Telematik-Infrastruktur (TI) Telekom stellt Konnektor-Bau ein

Die Telekom wird ihren Konnektor für die Telematikinfrastruktur (TI) nicht mehr weiter produzieren: Die Lagerbestände seien ausreichend, der Markt gesättigt. Mindestens 10.000 Ärzte haben die Hardware schon in Betrieb. Was bedeutet die Veränderung am Markt für sie?

Die Telekom wird ihren Konnektor für die Telematikinfrastruktur (TI) nicht mehr weiter produzieren: Die Lagerbestände seien ausreichend, der Markt gesättigt. Mindestens 10.000 Ärzte haben die Hardware schon in Betrieb. Was bedeutet die Veränderung am Markt für sie?
Die Produktvielfalt sinkt: Der Telekom-Konnektor (Mitte links) soll künftig nicht mehr hergestellt werden.© Jana Kötter

Berlin. Die Deutsche Telekom zieht sich zumindest in Teilen aus dem Geschäft mit der Telematikinfrastruktur (TI) zurück: Das Unternehmen werde künftig keine Hardware-Konnektoren mehr herstellen, erklärte es auf Nachfrage von „Der Hausarzt“ nach entsprechenden Medienberichten am Dienstag (5. November). „Die Frage nach einer Fortführung der Produktion stellt sich aus unserer Sicht derzeit nicht“, sagt Unternehmenssprecher Dirk Becker. Die Nachfrage der Praxen, die in den vergangenen Monaten deutlich gesunken sei, könne durch die Lagerbestände gedeckt werden.

Laut E-Health-Gesetz müssen sich alle rund 150.000 Praxen in Deutschland an die TI anschließen. Nach Angaben der Gematik ist dies bei derzeit rund 115.000 ärztlichen und zahnärztlichen Praxen bereits geschehen; viele Praxen, die bislang noch nicht angeschlossen sind, werden als „TI-Verweigerer“ wohl auch die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) anvisierten Honorarabzüge von 2,5 Prozent in Kauf nehmen, schätzen Beobachter. Der Markt für neue Konnektoren gilt damit als gesättigt.

Verbaut ist der Telekom-Konnektor in mindestens 10.000 Arztpraxen – so viele hatten sich Stand Frühjahr für den Anbieter entschieden, erfuhr „Der Hausarzt“ am Rande der IT-Messe DMEA. Mit offiziellen Zahlen zu Installationen und Bestellungen hielt sich die Telekom aus „wettbewerbstechnischen Gründen“ stets zurück. Auch aktuell bestätigt Telekom-Sprecher Becker nur Verkäufe „im fünfstelligen Bereich“.

Für ihre Telematik-Kunden gibt die Telekom dabei Entwarnung. „Sie erhalten weiter die bestellten Leistungen von uns“, erklärt Becker. Dieses Versprechen gelte, „bis irgendwann keine Konnektoren mehr nötig sind“ und umfasse explizit das bald anstehende Update auf den sogenannten „E-Health-Konnektor“, der beispielsweise für die ab 2021 in der Praxis vorgesehene E-Patientenakte zwingend erforderlich ist. Sprich: Ärzte müssen kein zweites Gerät eines anderen Herstellers kaufen – dies wäre wohl der  denkbare „Worst Case“ gewesen. „Ärzte werden darüber hinaus auch neue künftige Anwendungen – wie beispielsweise den E-Medikationsplan oder die elektronische Patientenakte – nutzen können, sobald diese verfügbar sind“, sagt Becker zu.

Per Update zum „E-Health-Konnektor“

Dieses Versprechen ist für Ärzte bedeutsam. Denn: Im Verlauf des Jahres müssen sie sicherstellen, einen Konnektor der neuen Generation, den sogenannten „E-Health-Konnektor“, in ihrer Praxis zu haben. Dieser ist zwingend erforderlich für medizinische Anwendungen der TI wie Notfalldaten und E-Medikation, aber auch für die elektronische Patientenakte – und diese soll ab 1. Januar 2021 Pflichtleistung im Angebot gesetzlicher Kassen sein.

Der Weg zum „E-Health-Konnektor“ führt über ein entsprechendes Update. Bisher kann der Konnektor lediglich die Versichertenstammdaten abgleichen. Erst letzte Woche hatte Dr. Thomas Kriedel, für die Digitalisierung zuständiges Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), daher an die Industrie appelliert, die Konnektoren-Updates für die E-Akte rechtzeitig vor dem Ausrollen 2021 zur Verfügung zu stellen.

Die Compugroup als TI-Marktführer hatte als nach eigenen Angaben erster Hersteller bereits im August die Zulassung für einen solchen „E-Health-Konnektor“ beantragt.

Auch nach der jüngsten Telekom-Meldung erinnerte KBV-Sprecher Dr. Roland Stahl gegenüber „Der Hausarzt“ an die Notwendigkeit einer für Ärztinnen und Ärzte kostenfreien Lösung für den Weiterbetrieb. KBV und KVen seien über die Änderung der Telekom-Strategie nicht im Vorfeld informiert gewesen.

Markt war von vornherein beschränkt

Für Ärzte, die für den TI-Anschluss ihrer Praxis noch keine Komponenten bestellt haben, schrumpft der Markt mit der neuesten Entwicklung von bislang vier auf drei aktive Produzenten von Konnektoren. Telekom-Konnektoren können weiter bestellt werden, bis die Lagerbestände abverkauft sind. Compugroup, Arvato/Secunet sowie der österreichische Hersteller RISE produzieren zunächst weiter.

Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass auch andere Anbieter der Telekom folgen und zumindest die Produktion neuer Geräte irgendwann einstellen werden. Denn der Konnektor-Markt war von Anfang an begrenzt: Für Vertragspraxen werden etwa 150.000 Konnektoren benötigt – laut KBV sind diese fast komplett angeschlossen –, für die Kliniken 3.000 bis 4.000 sogenannte Rechenzentrums-Konnektoren. Danach jedoch ist der Bedarf gedeckt. 

Denn für einen internationalen Einsatz sind die eigens für das deutsche Gesundheitswesen entwickelten Konnektoren nicht geeignet. Die Compugroup hat letzten eigenen Zahlen zufolge mehr als 55.000 Praxen angeschlossen, für Arvato/Secunet werden mindestens 45.000 Kunden aufgerufen, Telekom und RISE wären demnach im niedrigen fünfstelligen Bereich verblieben.

Zur Erinnerung: Lange genug hatten Ärzte auf die Marktvielfalt nach immer neuen Lieferschwierigkeiten der Industrie warten müssen. Erst im Juni und damit ein halbes Jahr und 30.000 angeschlossenen Kunden nach dem Marktstart der Compugroup hatte die Telekom als zweiter Anbieter die Zulassung der Gematik erhalten.

Weg von Ärzten, hin zu Patienten?

Dabei zieht sich die Telekom explizit nicht ganz aus dem TI-Markt zurück. „Künftig soll auch der Patient Möglichkeiten erhalten, auf seine Daten zuzugreifen“, erinnert Unternehmenssprecher Becker. „Wir verfolgen die Bewegungen im Markt aufmerksam mit und wollen ihn mitgestalten. Nach ersten Überlegungen für alternative Zugangswege zu Patientendaten denken wir in Richtung zukünftiger Lösungen nach.“ Der Prozess sei jedoch noch in einem „sehr frühen“ Stadium.

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