SteuertippsWelcher Steuerberater passt zu mir?

Viele Praxischefinnen und -chefs stellen sich bei der Wahl eines Steuerberaters die Frage: Wie finde ich den richtigen Steuerberater, welche Kriterien spielen eine Rolle? Einige Tipps, worauf Sie achten sollten und wie Sie vorgehen können.

Jede Praxis muss einmal jährlich einen Jahresabschluss erstellen.

Vor der Wahl des Steuerberaters sollten sich Ärztinnen und Ärzte die Frage stellen: Welche Erwartungen habe ich an die Beratungsleistung? Die Basisarbeit einer Steuerberaterkanzlei ist dabei grundsätzlich immer die gleiche: Jede Praxis muss einmal jährlich einen Jahresabschluss erstellen. Monatlich kommen die Gehaltsabrechnungen der Mitarbeitenden hinzu.

Zur Herleitung des Jahresabschlusses oder auch aus umsatzsteuerlichen Gründen wird zudem eine Finanzbuchhaltung erstellt; also die Verbuchung der laufenden Einnahmen und Ausgaben.

Wer an einer kostengünstigen Erledigung der Basisarbeit interessiert ist, der kann seine Wahl nach dem Honorar auslegen. Das orientiert sich bei Steuerberatern zwar grundsätzlich an der Steuerberatervergütungsverordnung. Trotzdem kann es unterschiedlich hoch ausfallen.

Wer die laufenden Praxiszahlen allerdings als Controlling-Tool und Entscheidungsgrundlage, also betriebswirtschaftlich, nutzen möchte, der ist mit einem spezialisierten Berater besser aufgestellt. Denn die eigentliche Beratung und das Controlling beginnen bei der Basis: der Finanzbuchhaltung. Diese sollte so aufgebaut werden, dass eine laufende Analyse der Praxiszahlen möglich ist und beginnt bei der differenzierten Verbuchung der Einnahmen und Ausgaben.

Ist Benchmarking gewünscht?

Wenn die laufenden Instandhaltungs- und Wartungskosten für Praxisgeräte getrennt von den restlichen Instandhaltungskosten, etwa für Räume, verbucht werden, kann man die Entwicklung dieser Kosten beobachten. Sofern die laufenden Kosten für ein steuerlich abgeschriebenes Gerät stetig steigen, könnte eine Reinvestition wirtschaftlich sinnvoll sein.

Mit Blick auf die Umsatzentwicklung kann dann entschieden werden, ob das neue Gerät mit Eigenkapital gekauft, geleast oder finanziert wird.

Ein weiteres wichtiges Thema für Praxen: Benchmark. Also der Vergleich der eigenen Praxis mit anderen oder vergleichbaren Praxen. Damit Praxen vergleichbar sind, müssen die Ausgangsdaten, also die Finanzbuchhaltung, gleich aufgebaut sein.

Spezialisierte Berater haben in der Regel in der eigenen Mandantschaft Praxen, die für einen anonymisierten Vergleich geeignet sind. Bei auffälligen Abweichungen kann der Steuerberater beraten und gegebenenfalls Maßnahmen zur Optimierung vorschlagen.

Neben steuerlichen Aspekten gibt es sehr viele betriebswirtschaftliche Bereiche, in denen besonders ein spezialisierter Berater Anregungen geben kann. Dies beginnt schon bei der Niederlassung. Der Steuerberater kann dabei unterstützen, einen Finanzbusinessplan zu erstellen und die Frage beantworten, ob der Kauf einer Praxis oder die Neugründung für den Existenzgründer wirtschaftlich sinnvoll ist.

Diese Planung hilft auch bei der Finanzierung und in den Gesprächen mit den Banken. Generell unterstützen jährliche Planungen bei der kontrollierten Entwicklung der Praxis. Die Planzahlen kann man in der monatlichen betriebswirtschaftlichen Auswertung der Finanzbuchhaltung (BWA) mit den Ist-Zahlen abgleichen und so Abweichungen frühzeitig erkennen, hinterfragen und ggf. gegensteuern.

Finanzplanung bei Umzug & Co

Im Laufe der Zeit kann es zu Veränderungen kommen, wie ein Umbau oder gar ein Umzug der gesamten Praxis. Hierfür ist eine solide Finanzplanung Voraussetzung. Die Ärztin oder der Arzt muss wissen: Wieviel Liquidität ist nötig, um allen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen – auch im privaten Bereich.

Wenn man auf das Ende einer Praxisphase schaut, gibt es ebenfalls Themen, bei denen ein Steuerberater unterstützen kann, so zum Beispiel beim Praxisverkauf. Hierzu wird als Diskussionsgrundlage mit potenziellen Käufern eine Wertfindung für die Praxis benötigt.

Was für den Abgeber gilt, gilt genauso für den Übernehmer. Hier ist es wichtig, die Zahlen der Praxis richtig zu interpretieren, einzuschätzen und zu werten. Ärzte sollten nachfragen, über welche Erfahrung der Steuerberater hier verfügt.

Welche Rechtsform macht Sinn?

Nicht immer ist es gleich der Verkauf, manchmal steht auch die Aufnahme eines Praxispartners an. Was sich erstmal simpel anhört, beinhaltet aber viele Themen, die zu beachten sind. Zum einen gibt es steuerliche Besonderheiten, wie man den Partner aufnimmt.

Die Kaufpreiszahlung für einen Anteil an der Praxis in den privaten Bereich wird steuerlich anders behandelt als die Kaufpreiszahlung auf das gemeinsame Praxiskonto, wovon dann Reinvestitionen getätigt werden. Daneben stehen Themen an wie die “gerechte Gewinnverteilung” oder die “gerechte Abfindung” beim Ausscheiden eines Partners.

Bei Zusammenschlüssen von Ärzten ist unter anderem stets das Vertragsarztrecht zu beachten. Steuerberatern ist es nicht gestattet, Verträge zu erstellen oder rechtlich zu beraten. Dennoch sollten natürlich Kenntnisse des Berufsrechts vorhanden sein, um zu beurteilen, ob die gewollte Umsetzung grundsätzlich funktionieren kann oder nicht. Bei der Erstellung von Verträgen ist es wichtig, dass ein spezialisierter Anwalt beteiligt ist.

Manchmal wünschen sich Ärzte eine MVZ GmbH. Hier sollte man im Vorfeld besprechen, worin der tiefere Sinn darin sein soll. Oft kann auf die Gründung verzichtet werden, weil die gewünschten Veränderungen in der bestehenden Rechtsform genauso gut umgesetzt werden können. Falls doch eine MVZ GmbH gegründet wird, ist man bei einem spezialisierten Steuerberater und dessen Netzwerk besser aufgehoben.

Bei der Wahl eines Steuerberaters ist also zunächst einmal wichtig zu schauen: Was erwartet die Ärztin oder der Arzt vom Steuerberater? Diese Erwartungen sollten im Vorfeld offen kommuniziert werden. Danach empfiehlt es sich, einen “Fahrplan” zu erstellen, um die gewünschten Themen konkret umzusetzen. Dabei hat es sich bewährt, mit einigen wenigen Themen zu beginnen, wie zum Beispiel: Controlling oder die Etablierung von individuellen Gesundheitsleistungen.

Fazit

Sie sollten in Zusammenarbeit mit Ihrem Steuerberater mit einem guten Gefühl, ohne negative steuerliche und betriebswirtschaft- liche Überraschungen sicher und erfolgreich durch die Jahrzehnte der Praxisarbeit gehen. Bei Beendigung Ihrer Berufstätigkeit sollten Sie vermögensmäßig und auch im Hinblick auf Ihre Alters- versorgung gut dastehen. Diese Ziele sollte ein spezialisierter und umsichtiger Steuerberater zusammen mit Ihnen erreichen

Möglicher Interessenkonflikt: Der Autor ist auf die Beratung von Gesundheitsberuflern spezialisiert.

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