Forum Politik„Wir wollen jungen Ärzten ihre Ängste nehmen”

Weniger das Medizinische, mehr das Wirtschaftliche und Rechtliche ist für angehende Hausärzte eine Hürde zur Niederlassung. Dagegen haben sechs junge Allgemeinmediziner nun ein wirkvolles Mittel entwickelt.

Werkzeugkasten für die Niederlassun

Sie haben sich vor vier Jahren niedergelassen. Was schreckt junge Ärzte vor diesem Schritt?

Timo Schumacher: Viele haben Angst vor Regressen, also wirtschaftliche Fragen bei der Verordnung – was darf man, was darf man nicht? Das Nicht-Medizinische macht den jungen Ärzten Angst. Bei den wirtschaftlichen, juristischen Fragen, die mit einer Praxisgründung verbunden sind, besteht Unsicherheit, weil es dafür auch keine „Leitlinien“ gibt. Häufig kommt in unseren Seminaren die Frage: Was kostet eine Praxis? Was bezahlt man wirklich? Hier gibt es je nach Gebiet eine riesige Spannbreite. Der Praxiswert ist auch immer ein ideeller – und darüber sprechen wir offen, war es einem die Summe wert oder nicht.

Entstand daraus die Idee zur Seminarreihe „Werkzeugkasten“?

Timo Schumacher: Wir waren alle frisch niedergelassen und haben eine Art eigenen Qualitätszirkel ins Leben gerufen, in dem wir uns gegenseitig besucht haben, um uns auszutauschen, was können wir besser machen. Wir, das waren anfangs: Ruben Bernau, Ruth Deecke, Claudia Kahle und ich. Wir hatten uns auf der practica in Bad Orb kennengelernt.

Unsere Informationen und Erfahrungen haben wir gesammelt und aufgeschrieben. Irgendwann fragten wir uns, warum sollten wir das nicht weitergeben? Denn die Zeiten sind vorbei, in denen jeder sein Wissen für sich behält. Das war vielleicht bei unseren Eltern noch so, als Ärzte untereinander mehr in Konkurrenz standen. Heute helfen wir uns, weil wir alle viel zu tun haben.

Aber eine ganze Seminarreihe lässt sich zu viert nur schwer stemmen…

Timo Schumacher: Genau. Hier waren Hans-Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Instituts für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IhF), und Gabriel Rogalli, Sprecher des Forums Weiterbildung, entscheidend. Ruben Bernau hatte bei Hans-Michael Mühlenfeld seine Weiterbildung absolviert, zusammen hatten wir schon die Seminare „Freude mit Formularen“ erarbeitet.

Mühlenfeld erfuhr von unserer Idee und vermittelte mit Gabriel Rogalli die Zusammenarbeit mit dem IhF und dem Deutschen Hausärzteverband. Gemeinsam feilten wir im Forum Weiterbildung am Werkzeugkasten und gewannen weitere Mitstreiter wie Sabine Frohnes und Jana Husemann.

Was macht den „Werkzeugkasten“ besonders?

Timo Schumacher: Das Besondere ist, dass junge, frisch niedergelassene Hausärzte die Seminare halten. Wir geben weiter, was wir aus unseren Fehlern gelernt haben und wie man es besser macht. Da wir selbst Ärzte sind, stehen bei uns keine weitergehenden Interessen dahinter, wir vermitteln weder eine Finanzierung noch Versicherungen oder anderes.

Wir wollen jungen Kollegen ihre Ängste nehmen, den Schritt in die Niederlassung leichter machen und so unseren Teil dazu beitragen, den Hausärztemangel zu bekämpfen. Wir wollen so den Zusammenhalt und den Austausch untereinander stärken – das ist ja auch der Gedanke, für den der Deutsche Hausärzteverband steht, den politischen Zusammenhalt zu stärken.

Langfristig soll dieser Charakter erhalten bleiben, indem wir immer wieder neue Referenten gewinnen, die dann näher an der Praxisgründung dran sind, als wir es mit der Zeit sein werden. Also eine Art Dominoprinzip: Es gewährleistet, dass die Fragen diskutiert werden, die einen wirklich beschäftigen und nicht, was sich aus irgendwelchen Statistiken oder Umfragen ablesen lässt. Das ist die Stärke unserer Seminare.

Timo Schumacher ist Facharzt für Allgemeinmedizin und seit 2011 niedergelassen

Lesen Sie dazu auch: Werkzeuge zur Gründung

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