OrganspendeTransparenz soll erneut Vertrauen schaffen

Das Transplantationsgeschehen in Deutschland verläuft nach turbulenten Jahren wieder weitgehend unauffällig. Das zeigt der aktuelle Bericht der Prüfungskommission. Doch die Prüfer wissen: Um auch die Bereitschaft zur Organspende wieder zu erhöhen, braucht es mehr als stimmige Zahlen.

Transplantationsprogramme in Deutschland arbeiten heute weitgehend ohne Auffälligkeiten: Diese Zwischenbilanz ziehen die Prüfer der Bundesärztekammer (BÄK) mit der Vorlage des aktuellen Jahresberichts von Überwachungs- und Prüfungskommission. Unter 59 geprüften Programmen wurden demnach zuletzt lediglich drei systematische Richtlinienverstöße und Manipulationen gefunden: in Berlin, Göttingen und Essen, wobei erstere beide in Zusammenhang mit früheren, bereits erfassten Verstößen standen. Seit 2014 gebe es keine Anhaltspunkte für Manipulationen mehr.

„Wir konnten in vielen Zentren erhebliche positive Veränderungen gegenüber der vorangegangenen Prüfperiode feststellen“, sagte Anne-Gret Rinder, Vorsitzende der Prüfungskommission, bei der Vorstellung des Berichts am 6. Dezember in Berlin. Unisono betonte sie mit den Experten aus Prüfungs- und Überwachungskommission, dass die Transplantationszentren in Deutschland heute „grundsätzlich rechtskonform und korrekt“ arbeiteten. Es gebe auch keine Anhaltspunkte, dass Privatversicherte bevorzugt behandelt und transplantiert worden wären, so Rinder.

Spenderzahlen weiter im Keller

„Sehr viel Kopfzerbrechen“ bereite jedoch die Kluft zwischen den positiven Ergebnissen der Prüfer und der weiter im Keller verharrenden Organspendezahlen, sagte der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation, Professor Hans Lilie, auf Nachfrage.

„Was nützt es, wenn die Transplantationsmedizin sauber arbeitet, jedoch nicht ausreichend Organe vorhanden sind?“, betonte auch Professor Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission. Es handele sich um ein gesellschaftliches Problem, das auch durch mehr Aufklärung durch öffentliche Stellen und Ärzte adressiert werden müsse. Gemeinsam mit den Transplantationszentren sei bereits über die niedrigen Organspendezahlen diskutiert worden, denn die prinzipielle Bereitschaft sei bei vielen Bürgern durchaus vorhanden.

Die Vertrauensbildung in der Bevölkerung will auch Professor Ruth Rissing-van Saan voranbringen. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, in angespannten Situationen etwa zwischen Betroffenen und Krankenhäusern zu vermitteln und hier außergerichtliche Einigungen herbeizuführen“, erklärte die Vorsitzende der 2012 geschaffenen Vertrauensstelle. Seit Bestehen der Stelle sind 295 Anfragen eingegangen, 35 davon seit der letzten Bilanz im Dezember 2016. Die Bandbreite der Themen ist groß, nicht immer geht es um einen Manipulationsverdacht: Aufklärungsarbeit bei verunsicherten Bürgern, Fragen zur Lebendspende oder Beratungen von Angehörigen und Betroffenen bei einer geplanten Transplantation gehören auch dazu. „Diese bürgernahe Funktion hat sich sehr bewährt“, bilanzierte Rissing-van Saan.

Kulturwandel in Kliniken

Die Berichte der Prüfer sollen ein weiterer Baustein sein, in Sachen Organspende wieder einen positiven Trend einzuschlagen. „Wir werden auch künftig jeder Unregelmäßigkeit nachgehen, um so das Vertrauen in die Organspende weiter zu stärken“, betonte Lippert in Berlin.

In Deutschland sind derzeit 46 Transplantationszentren mit 128 Transplantationsprogrammen zugelassen. Seit dem Jahr 2012 nehmen Prüfungs- und Überwachsungskommission in Drei-Jahres-Abständen verdachtsunabhängige Prüfungen aller Programme vor. Im aktuellen Berichtszeitraum haben die Kommissionen 59 Transplantationsprogramme auf der Basis der Krankenakten von 1.991 Empfängern postmortal gespendeter Organe aus den Jahren 2013 bis 2015 überprüft:

  • 13 Herztransplantationen
  • 6 Lungentransplantationen
  • 12 Lebertransplantationen
  • 17 Nierentransplantationen
  • 11 Pankreastransplantationen

Weiterhin gab es 30 verdachtsabhängige Einzelfallprüfungen, bei denen die Prüfer bislang jedoch keine allokationsrelevanten Auffälligkeiten gefunden haben. In den Krankenhäusern habe ein „deutlicher Struktur- und Kulturwandel“ stattgefunden, sagte Lippert. „Der Normalfall ist, dass die Transplantationszentren regelkonform arbeiten.“ Die positiven Effekte könnten sich durch das Transplantationsregistergesetz weiter verstärken, hofft der Vorsitzende der Überwachungskommission.

Prüfungs- versus Überwachungskommission

Die von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband eingesetzte Überwachungskommission kontrolliert, ob die Gewinnung von postmortalen Spenderorganen ordnungsgemäß abgelaufen ist. Die Hauptaufgabe der Prüfungskommission hingegen ist die Kontrolle von Allokationsauffälligkeiten. Dabei prüft sie regelmäßig stichprobenartig, ob die Vermittlungsentscheidungen korrekt erfolgt sind. Des Weiteren geht die Kommission Meldungen von der Stiftung Eurotransplant oder von Einzelpersonen nach.

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