Stimmen aus der Praxis10 Jahre HZV – 10 Hausärzte der ersten Stunde

Zehn Jahre Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) als alternative Regelversorgung in Baden-Württemberg: Das ist eine einmalige Erfolgsgeschichte. Zum Jubiläum ziehen Teilnehmer der ersten Stunde Bilanz, werben für neue Ideen – und erklären, was die HZV ihnen im Praxisalltag gebracht hat.

„Die HZV hat die Hausarztmedizin gerettet“

Die HZV habe nicht nur wesentlich dazu beigetragen, dass die Kollegen in Baden-Württemberg zufriedener sind als vorher, meint Dr. Manfred Eissler aus Reutlingen.

„Die HZV hat die Hausarztmedizin gerettet“, sagt er. Der Arzt habe mehr Zeit für die Patienten, könne sich auf das konzentrieren, was notwendig ist, und müsse nicht aus abrechnungstechnischen Gründen irgendwelche zusätzlichen Leistungen erbringen. „Das kommt auch bei den Patienten gut an“, so Eissler.

Der erste Vertrag brachte ein Vergütungs-Novum

Als vor zehn Jahren AOK, Hausärzteverband und Medi in Baden-Württemberg den bundesweit ersten freien Vertrag zur HZV besiegelten, setzten die Vertragspartner einen neuen Maßstab in der ambulanten Versorgung.

„Wir haben uns seinerzeit vom EBM gelöst und eine nachvollziehbare Vergütungsstruktur mit wenigen Pauschalen in Euro und Cent und ohne Mengenbegrenzungen und Abstaffelungen etabliert“, erinnert Dr. Frank-Dieter Braun aus Biberach, 2. Vorsitzender des Landeshausärzteverbands.

Die Einführung einer kontaktunabhängigen Pauschale und des Überweisungsvorbehalts für Facharztbehandlungen in der HZV habe die Rolle der Hausärzte gestärkt und eine bis dato fragmentierte Versorgungslandschaft strukturiert.

Verbindliche Einschreibung als „Riesenvorteil“

Angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent aller Behandlungsanlässe vom Hausarzt abschließend gelöst und die restlichen 20 Prozent vom Hausarzt gesteuert werden, sei die verbindliche Einschreibung der Patienten in die HZV „ein Riesenvorteil“, betont Dr. Franz Ailinger aus Lichtenstein.

„Die Einschreibung beim Hausarzt baut den Terminstau bei den Fachärzten ab“, betont er. Und durch die Verknüpfung der HZV mit inzwischen sechs Facharztverträgen für neun Facharztgruppen werde eine deutlich bessere Steuerung der Versorgung erreicht.

Trotz Erfolgen: „Anpassungen sind nötig“

Im Zusammenspiel von Regel- und Selektivversorgung gebe es in Baden-Württemberg keine Probleme, berichtet Dr. Anne Gräfin Vitzthum aus Weinstadt, die auch stellvertretende Vorsitzende der Vertreterversammlung der KV Baden-Württemberg ist.

Allerdings habe sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass sowohl im HZV-Vertrag als auch im Kollektivvertrag Anpassungen notwendig sind, „weil bestimmte Leistungen nicht mehr kostendeckend erbracht werden können, zum Beispiel in der Allergologie und in der kleinen Chirurgie bei Überweisungspatienten“, erklärt Vitzthum.

Höhere Vergütung, höhere Wertschätzung

Nach Ansicht von Johannes Dietmar Glaser aus Leimen bietet die HZV nicht nur eine bessere Vergütung, sondern stellt auch eine höhere Wertschätzung der hausärztlichen Arbeit dar.

Die betriebswirtschaftliche Berechenbarkeit der HZV sei eine gute Grundlage für den Existenzerhalt der Praxen.

Gleichwohl bestehe Verbesserungsbedarf: „Wir haben in Baden-Württemberg vor zehn Jahren mit pragmatisch handelnden Akteuren auf allen Seiten einen sehr guten Weg eingeschlagen. Man kann sich nur wünschen, dass das in Zukunft fortgeführt wird“, erklärt Glaser.

VERAH® begleiten engmaschig

Teamorientierung wird in der Praxis von Dr. Doris Reinhardt in Friesenheim großgeschrieben. In ihrer Praxis haben alle Medizinischen Fachangestellten (MFA) spezielle Qualifikationen zu den Disease-Management-Programmen (DMP) und/oder dem Betreuungsprogramm PraCMan.

Die Abkürzung steht für „Hausarztpraxis-basiertes Case Management für chronisch kranke Patienten“. Derzeit werden 27 Patienten, die öfter im Krankenhaus sind oder die eine sehr hohe Hospitalisierungswahrscheinlichkeit haben und deshalb eine engere hausärztliche Betreuung benötigen, durch eine speziell geschulte VERAH® begleitet, berichtet Reinhardt.

Die HZV fördert den Einsatz dieser Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis in besonderem Maße.

Neues Vernetzungsprojekt setzt auf Digitalisierung

Noch besser könnte die Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen sein, wenn die Praxen miteinander vernetzt wären, meint Dr. Michael Eckstein aus Reilingen. „Die bisherige Form der Informationsübermittlung per Fax oder Brief ist überholt“, erklärt er.

„Deshalb arbeiten wir jetzt mit Hochdruck an einem größeren Vernetzungsprojekt innerhalb des AOK Haus- und Facharztprogramms.“

Die Ressource Arzt werde zunehmend knapper und deshalb „können wir uns Doppeluntersuchungen, Nachforschungen und aufwendige Telefongespräche immer weniger leisten“, so Eckstein.

Arzneimodul hilft im Verordnungsalltag

„Ein ganz wichtiges Element in der HZV ist das Arzneimittelmodul in der Praxissoftware“, erklärt Dr. Ewald Unteregger aus Freiburg.

In Kombination mit den Pharmakotherapie-Qualitätszirkeln trage die farbliche Markierung in der Praxis-EDV bei der Ausstellung eines Rezepts wesentlich dazu bei, dass die medikamentöse Behandlung in der HZV im Vergleich zur Regelversorgung angemessener und auch kostengünstiger ist.

 

 

HZV verbessert kollegiale Zusammenarbeit

Die geregelte Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten, die den Patienten unter anderem verkürzte Wartezeiten gewährleistet, führe zu effizienteren Ergebnissen, so die langjährige Erfahrung von Dr. Markus Klett aus Stuttgart.

Als Beispiel nennt er den in der HZV üblichen gezielten Überweisungsauftrag und die zügige Erstellung eines Berichts durch den Facharzt.

 

HZV-Riese setzt auf Teamstrukturen

Mit rund 7.000 HZV-Versicherten leitet Dr. York Glienke in Böblingen die größte HZV-Praxis in Baden-Württemberg.

„Nur der Aufbau von kollegialen Teamstrukturen und gute Arbeitsbedingungen können auf Dauer eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige hausärztliche Versorgung mit einem breiten Spektrum an Diagnostik und Therapie sicherstellen“, meint er.

„Die Grundlage dafür sind Verlässlichkeit und Planungssicherheit, wie sie die HZV bietet.“

 

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