PraxismanagementBarrierefreiheit lässt sich auch nachträglich erreichen

Fahrstuhl und Rollstuhlrampe gehören natürlich zu einer barrierefreien Praxis. Ist es damit getan? Natürlich nicht. Echte Barrierefreiheit erfordert mehr, als bauliche Voraussetzungen für gehbehinderte Patienten zu schaffen.

Barrierefreiheit in einer Arztpraxis lässt sich auch nachträglich mit zum Teil einfachen und preisgünstigen Mitteln herstellen.

Barrierefreiheit ist ein wesentlicher Aspekt einer Gesellschaft, die allen Menschen Teilhabe ermöglicht. Um diese bauseits zu verbessern, hat die Europäische Union im August 2021 erstmals eine europäische Barrierefrei-Norm herausgebracht.

Die DIN-Norm formuliert Ziele, funktionale Mindestanforderungen und Empfehlungen zum barrierefreien Bauen für Neubauten, Sanierungen und Umbauten und will so einem möglichst großen Personenkreis eine gleichberechtigte und sichere Nutzung von Gebäuden ermöglichen.

“Alle Menschen haben ein Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben und an der Gesellschaft”, so das Deutsche Institut für Normung. “Die Barrierefreiheit der gebauten Umwelt ist eine wichtige Voraussetzung, damit auch Menschen mit Behinderung und ältere Personen dieses Recht wahrnehmen können.”

Dr. Catharina Escales aus Hamburg zeigte beim IhF-Kongress auf, mit welchen Maßnahmen sich Barrierefreiheit in einer Arztpraxis auch nachträglich mit zum Teil einfachen und preisgünstigen Mitteln herstellen lässt. “Mir geht es darum, für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren, denn über viele Aspekte denken Menschen ohne Einschränkungen nicht nach”, so Escales.

Beispiel Rollstuhlfahrer: Öffnen sich Türen automatisch, nach innen oder außen? Haben die Anmeldung und die Behandlungszimmer einen Bereich, in dem Rollstuhlfahrer dem Praxispersonal von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen? Ist der Tresen unterfahrbar? Ist im Wartezimmer ein Platz ohne Stuhl für den Patienten im Rollstuhl eingerichtet?

Barrierefreiheit nützt mehr Menschen, als man vermutet

“Es muss nicht alles und nicht alles auf einmal realisiert werden und es ist nicht jede Maßnahme in jeder Praxis erforderlich”, betonte Escales. Barrierefreie Lösungen könnten ganz unterschiedlich aussehen. “Es gibt nicht die perfekte barrierefreie Praxis. Es kann auch wichtig sein, Schwerpunkte zu setzen, die die Bedürfnisse dieser Patientenklientel im Blick haben.”

Patienten sei das “Wie” oft wichtiger als die Inhalte selbst. Einfache Kommunikationshilfen und eine gute Logistik seien preiswert und entlasteten in der Regel das gesamte Praxisteam. Das wiederum spüren Patienten unmittelbar. “Kommunikation ist nicht nur für Menschen mit Einschränkungen der Hauptgrund, sich in einer Praxis wohl zu fühlen.”

Wie kann Barrierefreiheit vor und in der Praxis aussehen?

Im Eingangsbereich:

  • Stufenlos erreichbarer Eingang ohne Hindernisse am Wegrand
  • Klare, lesbare Beschilderung, taktile Hinweise
  • Klingel und Gegensprechanlage in erreichbarer Höhe
  • Elektrische oder leichtgängige Türen
  • Farbliche Markierungen

Im Treppenhaus:

  • Helle Beleuchtung
  • Handlauf auf beiden Seiten des Treppenaufgangs
  • Stufenrandmarkierungen, Anti-Rutsch-Leisten
  • Rutschfester Boden
  • Fahrstuhl
  • Übersichtliche, klare Beschilderung
  • Im Aufzug:
  • Ausreichende Beleuchtung
  • Handlauf
  • Mindestbreite, Wenderadius für Kinderwägen und Rollstühle
  • Auch für sitzende Personen erreich-bare Armaturen
  • Lesbare Zahlen und Schilder, taktile Gestaltung
  • Keine Musik, Ansagen und Leuchthinweise auf erreichtes Stockwerk

Im Empfangsbereich:

  • Gute Beleuchtung
  • Taktile Wege
  • Rutscharmer Boden
  • Griff zum Festhalten, Stockhalter
  • Abgesenkter, unterfahrbarer Tresen
  • Sitzgelegenheit
  • Reizarme, ruhige Umgebung
  • Garderobe in zwei Höhen
  • Fest installierte Induktionsschleife

Im Wartezimmer:

  • Helle Beleuchtung
  • Unterschiedliche Sitzgelegenheiten mit und ohne Armlehne in unterschiedlicher Höhe
  • Verzicht auf scharfe Kanten, Glastische
  • Freie Stellplätze für Rollator, Kinderwagen, Rollstuhl
  • Stock- und Schirmständer
  • In der Patiententoilette:
  • Gute Beleuchtung
  • Seifen- und Desinfektionsspender in für sitzende Personen erreichbarer Höhe
  • Notruf
  • Klappspiegel
  • Platz, um die Toilette (von beiden Seiten) anzufahren
  • Wendemöglichkeit für Rollstuhlfahrer

Im Behandlungszimmer:

  • Platz für Rollstuhl/Rollator/Kinderwagen
  • Rutscharmer Boden
  • Gute Beleuchtung
  • Höhenverstellbare Liegen
  • Drehbarer Bildschirm
  • Schuhlöffel
  • Freie Sicht auf Arzt/Ärztin
  • Mobile Induktionsschleife
  • Unterfahrbarer Schreibtisch

Auf der Homepage:

  • Lesbarkeit
  • Schlichte Gestaltung
  • Übersichtliche Darstellung von Schlüsselinformationen
  • Kontakthilfen
  • Einfache Sprache

In der Kommunikation:

  • Klare, deutliche Sprache, eher tiefe Sprechweise
  • Wertschätzende Wortwahl auf Augenhöhe
  • Direkte Ansprache des Patienten, nicht nur mit der Begleitung sprechen
  • Frage nach Bedürfnissen und Bitte an den Patienten, eigene Bedürfnisse auszusprechen
  • Hilfe anbieten, aber nicht ungefragt umsetzen
  • Nicht wortlos von hinten nähern
  • Nicht ungefragt anfassen
  • Einfache Sätze, Zusammenfassungen
  • Gesprächszusammenfassung als Notiz mitgeben
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