kurz + knappVertragsärzte fordern verlängerte Frist für Telematik-Anbindung

Mit scharfen Worten hat die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) den Stand der Ausrollung der Telematik-Infrastruktur (TI) kritisiert. Bei ihrer Sitzung Anfang Mai in Erfurt haben die Delegierten einstimmig die Politik aufgefordert, die drohenden Sanktionen für Praxen, die nicht an die TI angebunden sind, "mindestens bis 30. Juni 2019 auszusetzen". Eine ähnlich lautende Forderung hatten jüngst die Delegierten des Deutschen Hausärzteverbands bei ihrer Frühjahrstagung auf Sylt beschlossen (Hausarzt 8).

Nach jetziger Gesetzeslage droht Vertragsärzten ein Honorarabzug von einem Prozent, wenn sie nicht bis Ende dieses Jahres erstmals das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) durchgeführt haben. Das VSDM ist die erste – und bislang einzige – Anwendung der TI.

Doch bislang sei der für die Anbindung an die TI nötige Konnektor lediglich in rund 15.000 Arztpraxen installiert, erinnerte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in Erfurt. Das ist gerade einmal jede siebte Praxis in Deutschland. Das Problem: Bei Redaktionsschluss war mit der Compugroup weiterhin nur ein Anbieter zertifiziert. Kriedel sprach von einem "Versagen der Industrie".

Die Vorsitzende der Vertreterversammlung, Hausärztin Dr. Petra Reis-Berkowicz, ging noch weiter: "Es ist geradezu verhöhnend, dass sich der angekündigte Markteffekt beim Konnektor nicht wie angekündigt einstellt."

Durch die abgestaffelte Finanzierung – bei der Vereinbarung war man von einem lebendigen Markt und damit verbundenen Wettbewerb ausgegangen – droht Ärzten ab Quartal III/2018 ein Minus von 1.200 Euro, wenn sie ihre Praxis anbinden. Dies in Kombination mit den drohenden Sanktionen bedeute für Ärzte einen doppelten Nachteil, betont die KBV. Ärzte müssten ab Juli wohl "die Zeche zahlen", hieß es in Erfurt. Oder mit den Worten von KBV-Vorstand Kriedel: "Es wäre eine Farce, wenn unsere Mitglieder am Ende Strafen zahlen müssen, obwohl wir unsere Hausaufgaben gemacht haben."

Die KBV verhandelt derzeit mit dem GKV-Spitzenverband über eine Anpassung der Finanzierung. Bis Redaktionsschluss lag noch keine Einigung vor.

Im Zuge der IT-Gesundheitsmesse conhIT kündigten zuletzt weitere Hersteller den Marktstart ihrer Konnektoren an: hausarzt.link/0QZor

Checkliste zur TI-Anbindung:Hausärzte, die ihre Praxis bereits angebunden haben, geben Tipps und Tricks:hausarzt.link/jlOMR

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