch bereit sein, sich schulen zu lassen.

Dabei lernt man nicht nur Einstellung und Bedienung, sondern auch mögliche Risiken wie eine Ketoazidose zu erkennen.

Inwiefern kann eine Insulinpumpe die Lebensqualität verbessern?

Insulinpumpen sind klein und einfach zu bedienen – der Patient kann damit komfortabel und diskret Insulin abgeben, ohne sich mehrmals täglich zu spritzen. Der große Vorteil: Basalraten lassen sich individuell einstellen und anpassen.

Die kontinuierliche Versorgung mit Insulin ermöglicht mehr Flexibilität und Freiheit – und damit mehr Lebensqualität: Betroffene können ihren Alltag freier gestalten, essen, wann sie möchten, spontan Sport machen.

Oder am Wochenende einfach mal ausschlafen – auch ein Wunsch vieler meiner Patienten.

Wie wirkt sich die CSII auf die Blutzuckereinstellung Ihrer Patienten aus?

Medizinisch liegt der Vorteil einer CSII darin, dass man durch eine exakte Programmierung der Basalrate den Insulinbedarf insgesamt reduzieren, eine stabilere Einstellung des Blutzuckers erreichen und Hypoglykämien besser vermeiden kann.

Auch das von vielen Patienten als besonders unangenehm empfundene Dawn-Phänomen lässt sich dadurch in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen.

Wie sich eine Insulinpumpe konkret auf die Werte auswirkt, unterscheidet sich natürlich von Patient zu Patient. Aus meiner Erfahrung lässt sich generell beobachten, dass sich der HbA1c-Wert dauerhaft um bis zu einem Prozentpunkt verbessern kann.

Was sollte eine Insulinpumpe können, damit Sie diese Ihren Patienten empfehlen?

Einfach, klein und flexibel muss sie sein. Je leichter und intuitiver die Handhabung ist, umso zufriedener sind die Nutzer. Das Display muss gut lesbar sein. Viele schätzen Geräte mit vorgefüllten Insulinampullen, auch weil es sicherer ist, wenn weniger Luftblasen in der Ampulle sind.

Ganz wichtig: Der Schlauch darf nicht abknicken – Sicherheit hat oberste Priorität. Für Flexibilität sorgt die Möglichkeit, Basalraten und Boli individuell und namentlich zu programmieren.

Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist: Weil man die Pumpe so nah am Körper trägt, schätzen viele meiner Patienten ein ergonomisches Design mit abgerundeten Ecken.

Welche Vorteile hat eine Insulinpumpentherapie für Sie als Behandler?

Am wichtigsten für mich sind zufriedene Patienten. Wenn sich ihre Werte und ihre Lebensqualität verbessern, dann habe ich die richtige Therapieeinstellung für sie gefunden. Vor diesem Hintergrund ist es hilfreich, wenn ich möglichst einfach und schnell die Zusammenhänge zwischen Glukose- und Insulindaten erkennen kann.

So kann ich die Datenlage sofort überblicken, erhalte Hinweise auf mögliche Anwendungsfehler bei der Insulingabe und kann nötige Therapieanpassungen mit dem Patienten direkt anhand der Auswertung besprechen.

Das bedeutet für mich weniger manuelle Arbeitsschritte, eine effiziente Therapiesteuerung und eine gesteigerte Adhärenz meiner Patienten durch besser nachvollziehbare Therapieentscheidungen.

Was sind die häufigsten Anwendungsfehler, die Sie bei ihren Patienten beobachten?

Die meisten meiner Patienten kommen nach einer kurzen Schulungs- und Eingewöhnungsphase gut mit ihrer Insulinpumpe zurecht. Was mir allerdings häufiger begegnet: Sie schöpfen das Potenzial ihrer Pumpe nur unzureichend aus.

Beispielsweise bietet Accu-Chek Insight einen Multiwave-Bolus, der einen Teil der Bolusmenge sofort und den anderen über einen festgelegten Zeitraum verzögert abgibt. Dies ist unter anderem bei fett- und kohlenhydratreichen Mahlzeiten ein probates Mittel, das eine gute Einstellung unterstützt.

In der Auswertung sehe ich dann allerdings, dass Patienten diese Option nur zögerlich einsetzen und stattdessen zu häufig in die Basalrate eingreifen und wiederholt Standard-Boli in zu kurzen Abständen abgeben.

So entsteht eine Kombination aus Boli und Basalrate, die nicht mehr dem natürlichen Rhythmus entspricht – eigentlich die große Stärke der CSII. Das ist dann für mich ein idealer Aufhänger für das Gespräch mit dem Patienten, um die Therapieergebnisse weiter zu verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch.

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