Coronatests für Reiserückkehrer“Urlaubs-Tests” stiften neues Chaos in der Praxis

Die Ankündigung, dass sich Reiserückkehrer kostenfrei auf das Coronavirus testen lassen können, ist in der Welt – und damit kommen erste Anfragen in Hausarztpraxen auf. Weil das Gesundheitsministerium aber noch an der konkreten Ausarbeitung arbeitet, bleibt Ärzten nur eine Option: Sie müssen Patienten zunächst zurückweisen.

Die Ankündigung, dass sich Reiserückkehrer kostenfrei auf das Coronavirus testen lassen können, ist in der Welt – und damit kommen erste Anfragen in Hausarztpraxen auf. Weil das Gesundheitsministerium aber noch an der konkreten Ausarbeitung arbeitet, bleibt Ärzten nur eine Option: Sie müssen Patienten zunächst zurückweisen.
Corona-Test nach der Rückkehr aus dem Mallorca-Urlaub? Entgegen der Ankündigung ist dies bislang in fast allen Ländern noch eine Privatleistung.© forestpath - stock.adobe.com

Berlin. Die Ankündigung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, dass sich künftig alle Reiserückkehrer kostenfrei auf das Coronavirus testen lassen können, hat in Hausarztpraxen für einen neuen Quell der Verwirrung gesorgt. Verstärkt werden dürfte dies durch die Ankündigung einer Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Denn während die neuen Testregeln und -vorgaben für Reiserückkehrer nach der entsprechenden Berichterstattung in der Welt sind, sind die Test-Strategien der Länder bislang noch nicht angepasst. “Im Bundesgesundheitsministerium wird derzeit mit Hochdruck an der Ausarbeitung der Bund-Länder-Beschlüsse vom Freitag gearbeitet”, teilte eine Sprecherin gegenüber “Der Hausarzt” am Montag (27. Juli) mit. Dabei gehe es vor allem um die Anpassung der Teststrategie. “Diese Ausarbeitung dauert derzeit an.”

Diese Schere bekommen wohl am deutlichsten Hausärztinnen und Hausärzte in ihren Praxen zu spüren. Zur Erinnerung: Während Urlauber aus Risikogebieten direkt an den Flughäfen getestet werden sollen – hierfür haben viele Flughafen-Teststellen bereits am Wochenende die Arbeit aufgenommen -, sollen Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten innerhalb der ersten 72 Stunden nach ihrer Rückkehr „außerhalb von Flughäfen“ Hilfe finden, also bei Gesundheitsämtern oder in Praxen, so die Ankündigung vom Freitag.

Erfahrungsberichte aus ganz Deutschland zeigen: Bereits am Montag haben sich erste Rückkehrer bei Hausärztinnen und Hausärzten gemeldet – die diese jedoch, entgegen der anders lautenden Medienberichte, auf einen Coronatest als Privatleistung hinweisen mussten.

Das bestätigen auch einzelne Kassenärztliche Vereinigungen (KV) auf Anfrage. In Schleswig-Holstein etwa heißt es ganz deutlich, dass der Abstrich nach einer Reiserückkehr zunächst Privatleistung bleibt, ebenso in Niedersachsen. Auch einzelne Gesundheitsämter verweisen darauf, dass noch keine Regelung angepasst worden sei.

Bundesweite Regelung “angestrebt”

Sprich: Die Ankündigung steht – mitten in der Ferienzeit – im Raum, die Handhabung und Abrechnung in der Praxis jedoch ist bislang noch nicht flächendeckend geklärt. Von besonderer Bedeutung ist dies mit Blick auf die Urlaubsregionen. Denn die Liste der vom Robert Koch-Institut (RKI) als Risikoländer eingestuften Nationen zählt Stand 24. Juli zwar 125 Nationen – die meisten europäischen Lieblingsziele wie Spanien jedoch sind nicht aufgeführt, weshalb gerade Tests für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten gefragt sein dürften.

An welchen Stellen es eine bundesweite Regelung für diese Tests geben wird, blieb zu Wochenbeginn offen. “Eine einheitliche Anpassung der nationalen Teststrategie wird schon im Bundes-Länder-Beschluss vom Freitag angestrebt”, teilt zwar die Sprecherin des Ministeriums mit. Gleichwohl sei die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) “derzeit nicht involviert“, wie Sprecher Dr. Roland Stahl auf Anfrage mitteilt. Er erinnert an die vertraglichen Vereinbarungen innerhalb der Bundesländer unter Federführung der Landesregierungen unter Einbindung von KVen und Gesundheitsämtern.

Auch an anderen Stellen hakt es übrigens bei der Umsetzung: So wird es am größten deutschen Flughafen in Frankfurt zunächst keine kostenlosen Corona-Tests für Auslandsurlauber geben. Der Flughafenbetreiber Fraport verwies am Montag erneut auf ungeklärte Fragen etwa zur Trägerschaft und Kostenübernahme.

Testpflicht für Risiko-Einreisende soll nächste Woche kommen

Unterdessen legt Gesundheitsminister Spahn nach und will eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Spahn teilte die Pläne seinen Amtskollegen aus den Bundesländern in einer Schaltkonferenz mit, hieß es am Montag (27. Juli). Grundlage der Testpflicht ist demnach eine Regelung des Infektionsschutzgesetzes.

Sie bezieht sich auf eine epidemische Lage von nationaler Tragweite, die der Bundestag für Corona festgestellt hatte. Damit kann das Bundesministerium Personen, die nach Deutschland einreisen und die wahrscheinlich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren, verpflichten, sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Die entsprechende Verordnung soll voraussichtlich in der nächsten Woche in Kraft treten.

Nur Bayern hat “Test für jedermann”

Allein in Bayern, wo die bislang mit Abstand “großzügigste” Testvereinbarung besteht, dürfte der “Urlaubs-Test” als Kassenleistung, ganz gleich ob bei einer Einreise aus einem Risiko- oder einem Nicht-Risiko-Gebiet, kein Problem sein. Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) haben darüber hinaus bereits rund 1500 Menschen das seit dem Wochenende bestehende Angebot eines Gratis-Tests an einem Flughafen im Land angenommen.

In anderen Ländern, Bremen etwa, ist der Test nur bei einer Einreise aus einem Risikogebiet Kassenleistung. Gleiches stellte auch die KV Berlin am Montag klar. Die Vereinbarung gelte nicht für alle Rückkehrer aus allen Ländern, stellte sie nach “einer irreführenden Berichterstattung der vergangenen drei Tage” und “zahlreichen Anfragen von Rückkehrern bei der KV Berlin und in den Arztpraxen” klar.

Sobald die Vorbereitungen in den Praxen abgeschlossen sind – dies sei für Mitte der kommenden Woche, spätestens 3. August geplant – können Rückreisende aus Risikogebieten nach telefonischer Voranmeldung in allen teilnehmenden Vertragsarztpraxen eine Testung auf SARS-CoV-2 durchführen lassen. “Als Berechtigung genügt die Glaubhaftmachung durch den Patienten, dass er aus einem Risikogebiet eingereist ist.”

Wichtig: Die Teilnahme an der Vereinbarung mit der Senatsverwaltung, die seit Freitag unterschrieben vorliegt, ist für die Berliner Praxen freiwillig.

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